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Jeder vierte Schulneuling sieht schlecht

Jeder vierte Schulneuling sieht schlecht

Kreis Aachen. Eva und Christoph sitzen in ihrer Klasse in der letzten Reihe und hinken mit ihren Leistungen den Mitschülern hinterher. Nicht, weil sie unbedingt dümmer wären, als ihre Klassenkameraden.

Sie sehen nur schlechter und können die Schrift auf der Tafel kaum erkennen - was sich negativ auf ihr Lernpensum auswirkt.

Nach Erkenntnissen des Kreisgesundheitsamtes gibt es viele Evas und Christophs, werden Sehstörungen oftmals erst relativ spät entdeckt. „Jedes vierte Kind erhält inzwischen bei der Schuleingangsuntersuchung eine Überweisung zum Augenarzt”, berichtet Thilo Koch, Geschäftsstellenleiter der Kommunalen Gesundheitskonferenz des Kreises Aachen.

Zu diesem Zeitpunkt seien jedoch schon wertvolle Monate oder Jahre verstrichen, um eine Sehstörung optimal zu therapieren. Je früher der Augenarzt behandeln kann, desto größer sind die Erfolgschancen.

Das frühzeitige Erkennen ist in den vergangenen Jahren jedoch erschwert worden. Denn der gesetzliche Auftrag von Untersuchungen im Kindergartenalter ist Ende der 90er Jahre als Pflichtaufgabe entfallen - aus Kostengründen.

Doch auf Grund der oben genannten Entwicklung setzt das Gesundheitsamt jetzt eben da wieder an, wo die Mitarbeiter vor einigen Jahren aufhören mussten. Als freiwillige Leistung, vor allem auch aus Gründen der Chancengleichheit der Kinder.

Eine Stichprobe in Alsdorfer Kindergärten habe im Oktober ein ähnliches Bild ergeben wie bei den Schuleingangsuntersuchungen, erläutert Koch. Von den mehr als 230 Teilnehmern erhielten rund 20 Prozent eine Überweisung zum Augenarzt. Der Sehtest offenbarte aber auch Probleme - so konnten oder wollten auf Grund von Sprachbarrieren oder Angst vor dem Unbekannten nicht alle der ursprünglich 257 Kinder daran teilnehmen.

Schwerpunkte

Wenn die Rückmeldungen der Ärzte darüber eingegangen seien, wie viele der Überweisungen tatsächlich berechtigt waren, werde über weitere Schritte beraten. Klar ist laut Koch jedenfalls, dass das Gesundheitsamt auf Grund inzwischen fehlender Ressourcen keine flächendeckenden Untersuchungen im Kreis anbieten kann.

„Wir werden nur Schwerpunkte setzen können”, sagt er. Daher wäre es wünschenswert, wenn ein Sehtest als Pflichtleistung in die Serie der kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen von Kindern aufgenommen werden könnte, appelliert Koch an die Verantwortlichen im Gesundheitswesen.