Eschweiler: Jahresrückblick, Teil II: Überraschung und Erlösung

Eschweiler: Jahresrückblick, Teil II: Überraschung und Erlösung

Positive Nachrichten bestimmten das zweite Halbjahr in 2017. Vor allem der Baustart am Rathaus erhellte die Stimmung vieler Indestädter. Während die Bundes-Genossen mit dem aus Eschweiler stammenden Kanzlerkandidaten Martin Schulz traurige Töne anschlugen, wurde bei der Eschweiler SPD gejubelt: Claudia Moll zog überraschend in den Bundestag ein. Die Höhepunkte von Juli bis Dezember.

Juli

Die Bilder des zweiten Halbjahrs in Eschweiler: Bei den Bundestagswahlen setzt sich die Dürwisserin Claudia Moll überraschend durch. Entsprechend große war der Jubel bei ihr und ihrem Mann Michael. Am Rathaus haben im November endlich die Arbeiten begonnen. Dort weichen City-Center und ehemaliger Hertie-Komplex einem neuen Quartier. Foto: Rudolf Müller

Grünes Licht: Der Rat schließt sich der Meinung des Stadtkämmerers Stefan Kaever an, dass die LVR-Rückzahlung an die Kommunen weitergeleitet werden muss. 1,5 Millionen Euro stehen nach Auffassung der Mehrheit der Stadt Eschweiler zu. Sie beschließt darum eine Klage gegen die Städteregion.

Die Bilder des zweiten Halbjahrs in Eschweiler: Bei den Bundestagswahlen setzt sich die Dürwisserin Claudia Moll überraschend durch. Entsprechend große war der Jubel bei ihr und ihrem Mann Michael. Am Rathaus haben im November endlich die Arbeiten begonnen. Dort weichen City-Center und ehemaliger Hertie-Komplex einem neuen Quartier. Foto: Rudolf Müller

Musik: Der „Tag der Fanfarentrompeter“ lockt Tausende auf den Marktplatz. Sechs Trompeterkorps lassen den 8. Tag der Fanfarentrompeter zu einem insgesamt fast sechsstündigen Musikfest par excellence werden. Musikalischer Gesamtleiter ist wieder der Dürwisser Dieter Kaltenbach.

So könnte es am Blausteinsee einmal aussehen: Eine regionale Planergruppe sucht Investoren für ein 18-Millionen-Euro teures Tagungs- und Freizeithotel am Seezentrum. Foto/Animation: Scholl

Parteienzank: Im Zusammenhang mit dem Umzug des Gesundheitshauses der Städteregion kritisiert die SPD den CDU-Ratsherrn Marc Müller scharf. Hintergrund ist die berufliche Tätigkeit Müllers als Immobilienmakler. In dieser Funktion hat er im Auftrag einer Familie aus der Kupferstadt eine Immobilie an der Stolberger Rathausstraße an die Städteregion vermittelt. Für die Eschweiler Genossen hat dieser Vorgang „Geschmäckle“.

Nahm den Europäischen Sozialpreis für ihren Bruder Deniz entgegen: ILkay Yücel. Foto: Patrick Nowicki

Hilferuf: Der Citymanagement-Verein gerät in finanzielle Schwierigkeiten. Der Verein, der unter anderem die Stadtfeste finanziert und organisiert, muss immer höhere Auflagen erfüllen. Der städtische Zuschuss werde von den Gebühren verschlungen, teilt der Verein mit. Zudem geht die Suche nach einem Vorsitzenden weiter. Im Dezember beschließt der Stadtrat, den Zuschuss von 5000 auf 15000 Euro pro Jahr zu erhöhen.

Katastrophenschutz: Eschweiler bereitet sich auf den Fall vor, wenn eine radioaktive Wolke auf die Stadt zukommt. 45000 Kaliumiodidtabletten für Menschen, die das 45. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, bei der Stadt. Dies ist eine Folge des neuen Katastrophenschutzplans.

Unglück: Ein 56 Jahre alter Mann aus Düren stirbt bei einem Tauchgang im Blausteinsee. Der Mann wird regungslos im Wasser gefunden, nachdem Mittaucher Alarm gegeben haben. Die Untersuchungen ergeben, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist.

August

Publikumsmagnet: Das Eschweiler Music Festival wird zum kulturellen Höhepunkt des Jahres. Obwohl erstmals nach vielen Jahren wieder zu allen Konzerten Eintritt zu zahlen ist, schauen sich Tausende aus der ganzen Region sich die Akteure auf der Marktbühne an. Bedient werden verschiedene Musikgeschmäcker: Die Verdi-Oper Nabucco, die Original Blues Brothers Band, die Hermes House Band und Lou Bega sowie der Kölner Tag mit Bläck Fööss, Cat Balou und Kasalla begeistern allesamt. Organisiert wurde das Spektakel wieder von Kulturmanager Max Krieger.

September

Stadtfest: Autoschau und Feuerwehr-Konzert locken viele Menschen in die Innenstadt — allerdings bleiben die Geschäfte im Osten geschlossen. Dort werden die gesetzlichen Vorgaben für einen verkaufsoffenen Sonntag nicht erfüllt. Ursprünglich sollten dort Nutzfahrzeuge gezeigt werden.

Tauziehen: Die Bezirksregierung und die Stadt Eschweiler streiten über Flächen für. Lediglich entlang der Bahnstrecke Bovenberg und auf dem Fibercast-Gelände an der Feldstraße können jetzt Solarpaneele aufgestellt werden. Alle anderen Areale, die sich die Stadt Eschweiler ausgeguckt hat, lehnt die Bezirksregierung kategorisch ab.

Überraschung: Die Indestädterin Claudia Moll von der SPD zieht in den Bundestag ein. Bei den Bundestagswahlen setzt sie sich überraschend gegen Helmut Brandt (CDU) durch. Die Sozialdemokraten sind auch deshalb zufrieden, weil ihre Partei entgegen dem Bundestrend in Eschweiler zulegen kann. Die AfD erreicht zwar keine zweistellige Prozentzahl, wird mit 9,5 Prozent der Zweitstimmen aber viertstärkste Kraft, hinter der FDP, die 10,9 Prozent der Stimmen erreicht.

Gute Nachricht: Nach Jahren der roten Zahlen präsentiert der Stadtkämmerer Stefan Kaever zum zweiten Mal hintereinander einen Etat, an dessen Ende ein Plus steht. 4,3 Millionen soll der Überschuss im kommenden Jahr betragen — trotz wieder steigender Städteregionsumlage.

Oktober

Wahl: Patrick Nowicki wird vom Prinzenwahlausschuss des Karnevalskomitees zum neuen Narrenherrscher gewählt. An der Seite des Dürwisser Narrengardisten soll Michael Körfer als Zeremonienmeister stehen. In ihrem Heimatort werden die beiden Vollblutjecken in einem Fackelzug zur Festhalle geleitet.

Preis: Der Europäische Sozialpreis setzt ein deutliches Zeichen gegen Missachtung von Freiheitsrechten in der Türkei: Ilkay Yücel nimmt den Preis für ihren seit Februar ohne Anklage in Einzelhaft sitzenden Bruder Deniz entgegen. Bei der Feierstunde im Ratssaal spricht Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, über die Bedeutung der Pressefreiheit für die Demokratie.

Pläne: Entwickler aus der Region, Stadt und See-GmbH suchen in München einen Investor für ein Freizeit- und Tagungs-Hotel mit 150 Zimmern am Blausteinsee. 18 Millionen Euro soll der Bau kosten.

Wasserschaden: Der Start der neuen Kindertagesstätte in Dürwiß verzögert sich. Es entstand ein so erheblicher Wasserschaden, dass eine mehrmonatige Sanierung erforderlich ist. Im Frühjahr 2018 soll die Kita nun öffnen.

Bahnprojekte: Der Bahnübergang Jägerspfad wird im kommenden Jahr für immer schließen, der Hauptbahnhof soll im Jahr 2020 barrierefrei sein. Auch für die Aufweitung des Sticher Tunnels wird ein Jahr genannt: 2024. Die Pläne stoßen jedoch nicht nur auf Gegenliebe, weil Anwohner ein Verkehrschaos befürchten, wenn der Bahnübergang Jägerspfad geschlossen ist. Auch die Ratspolitiker sind zunächst skeptisch, stimmen aber dann in der letzten Sitzung im Dezember zu. Die Stadtverwaltung will die Verkehrsentwicklung zunächst abwarten.

Aus: Der älteste Fußballverein Eschweilers ist Geschichte. Die ESG, viele Jahre sportliches Aushängeschild der Stadt, löst sich auf. In der Vergangenheit war der Verein immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im Frühjahr scheiterte eine Fusion mit dem FV Eschweiler.

November

Abriss: Das City-Center weicht dem künftigen Rathaus-Quartier. Das einstige Karstadt-Kaufhaus und die Läden des City-Centers weichen einer kompletten Neugestaltung. Rund sechs Monate soll es dauern, bis der gesamte Komplex dem Erdboden gleichgemacht ist.

Sessionsstart: Tausende schunkeln und feiern beim Tag des Karnevals und dem Auftakt der Jupp-Carduck-Gesellschaft am Elften im Elften auf dem Marktplatz und beweisen damit, dass Eschweiler eine Hochburg des Rheinischen Karnevals ist. Auf der Bühne auf der Marienstraße präsentiert sich der zukünftige Prinz Patrick I. und sein Zeremonienmeister zum ersten Mal dem närrischen Volk.

Sabotage: Umweltaktivisten stören den Betrieb des Kraftwerks Weisweiler und erzwingen damit das zeitweise Abschalten von drei der vier Braunkohleblöcke. Nach Polizeiangaben gelangten 13 Personen in der Nacht aufs Betriebsgelände und setzten die Bunkeranlage, die die Kessel mit Braunkohle versorgt, außer Betrieb. Erst nach Stunden kann das Kraftwerk wieder in Betrieb gehen. Drei der Täter werden vor dem Haftrichter geführt, allerdings nach Feststellung der Personalien wieder entlassen. Ihnen droht ein Strafverfahren.

Zukunft: Der Kraftwerksstandort Weisweiler hat eine neue Perspektive. Dort sollen nicht nur Gewerbeflächen entstehen, auch ein neues, kleineres Gaskraftwerk ist denkbar. Ein Dementi von RWE gibt es dazu nicht.

Bürgerwünsche: In drei Stadtteil-Konferenzen planen Bürger die soziale Entwicklung der Stadt. Das Interesse in der Menschen ist groß, ebenso die Zahl der Ideen, Anregungen und Vorschläge.

Dezember

Stimme: Der aus Eschweiler stammende Sänger und Songwriter Amin Afify schafft es bis ins Viertelfinale der TV-Casting-Show „The Voice of Germany“. Dort allerdings ist Schluss. Was bleibt für den Rettungssanitäter: viel Erfahrung gesammelt und neue Anhänger gewonnen.

Schrecksekunde: Der über 20 Meter hohe Weihnachtsbaum auf dem Weihnachtsmarkt bricht und stürzt auf das Karussell. Wie durch ein Wunder werden lediglich sechs Personen verletzt. Der Markt bleibt anschließend einen Tag geschlossen, dann geht der Budenzauber weiter.

Ankündigung: Kulturmanager Max Krieger weckt schon die Lust aufs Eschweiler Music Festival des Jahres 2018. Anastacia und Status Quo werden im kommenden Sommer auf dem Marktplatz zu hören sein.

Etat: Mit deutlicher Mehrheit bringt der Stadtrat den Etat 2018 auf den Weg. 5,17 Millionen Euro beträgt das Plus nach derzeitigen Schätzungen der Stadtverwaltung. Einige Kommunalpolitiker gehen jedoch davon aus, dass diese Summe noch steigt, weil unter anderem der Landschaftsverband Rheinland seine Umlage senken wird. Die kommunalen Steuern verändern sich nicht.

Prämierung: Röhe belegt beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ den 2. Platz. Der Erlös geht an Einrichtungen im Ort.

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