Eschweiler: Jahresrückblick: Ein Kanzlerkandidat und ganz viel Wahlgetöse

Eschweiler: Jahresrückblick: Ein Kanzlerkandidat und ganz viel Wahlgetöse

Martin Schulz — dieser Name prangt über dem ersten Halbjahr. Nach der Nominierung des Sozialdemokraten zum Kanzlerkandidaten und der Wahl zum SPD-Bundesvorsitzenden blickte man häufiger nach Eschweiler, der Geburtsstadt von Schulz. Doch nicht nur Wahlkampf prägte die ersten sechs Monate, wie unser erster Teil des Rückblicks zeigt.

Januar

1.) Heizte den Genossen in der Weisweiler Festhalle zwei Tage vor den Landtagswahlen ein: der gebürtige Eschweiler Martin Schulz, der Anfang des Jahres zum SPD-Bundesvorsitzenden und zum Kanzlerkandidat gekürt wird. 2.) Mit einem Smartmob auf dem Marktplatz fordern Grundschüler eine bessere Ausstattung der Offenen Ganztagsschulen. 3.) Für weitere acht Jahre ist Hermann Gödde Technischer Beigeordneter der Stadt Eschweiler — er wird mit deutlicher Mehrheit gegen die Stimmen von CDU und Grüne im März wiedergewählt. 4.) Mit Sprühdose und Kreide sind Schüler beim Frühjahrsstadtfest in der Innenstadt unterwegs, das entgegen anderer verkaufsoffener Sonntage die Vorgaben erfüllt. Foto: Patrick Nowicki

Dirigat: Jeremy Hulin ist neuer musikalischer Leiter der Städtischen Musikgesellschaft. Der Brite löst Horst Berretz ab, der 30 Jahre lang den Taktstock schwang. Hulin wohnt mit seiner Familie in Röhe.

Jubelt seinen Untertanen zu: Prinz Ralf II. (Hesselmann). Ihm zur Seite steht Zeremonienmeister Georg Autzinger. Foto: Andreas Röchter

Feuer: In der Silvesternacht brennt die Westernstadt in Fronhoven nieder, die von den Bikern für soziales Engagement genutzt wird. Mit viel Unterstützung gelingt es dem Verein, die Häuser wieder aufzurichten.

ergfergf Foto: Katja Bach

Umzug: Die Mitglieder des TC Blau-Gelb sollen entscheiden, ob sie die Anlage an der Jahnstraße verlassen und nach Dürwiß wechseln.

2qwde2q Foto: Patrick Nowicki

Insolvenz: Der Schlachthof Eschweiler gerät wieder in die Schlagzeilen — diesmal aus wirtschaftlichen Gründen. Insolvenzverwalter Arne Meyer, Anwalt aus Aachen, soll das Ruder rumreißen. Im Juni melden sich Tierschützer, die Unregelmäßigkeiten bei der Schlachtung beobachtet haben wollen. Das Veterinäramt der Städteregion bestätigt den Verdacht nicht.

Karneval: In einer rauschenden Proklamation wird Ralf Hesselmann zum neuen Prinzen in Eschweiler proklamiert. An der Seite des Weisweilers steht Zeremonienmeister Georg Auzinger.

Kandidat: Ein gebürtiger Eschweiler soll die Bundestagswahl für die SPD gewinnen: Martin Schulz. Als letzte Amtshandlung als Präsident des Europäischen Parlaments hält er eine Rede beim Neujahrsempfang im Eschweiler Rathaus. Eine Woche später verkündet er, als Spitzenkandidat gegen Angela Merkel antreten zu wollen. In den folgenden Monaten ist er noch häufiger in Eschweiler zu Gast: Unter anderem tritt er zwei Tage vor den Landtagswahlen in der Festhalle Weisweiler auf.

Rückzug: Mehrere Krankenhäuser sollen die Hygienevorschriften nicht erfüllen, behauptet die Sendung „Plusminus“. Auch das St.-Antonius-Hospital soll dazugehören, wie eine interaktive Karte im Internet zeigt. Wenige Tage später rudert der Sender zurück: Die Karte wird aus dem Netz genommen, der Beitrag wird nicht weiter verbreitet. Die Karte fuße auf falsche Zahlen, heißt es.

Ideen: Die Stadtverwaltung legt ein Handlungskonzept für die nördliche Innenstadt vor, das bis zum Jahr 2021 fortgeschrieben wird. Auch der Rückbau der Indestraße soll Thema werden. Der Technische Beigeordnete Hermann Gödde verspricht, dass die Bürger eingebunden werden.

Februar

Ablehnung: Der Streit zwischen Städteregion und Ratsmehrheit gipfelt darin, dass die sogenannte „Benehmensherstellung“ des Haushalts der Aachener Behörde abgelehnt wird. Zankapfel ist die Weiterleitung einer Rückzahlung, die vom Landschaftsverband zu erwarten war. Inzwischen hat die Stadt Eschweiler gegen das Verfahren der Städteregion geklagt.

Erfolgsgeschichte: Der Industrie- und Gewerbepark wächst weiter. Der Rat beschließt die Erweiterung um zusätzliche 23 Hektar. Bis jetzt wurden dort etwa 1200 Arbeitsplätze geschaffen.

Abgeblasen: Der Stadtrat reagiert auf den Protest zahlreicher Weisweiler und Langerweher Bürger und lehnt das Repowering auf der Halde Nierchen ab. Dort bleibt es bei den derzeit neun 87 Meter hohen Windrädern.

Karneval: Die Fastelovend hält die Stadt und ihre Bewohner in ihren Armen. Nicht nur Prinz Ralf II. und sein Zeremonienmeister Georg erleben eine rauschende Zeit, auch Tausende in den Sälen und auf den Straßen. Höhepunkt ist der drittgrößte Rosenmontagszug der Republik, den 150.000 Menschen laut Polizeiangaben verfolgen. Anschließend bricht jedoch erneut eine Diskussion los, ob Pferde in Umzügen zulässig sind, weil ein Pferd im Rosenmontagszug am Mund blutet.

März

Jugendbande: Eschweiler verzeichnet im Gegensatz zu allen anderen Kommunen der Städteregion deutlich steigende Kriminalitätszahlen. Die Polizei hat eine Jugendbande als Ursache ausgemacht. Im Mai teilt der Leiter der Direktion Kriminalität, Stephan Wey, mit dass die Bande Heranwachsender alleine in 2016 für mehr als 300 Straftaten verantwortlich ist. Wey spricht von einer „30- bis 35-köpfigen Jugendbande, zu der 15 Intensivstraftäter“ gehören. Einige von ihnen sind inzwischen rechtskräftig verurteilt. Man habe das Wirken der Bande mit häufigen Kontrollen eingegrenzt.

Stinkbombe: Weil es im Städtischen Gymnasium nach Buttersäure stinkt, werden 500 Schüler evakuiert. Letztlich stellt sich die Chemikalie als im Internet bestellte „Stinkbombe“ heraus.

Auszeichnung: Der Sozialpreis des Fördervereins für die Rehabilitation psychisch Kranker und Behinderter geht an Harald Pütz. Der damalige NRW-Innenminister Ralf Jäger überreicht die Auszeichnung in Form von zwei Skulpturen der Künstlerin Brele Scholz.

Verlängerung: Hermann Gödde wird für weitere acht Jahre als Technischer Beigeordneter der Stadt Eschweiler vom Rat bestätigt. Von den 48 Ratsmitgliedern stimmen letztlich 32 für die Verlängerung seiner Amtszeit. Allerdings gehen der Wiederwahl heftige Diskussionen voraus, da die CDU im Stadtrat Gödde „mangelnde Kommunikation“ vorwirft. Mit dieser Haltung steht sie letztlich alleine da.

Kunterbunt: Die Stadt zeigt sich beim Stadtfest unter dem Motto „Farbig vernetzt“ von der fröhlichen Seite. 150 Schüler sind in Aktion, um die Innenstadt in eine Kunstmeile zu verwandeln. Der Start des Festes war unsicher, weil vielerorts gegen die Ausrichtung von verkaufsoffenen Sonntagen geklagt wurde. Das Konzept des Citymanagementvereins erfüllt jedoch die gesetzlichen Vorgaben.

April

Notfall: Bald werden wieder Sirenen ertönen. Sie werden an 21 Standorten in Eschweiler verteilt montiert. Damit folgt die Stadtverwaltung den Landesvorgaben, die den Katastrophenschutz auf neue Beine stellen.

Spektakel: Kulturmanager Max Krieger stellt das Programm des Eschweiler Music Festivals vor, das im August über die Bühne geht. Die Oper „Nabucco“ , Kölsche Tön‘ und die Hermes House Band sollen das Festival auf ein neues Level heben. Santiago sagt wegen eines Fernsehauftritts kurzfristig ab und wird von der Original Blues Brothers Band ersetzt.

Freunde: Hunderte Eschweiler Narren fahren zur französischen Partnerstadt Wattrelos, um dort traditionsgemäß „Carneval“ zu feiern.

Mai

Grünes Licht: Das Land NRW beteiligt sich mit knapp zwei Millionen Euro an den Abrisskosten des City-Centers und der ehemaligen Hertie-Immobilie.

Gutachten: In Eschweiler fehlen günstige Wohnungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Empirica AG in ihrem Konzept, das sie im Auftrag der Stadt erstellt hat. Bis 2025 müssten jährlich im Schnitt 120 neue Wohneinheiten entstehen — tatsächlich seien es bisher 35 pro Jahr, heißt es. Die Stadt will das Handlungskonzept auf Grundlage der weiteren Wohnungsbauentwicklung nutzen.

Disput: In der Ratssitzung am 11. Mai kommt es zum Eklat, weil Bürgermeister Rudi Bertram nach zwei Stellungnahmen der Verwaltung zum Hertie-Abriss jegliche Wortmeldung in der Ratssitzung untersagt. Der Verwaltungschef begründet dies damit, dass die CDU unterstellen würde, die Verwaltung würde bewusst mit falschen Zahlen bei den Abrisskosten operieren. Später stellt der Städte- und Gemeindebund fest, dass es keine Grundlage gegeben hätte, keine Wortmeldungen mehr zuzulassen. Bertram entschuldigt sich daraufhin.

Sieger: Bei den Landtagswahlen setzt sich der Indestädter Stefan Kämmerling (SPD) knapp gegen Axel Wirtz (CDU) als Direktkandidat durch und schwimmt damit gegen den Landestrend, der den Sozialdemokraten ein schlechtes Ergebnis beschert. Anke Göbbels fährt mit 7,4 Prozent der Erst- und 11,15 Prozent der Zweitstimmen ein Rekordergebnis für die FDP in Eschweiler ein.

Juni

Schulen: Die weiterführenden Schulen der Stadt Eschweiler rüsten auf: Ein Ingenieur-Büro wird beauftragt, IT-Konzepte für das Städtische Gymnasium, die Gesamtschule Waldschule, die Adam-Ries-Schule und die Realschule zu entwickeln. Bis zum Jahr 2019 sollen sämtliche dieser Schulen auf dem aktuellsten Stand vernetzt und mit Anschlusstechniken ausgestattet sein.

Nadelöhr: Die Deutsche Bahn AG verkündet, dass frühestens 2024 die Bahnüberführung Stich erweitert wird. Der Bahnübergang Jägerspfad hingegen soll schon im kommenden Jahr geschlossen werden. Dagegen protestieren Anwohner und Kommunalpolitiker.

Patternhof: Der Fußballplatz der ESG wird einem Baugebiet weichen — dies beschließt der Stadtrat. Unter anderem sollen auf dem Patternhof neue günstige Wohnungen entstehen.

Auszeichnung: Manfred Holz zeichnet Eschweiler als Fairtrade-Stadt aus. Sie ist damit die 484. Kommune in Deutschland, die die Kriterien erfüllt und fairen Handel in der Welt unterstützt. In der Städteregion ist nur die Stadt Aachen mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet worden. Alle zwei Jahre wird nun geprüft, ob die Voraussetzungen für den Titel nach wie vor gegeben sind.