Besuch in der Müllverbrennungsanlage: Internationales Lob für nachhaltige Projekte

Besuch in der Müllverbrennungsanlage : Internationales Lob für nachhaltige Projekte

Nachhaltigkeit und Müllverbrennungsanlage passen auf dem ersten Blick nicht zusammen. Dennoch schauten sich Keytiane Morosini aus dem brasilianischen Alta Floresta und Jan Schuster, Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik der Stadt Eschweiler, auch die Anlage in Weisweiler an, wo jährlich bis zu 360.000 Tonnen Abfall verfeuert werden.

Die brasilianische Bauingenieurin nahm an der mehrtägigen „Summer Acedemy“ der Vereinten Nationen in Bonn teil. Dem schloss sich ein mehrtägiger Aufenthalt in Eschweiler an.

Dass die Indestadt im Terminkalender der Vereinten Nationen inzwischen häufiger auftaucht, führte letztlich auch zum 1. Platz beim Nachhaltigkeitspreis. In der diesjährigen „Acedemy“ machte wieder eine internationale Gruppe mit UNO-Beschäftigten, Mitarbeitern nationaler und internationaler Organisationen sowie Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft Station in Eschweiler. Natürlich am Blausteinsee. Auch Keytiane Morosini zählte dazu. Im Bonn befindet sich der Sitz des Wissenszentrums für Nachhaltige Entwicklung der Fortbildungsakademie des Systems der Vereinten Nationen (UNSSC Knowledge Center for Sustainable Development).

Bei ihrem mehrtägigen Aufenthalt in Eschweiler schaute sich Morosini auch eine Reihe von städtischen Gebäuden an, machte einen Besuch in einem Landwirtschaftsbetrieb und besuchte zudem verschiedene Abteilungen im Rathaus. „Eschweiler ist eine Musterstadt für uns“, schilderte sie. Die in Eschweiler gemachten Erfahrungen könne sie sich als Grundlage einer Zukunftsvision für die Stadt Alta Floresta vorstellen. Die brasilianische Stadt, mit der Eschweiler eine Partnerstadt anstrebt, liegt unmittelbar am Amazonas. Sie wurde 1976 gegründet und umfasst knapp 50.000 Einwohner auf einer Fläche von 8947 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Die gesamte Städteregion kommt auf eine Fläche von 707,2 Quadratkilometern, auf der etwa 570.000 Menschen leben.

Manches, was in Eschweiler selbstverständlich scheint, besteht so in Brasilien nicht. Die Mülltrennung ist ein solches Beispiel. In Kombination mit dem Kompostierplatz in Warden und dem Dualen System Deutschland passt der Besuch der Müllverbrennungsanlage eben doch zum Aspekt der Nachhaltigkeit. Keytiane Morosini hält „Fortschritte bei der Mülltrennung und der Entsorgung von Abfällen für besonders wichtig“. Sie sei von der Motivation und dem Bewusstsein der Menschen für die richtige Entsorgung von Abfällen sowie die Mülltrennung im Hinblick auf Recycling beeindruckt gewesen.

Manches, was sie schildert, verwundert, wenn man bedenkt, dass ihre Heimatstadt mitten im Gebiet des Amazonas liegt und von Regenwald umgeben ist. So plädiert sie dafür, dass man in Brasilien große grüne Korridore anlegen und eine intelligente Infrastruktur umsetzen müsse. Auch die „Förderung elektrischer Mobilität“ und die Begrünung von Flächen an städtischen Gewässern zählt sie auf. „In diesen Bereichen der Nachhaltigkeit müssen wir in Brasilien noch große Arbeit leisten“, meint sie.

Vom Angebot beeindruckt

Mehrere Tage war sie mit unterschiedlichen Mitarbeitern der Stadtverwaltung unterwegs. Ihren Gastgebern spricht sie ein Lob aus: „Beeindruckt hat mich besonders die Stadtverwaltung mit ihrem Engagement für nachhaltige Entwicklung in Eschweiler.“ Außerdem habe sie als beeindruckend empfunden, wie die „Stadt auf kollektives Wohlbefinden setzt“ und zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung investiert. Als Beispiele nannte sie nicht nur den Blausteinsee, sondern auch das Hallenbad.

In den kommenden Wochen soll die Nachhaltigkeitsstrategie politisch beschlossen werden. Im Grundsatz herrscht bei den Parteien Einigkeit, allerdings stimmen nicht alle Ratsmitglieder für das Konzept, da sie einzelne Punkte kritisch sehen. Die Stadtverwaltung hat dem entgegnet, dass Einzelpunkte noch separat diskutiert und letztlich beschlossen werden. Außerdem handele es sich um einen Prozess, der noch angepasst werden kann.

Der Aufenthalt von Keytiane Morosini begann übrigens ausgerechnet am Stadtfestwochenende, wo sie unter anderem auch die Inde-Party der Original Eschweiler besuchte. Begleitet wurde sie auch vom brasilianischen Honorarkonsul und Kulturmanager Eschweiler, Max Krieger. Kein Wunder also, dass sie schreibt: „Ich habe mich während meines ganzen Aufenthalts in Eschweiler sehr wohl gefühlt.“ Die Leute seien sehr aufgeschlossen. Zudem habe sie viele neue Freundschaften geschlossen. Mit einem Lachen ergänzt sie: „Auch das Essen hat mir sehr gut geschmeckt. Leider habe ich so viele leckere Kartoffeln und Pommes und so viel Döner Kebab gegessen, dass ich mit drei Kilo mehr zurück nach Brasilien komme.“

Wiedersehen möglich

Im Rathaus freut man sich, immer wieder Besuch von den Vereinten Nationen zu bekommen. „Dies ist ja auch für Eschweiler ein Beleg, dass wir mit unseren Projekten der Nachhaltigkeit auf einem guten Weg sind“, sagt Jan Schuster, bei dem die Fäden zum Thema Nachhaltigkeit in Zukunft zusammenlaufen sollen. Vielleicht wird auch Keytiane Morosini wieder einmal die Indestadt besuchen, auch wenn das Stipendium abgelaufen ist: „Auf jeden Fall werde ich Eschweiler und meine neuen Freunde sehr vermissen und hoffe, dass ich bald wiederkommen werde.“ Dies wäre dann ein in mehrfacher Hinsicht nachhaltiger Aufenthalt gewesen.