Eschweiler: Jeder zweite Eschweiler Haushalt hat eine Biotonne

Eschweiler: Jeder zweite Eschweiler Haushalt hat eine Biotonne

Die Biotonne wird ab dem 1. Januar 2015 zur Pflicht in Deutschland. Das Stadtbild der rund 60 Stadt- und Landkreise, die laut Bundesumweltministerium noch keine Biotonnen eingeführt haben, wird spätestens dann um einige Plastiktonnen bereichert. In Eschweiler gibt es die Biotonnen schon lange, auch wenn sie bisher kein Pflichtprogramm sind.

Zumindest nicht seit Einführung und nicht unmittelbar. Die Möglichkeit, Kartoffelschalen, Essensreste und den alten Blumenstrauss in der Biotonne zu entsorgen, gibt es in Eschweiler seit 1997. Damals war sie allerdings noch gänzlich freiwillig. Das hat sich 2010 geändert, als eine Getrennthaltungspflicht eingeführt wurde.Das bedeutet: Den Biomüll zum Restmüll in die Tonne zu geben war ab diesem Zeitpunkt verboten.

Auf dem Hof und einsatzbereit: Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler halten eine ganze Batterie an Bio- und Restmülltonnen bereit. Jede Tonne besteht fast komplett aus Kunststoff. Nur die Achse ist aus Metall. Frost, Hitze und Nutzung strapazieren das Material. Deshalb finden sich Ersatzteile auf dem Hof, um im Schadensfall reparieren zu Foto: Thomas Vogel

„Der Abfall, der anfällt, soll möglichst wiederverwertet werden. Das hilft, Müll zu vermeiden“, sagt Siegfried Zehn, Leiter der Abfallwirtschaftsabteilung in Eschweiler. Und: „Die Biotonne erfreut sich in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit“. Seit es die Getrennthaltungspflicht gebe, wachse die Zahl der Biotonnen in Eschweiler um rund 300 bis 400 pro Jahr.

Auf dem Hof und einsatzbereit: Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler halten eine ganze Batterie an Bio- und Restmülltonnen bereit. Jede Tonne besteht fast komplett aus Kunststoff. Nur die Achse ist aus Metall. Frost, Hitze und Nutzung strapazieren das Material. Deshalb finden sich Ersatzteile auf dem Hof, um im Schadensfall reparieren zu Foto: Thomas Vogel

Die Alternativen lauten entweder Biotonne, oder biologische Abfälle im eigenen Garten kompostieren. Wer letztere Möglichkeit in Erwägung zieht, muss das bei der Stadt beantragen. Und er muss glaubhaft machen, seinen Biomüll so kompostieren zu können, dass die Nachbarn weder durch Geruch noch Ungeziefer gestört werden. Wer das schafft, kann eine — Achtung, Verwaltungsdeutsch — „Ausnahme vom Anschluss- und Benutzungszwang gemäß § 17 Absatz 1 Satz 1, 2. Halbsatz KrWG (Kreislaufwirtschaftsgesetz)“ bekommen.

Auf dem Hof und einsatzbereit: Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler halten eine ganze Batterie an Bio- und Restmülltonnen bereit. Jede Tonne besteht fast komplett aus Kunststoff. Nur die Achse ist aus Metall. Frost, Hitze und Nutzung strapazieren das Material. Deshalb finden sich Ersatzteile auf dem Hof, um im Schadensfall reparieren zu Foto: Thomas Vogel

Von rund 40 100 entsorgungspflichtigen Grundstücken in Eschweiler seien derzeit mindestens 50 Prozent angeschlossen, so Siegfried Zehn. Bei der kommenden Biotonnen-Pflicht wird es diese oder eine ähnliche Ausnahme-Regelung auch geben.

Auf dem Hof und einsatzbereit: Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler halten eine ganze Batterie an Bio- und Restmülltonnen bereit. Jede Tonne besteht fast komplett aus Kunststoff. Nur die Achse ist aus Metall. Frost, Hitze und Nutzung strapazieren das Material. Deshalb finden sich Ersatzteile auf dem Hof, um im Schadensfall reparieren zu Foto: Thomas Vogel

Tausende Tonnen pro Jahr

Für die Entsorgung des biologischen Abfalls in Eschweiler wird sich ab 2015 überhaupt kaum etwas ändern. Weder die Abholung durch die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler, noch die Anlieferung und Verarbeitung in der Kompostierungsanlage der AWA (Abfallwirtschaft Aachen) in Würselen. „Sollten die Mengen deutlich ansteigen, müßten wir über eine Kapazitätssteigerung nachdenken“, sagt AWA-Sprecher Michael Uhr. Damit rechnet aber weder er, noch der Projektleiter der Anlage für Kompostierung und Vergärung, Joseph Stiller.

Die angelieferte Menge könne etwas wachsen, aber eine Steigerung um die Hälfte, da sind sich beide sicher, wird es nicht geben. 65 000 Tonnen Biomüll kommen pro Jahr an der Anlage aus der Städteregion Aachen und dem Kreis Düren an. 30 000 Tonnen verarbeitet die AWA selbst, der Rest wird umgeladen und zu Anlagen in Köln und Erftstadt gebracht.

Neben der Kompostierungsanlage ist 2012 eine Bioabfallvergärungsanlage entstanden. So wird der Biomüll aus den Kommunen nicht nur zu Kompost, hauptsächlich für die Landwirtschaft, sondern auch zu Strom verarbeitet.

Biomüll-Beutel erlaubt

Während 2012 aus Eschweiler noch 3900 Tonnen Biomüll in Würselen ankamen, waren es 2013 nur 3750 Tonnen — wegen des langanhaltenden Winters und daraus resultierend weniger Grünschnitt aus den Gärten. Im Schnitt hat jeder Eschweiler im vergangenen Jahr also rund 67 Kilogramm in die Biotonne geworfen. Zum Vergleich: In Monschau waren es im gleichen Zeitraum nur 13 Kilogramm pro Kopf.

Das liegt hauptsächlich an einem anderen System im Eifelort. Dort wird der Biomüll nicht abgeholt, jeder muss ihn selbst zu einem Container bringen. In Herzogenrath hat jeder Einwohner die Biotonne mit 112 Kilogramm gefüllt. Auch dafür kennt Stiller Gründe: Die Biotonne sei in Herzogenrath nach Einführung kostenlos gewesen. Bis heute seien Gebühren dort sehr niedrig und somit der Wille sich zu beteiligen größer.

Im Zuge der kommenden Biotonnen-Pflicht ist auch eine Debatte um Biokunststoff-Mülltüten entbrannt. Diese bieten Vorteile, etwa Reißfestigkeit, wenn Nässe von Lebensmitteln wie Tomaten ins Spiel kommt. Außerdem soll Ungeziefer im Sommer abgehalten werden. Allerdings gibt es ein Problem: Nicht jede Kompostierungsanlage kann die Tüten adäquat mitverarbeiten. In Würselen wurde es getestet, erzählen Uhr und Stiller. Danach hat die AWA grünes Licht zur Anlieferung auch der Tüten gegeben. Eschweiler erlaubt die Verwendung der Tüten deshalb ihrerseits seit einem Jahr.

Den Biomüll sauber halten

In ihrer Abfallentsorgungs-Satzung hat die Stadt definiert, was überhaupt als Biomüll gilt: „Unter Bioabfällen sind [...] alle im Abfall enthaltenen biologisch abbaubaren nativ- und derivativ-organischen Abfallanteile zu verstehen, d.h. alle im Abfall enthaltenen biologisch abbaubaren organischen Abfallanteile wie z.B. Speisereste, Zimmer- und Gartenpflanzen, Sträucher, Strauch- und Baumschnitt, Rasenschnitt und sonstige Gartenabfälle“.

Allerdings hält sich längst nicht jeder daran, erzählt Joseph Stiller. In jeder Kommune sei ein bestimmter Anteil an nicht kompostierbaren Abfällen in dem angelieferten Biomüll enthalten. Im Schnitt aller Kommunen spricht er von fünf Prozent. Die Indestadt steche da nicht besonders heraus, aber eine Steigerung sei nicht unmöglich: „Das Potenzial in Eschweiler ist da.“

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