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Eschweiler: Islamistische Gefahr wahrnehmen

Eschweiler : Islamistische Gefahr wahrnehmen

„Wir müssen begreifen, dass die Muslime die Welt auf eine andere Art wahrnehmen als wir Christen, und dass unsere Auffassungen nicht zwingend die Leitmotive der gesamten Welt sind.” Eindringlich appellierte Dr. Udo Ulfkotte am Montagabend in der Donnerberg-Kaserne an seine zahlreichen Zuhörer.

Auf Einladung der „Deutschen Atlantischen Gesellschaft” sowie der „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik” referierte und diskutierte der Journalist, der bis 2003 Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung” für die Themen Naher Osten, Afrika sowie Geheimdienste war, zum Thema „Das Netzwerk der Islamisten in Deutschland”.

Koran verheißt Plätze in erster Reihe

„Handlungen, die für uns fast banal sind, werden von Muslimen oft völlig anders bewertet”, erklärte Dr. Udo Ulfkotte. So seien Bilder, die britische Soldaten im Irak bei Hausdurchsuchungen mit Sprengstoffspürhunden zeigen, für uns völlig normal, für Muslime jedoch eine Beleidigung, da Hunde als „unrein” gelten. „Diese Bilder schüren selbst unkommentiert Hass.”

Um den Gästen die Denkweise der radikalen Islamisten näher zu bringen, blickte der Referent zunächst zurück in die Geschichte. „Im Jahr 632, in dem der Prophet Mohammed verstarb, war die Welt für die Muslime in ihrem natürlichen Gefüge. Der Koran verheißt ihnen nämlich unzweifelhaft die Plätze in der ersten Reihe. Daneben ist aber selbstverständlich auch Platz für Christen und Juden, allerdings nicht in der ersten Reihe.”

Prediger im Exil bauten Netzwerke auf

Doch spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei die Welt für die Muslime aus den Fugen geraten. „Das Osmanische Reich brach zusammen, 1924 wurde das letzte Kalifat abgeschafft. Vier Jahre später wurde dann in Ägypten mit der Muslimbruderschaft die erste flächendeckende radikale Abwehrbewegung gegründet”, berichtete der 44-jährige, der im vergangenen Jahr den Annette-Barthelt-Preis für seine Recherchen über Terror und Islamisten erhielt.

So entstanden ideologische Bewegungen, die nach wie vor existieren. „Viele der Prediger mussten in den 50-er Jahren ihre Heimatländer verlassen und gingen nach Europa ins Exil.” Hier wurden dann Netzwerke aus verschiedensten Strömungen des Islam aufgebaut. In den Bibliotheken zahlreicher Moscheen seien heute Bücher verfügbar, in denen Hass gepredigt werde.

Die ”Herzen der Muslime„ gewinnen

Die Grenze zwischen friedliebendem Muslim und Extremist sei jedoch schwer einzuschätzen, räumte Dr. Udo Ulfkotte ein. Der weitaus überwiegende Teil der 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslime sei natürlich nicht verdächtig. „Ein dauerhaft friedliches Miteinander kann es aber nur geben, wenn wir die Herzen der Muslime auf unserer Seite haben”, gab der Referent zu bedenken.

Allerdings müsse auch auf Seiten der Muslime einiges getan werden: „Warum gibt es keine Aussteigerprogramme für Extremisten, wie es sie bei uns für Rechtsradikale gibt?”, fragte er. Auch die weitere Entwicklung müsse in das Bewusstsein gerufen werden. So sehen Prognosen voraus, dass in 20 bis 25 Jahren die Mehrheit der Jugendlichen in den Niederlanden muslimisch sei. „Ich bewerte dies weder gut noch schlecht. Jedoch sollte man sich damit auseinandersetzen. In Deutschland ist dies aber ein Tabuthema”, bemängelte Ulfkotte.

”Täter verhindern ist möglich„

Die Politik des Westens nahm Dr. Udo Ulfkotte ebenso kritisch unter die Lupe. „Die Doppelzüngigkeit zahlreicher Regierungen hat viele Probleme erst erschaffen. Es ist in der Realität gar nicht erwünscht, dass die arabischen Staaten wirklich demokratisiert werden.”

„Taten zu verhindern ist illusorisch, Täter zu verhindern ist möglich”, lautete das Fazit des Journalisten nach mehr als zwei Stunden. Dazu müsse das Umfeld, in dem der Hass entstehe, verändert werden. „Der Irak-Krieg hat wahrscheinlich tausende neue Bin-Ladens geschaffen. Mit den Mitteln, die momentan angewandt werden, kann der Terrorismus nicht dauerhaft erfolgreich bekämpft werden.”