Eschweiler/Icking: Jan Weiler über seine Inspirationen, die Pubertät und sein neues Buch

Eschweiler/Icking: Jan Weiler über seine Inspirationen, die Pubertät und sein neues Buch

Jan Weiler war einst freier Mitarbeiter bei der Westdeutschen Zeitung, später Werbetexter und schließlich Chefredakteur des SZ-Magazins. Als solcher schrieb er 2002 für ein Italien-Sonderheft einen Artikel über seinen Schwiegervater, der einst als italienischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war.

Weiler stand dem Artikel erst skeptisch gegenüber, als der Artikel dann aber doch veröffentlicht wurde, war die Resonanz unerwartet positiv.

Daraufhin fuhr er 2003 mit seinem Schwiegervater Antonio nach Italien, um sich dort dessen Lebensgeschichte erzählen zu lassen. Daraus entstand schließlich das Buch „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“, mit dem er den Durchbruch als Schriftsteller schaffte.

Am 22. September ist der gebürtige Rheinländer im Eschweiler Talbahnhof zu Gast — mit einer Lesung seines Buches „Das Pubertier“. Im Interview spricht er über seine Inspirationen, mit wem er gerne mal essen würde und warum er Rote Beete überhaupt nicht ausstehen kann.

Im Talbahnhof gastieren Sie mit dem Programm „Das Pubertier und andere Geschichten“. Dabei spüren Sie gerne Ihrer eigenen Pubertät nach — Stichwort: nicht dazu gehören. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre eigene Pubertät?

Weiler: Es gibt viele Dinge, an die ich mich wieder erinnere. Das ist das Schöne an meiner Arbeit. Dank meiner Kinder bin ich ständig mit den Themen auch aus meiner Pubertät konfrontiert: Was ziehe ich an? Wer hat was mit wem? Warum ist der so doof? Das beschäftigt die Jugendlichen und ich denke mir: Stimmt, das war früher genauso.

Sie verwenden für Ihre Bücher und Shows Erlebnisse aus dem Familienleben sowie dem Freundes- und Bekanntenkreis. Sind Ihre Kinder bei Lesungen schon mal dabei?

Weiler: Bei Lesungen in München und Umgebung schon. Aber wenn ich beispielsweise nach Eschweiler komme, natürlich nicht. Meine Kinder kommen gerne zu den Shows, sie sind da sehr aufgeschlossen.

Und was sagen Ihre Kinder dazu, dass Sie Erlebnisse aus der Familie übernehmen?

Weiler: Zum Glück erzählen sie mir Vieles, trotz meiner Kolumne. Natürlich sind die Erlebnisse nicht auf bestimmte Personen rückführbar, ich stelle also niemanden bloß.

Was hat Sie eigentlich nach Icking verschlagen?

Weiler: Waren Sie schon mal da? Sollten Sie machen! Man hat dort einen schönen Blick in die Berge und braucht bloß eine halbe Stunde bis nach München. Außerdem gibt es einen guten S-Bahn-Anschluss, wir müssen die Kinder also nicht ständig fahren. Es ist echt super dort.

Vermissen Sie das Rheinland?

Weiler: Na klar. Ich bin in Düsseldorf geboren und bei Geburtstagen oder Hochzeiten fahre ich stets hin. Auch bei meinen Tourneen bin ich zwei- bis dreimal pro Jahr in der alten Heimat. Ich werde zum Beispiel bei meinen Eltern schlafen, wenn ich in Eschweiler auftrete. Dann besuche ich tagsüber auch Freunde.

Waren Sie schon mal in Eschweiler?

Weiler: Ich glaube nicht. Klar, in Aachen war ich schon, in Stolberg auch. Ich stehe seit zehn Jahren auf der Bühne, da kommt es nur noch sehr selten vor, dass ich neue Orte kennenlerne. Aber Eschweiler ist eine echte Premiere für mich.

Haben Sie als geborener Rheinländer denn etwas mit Karneval am Hut? Der ist in Eschweiler sehr wichtig...

Weiler: Ich hatte mit Karneval nie etwas am Hut. Aber als ich vor 22 Jahren nach München gezogen bin, habe ich den rheinischen Karneval dort im TV gesehen und das hat Heimweh ausgelöst. Früher empfand ich Karneval als das Letzte, aus der Ferne betrachtet ist aber gerade der Straßenkarneval sehr schön.

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben oder auf der Bühne stehen?

Weiler: Nix, ich kann ja nur die beiden Sachen. In den Ferien, die wir stets in Italien verbringen, arbeite ich tatsächlich mal nicht, da unternehme ich viel mit den Kindern. Ich würde auch etwas anders machen, aber ich bin davon überzeugt, dass ich sonst nix kann.

Gibt es eigentlich Unterschiede beim Publikum? Ist zum Beispiel der Niedersachse anders als der Rheinländer?

Weiler: Diese Annahme ist ein Klassiker, aber ich habe bislang keine Unterschiede festgestellt. Egal wo ich bin: Die Zuschauer lachen an der selben Stelle, sie sind alle gleich nett. Egal, ob ich in Dresden oder in Bremen bin, da gibt es keine Unterschiede.

Sie haben den Durchbruch damals mit „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ geschafft. Was schmeckt Ihnen gar nicht?

Weiler: Rote Beete!

Wie kommt‘s?

Weiler: Mein Opa stammte aus Krefeld und er hatte im Garten immer Rote Beete, die dann im Keller gelagert wurde. Er hat mir damals im Spaß gesagt, es seien Kinderköpfe. Davor habe ich mich immer gegruselt. Außerdem riecht Rote Beete muffig. Und Zitronat mag ich nicht. Bei einem Gericht mit Zitronat und Roter Beete wäre ich geliefert.

Hand aufs Herz: Was an der italienischen Küche schmeckt Ihnen gar nicht?

Weiler: Es macht ja nicht jeder Pizza und Pasta dort. Gerade in der regionalen italienischen Küche gibt es gewöhnungsbedürftige Gerichte. In manchen Regionen gelten gefüllte Schweinefüße als ausgewiesene Delikatesse. Das ist nichts für mich.

Mit welchem Prominenten würden Sie gerne einmal essen gehen?

Weiler: Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Am Ende ist das vielleicht sogar eine Enttäuschung. Ich würde vielleicht gerne mit Emma Watson (bekannt wurde sie als Hermine Granger in den Harry-Potter-Filmen, Anm. d. Red.) essen gehen, weil ich sie wahnsinnig entzückend finde. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass sie in Wirklichkeit auch so entzückend ist.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Weiler: An einem Hörspiel.

Können Sie schon mehr verraten?

Weiler: Nee, das mache ich nie. Wenn man zu viel verrät, dann quatscht man sich das kaputt.

Worauf dürfen sich die Zuschauer in Eschweiler freuen?

Weiler: Auf zwei Stunden beste Familienunterhaltung und auf alles, was bei den Zuschauern auch zu Hause geschieht — nur in lustig. Es geht um sämtliche Konflikte. Ich höre oft von Zuschauern: „Wenn Sie das so erzählen, klingt der ganze Ärger eigentlich dann doch ganz schön.“