1. Lokales
  2. Eschweiler

Eschweiler: Jeder vierte Bewerber wird Zeitsoldat

Eschweiler : Jeder vierte Bewerber wird Zeitsoldat

Seit 2002 gilt bei der Bundeswehr das neue „Laufbahnrecht”. Unter dem Titel „Nachwuchsgewinnung für die Bundeswehr - Erfahrungen mit der neuen Konzeption” referierte in der Donnerberg-Kaserne Oberleutnant Thomas Jungen über die derzeitige Situation.

Während in der Vergangenheit rund 70 Prozent der sich verpflichtenden Soldaten aus der Truppe selbst stammten, also Rekruten waren, kommen momentan 70 Prozent aus der Nachwuchsgewinnung.

„Die große Masse ist bereits ab dem 1. Tag Zeitsoldat”, berichtet Thomas Jungen. Der Oberleutnant wird seit September 2002 als Wehrdienstberatungsoffizier am „Zentrum für Nachwuchsgewinnung WEST” eingesetzt. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, an Schulen, Berufskollegs und anderen Bildungseinrichtungen über die Bundeswehr zu informieren und zu werben. „Wir gehen auf junge Menschen zu”, beschreibt er das Konzept.

Intensive Tests

Bewirbt sich ein Interessent, wird während eines Tests zunächst geprüft, ob die charakterlichen, körperlichen und geistigen Voraussetzungen vorhanden sind. Im Gespräch mit einem Psychologen wird geklärt, warum der Bewerber den Dienst bei der Bundeswehr antreten will.

Ausbildung als Gegenleistung

Werden alle Tests vom Prüfling bestanden, erfährt er, wo er eingeplant wird. „Beim Antritt der Heimreise, weiß der Bewerber genau Bescheid”, so Thomas Jungen. „Der Soldat verpflichtet sich für acht bis zwölf Jahre. Als Gegenleistung bieten wir ihm eine Ausbildung oder, falls ein Beruf bereits vorhanden ist, einen höheren Eintrittsdienstgrad sowie die Möglichkeit, die Meisterprüfung abzulegen.”

Die Mindestvoraussetzungen für eine Einstellung sind im neuen Laufbahnrecht gesenkt worden. Musste früher für die Mannschaftslaufbahn ein Hauptschulabschluss vorhanden sein, reicht heute bereits die Erfüllung der Schulpflicht.

Anforderungen

Unteroffiziere benötigen nun mindestens den Hauptschulabschluss, Feldwebel den Hauptschulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Für zukünftige Offiziere ist die mittlere Reife und eine Berufsausbildung niedrigste Eingangsschwelle.

„Unmittelbar nach Inkrafttreten der neuen Konzeption hatten wir einen gewaltigen Sog von Hauptschülern ohne Berufsausbildung. Allerdings muss gesagt werden, dass Hauptschüler kaum eine Chance haben, die Unteroffiziers- oder Feldwebellaufbahn einzuschlagen”, verdeutlichte der Referent.

Insgesamt sind seit April 2002 im Zentrum West 12.000 Prüfungen durchgeführt worden, 3036 Bewerber, also 25 Prozent, wurden eingestellt. „Bei ihnen stimmte die Schnittmenge zwischen ihren Interessen und unserem Bedarf überein”, so Oberleutnant Thomas Jungen abschließend.