Eschweiler: Integrativer Kochkurs: Auf Deutsch, auf Arabisch oder mit Händen und Füßen

Eschweiler : Integrativer Kochkurs: Auf Deutsch, auf Arabisch oder mit Händen und Füßen

„Das kann man gerne wiederholen“ waren sich alle Teilnehmer eines „integrativen Kochkurses“, der kürzlich in der Schulküche der Realschule Patternhof stattfand, einig.

Die Pfarre St. Peter und Paul und das BKJ-Familienzentrum Jahnstraße hatten zu dem kulinarischen Kurs geladen, um gemeinsam deutsches und orientalisches Essen zuzubereiten, sich auszutauschen, die verschiedenen Spezialitäten des jeweils anderen kennenzulernen, und natürlich um das leckere Selbstgemachte am Ende miteinander zu kosten und zu genießen.

Gekommen waren rund ein Dutzend Teilnehmer, darunter Deutsche, Syrerinnen und Marokkanerinnen, die sich auch sogleich an den vier Küchenzeilen im Hauswirtschaftsraum, in dem sonst die Schüler der Realschule den Kochlöffel schwingen, austoben konnten. Claudia Lausberg und Beata Schwamborn vom katholischen Kindergarten St. Theresia kümmerten sich derweil um den Nachwuchs der Teilnehmer, damit diese sich ganz aufs Kochen konzentrieren konnten.

Deutsch und orientalisch

Zehn Kinder waren mit in die Realschule gekommen und konnten nun in Ruhe in einem benachbarten Klassenraum spielen, malen oder basteln, während in der Schulküche die Schneebesen und Kochlöffel kreisten. Der Kochplan sah vegetarische Spezialitäten aus den verschiedenen Herkunftsländern der Teilnehmer vor. „Wir kochen deutsches und orientalisches Essen“, erläutert Nadja El-Ammarini vom BKJ-Familienzentrum Jahnstraße, die das Projekt gemeinsam mit Diakon Jürgen Schoenen von der Pfarre St. Peter und Paul ins Leben gerufen hat.

„Jeder guckt dann was der andere kocht“, so El-Ammarini, die auch das „Frauencafé“ gründete, in dem sich seit rund vier Jahren rund 15 Frauen aus Syrien und Marokko wöchentlich treffen. Dort erklärt El-Ammarini ihnen beispielsweise die Hintergründe von in Deutschland traditionellen Festen wie St. Martin oder inwiefern Sexualkunde im deutschen Schulsystem verankert ist.

In der Küche ging es derweil mit einer leckeren Linsensuppe als Vorspeise los. Während das Hauptgericht mit Kartoffelpüree, Spinat und Spiegelei eine typisch deutsche Mahlzeit darstellte, zauberten die Kursteilnehmer mit einem Bulgur-Salat eine leckere syrisch-libanesische Spezialität, die aus Tomaten, Weizengrütze, Pfefferminze, Olivenöl, Zitrone und Petersilie besteht, auf den Tisch. Zum Dessert gab es mit Knafeh (oder auch Knefe), eine levantinische Süßspeise. Nadja El-Ammarini holte die verlockende Leckerei mit Sahnecreme und Mozzarella aus dem Ofen, und kippte unter den staunenden Blicken der deutschen Teilnehmer Zuckerwasser über die feinen Teigfäden.

Einfache Tipps

Nun war es an der Zeit die leckeren selbstgemachten Gerichte zu kosten. Gemeinsam saßen die fleißigen Köche an einem großen Tisch in der Schulküche und probierten (anfangs noch etwas zaghaft) die ihnen fremden Spezialitäten, während sie sich in Deutsch, Englisch, Arabisch oder „mit Händen und Füßen“ über die verschiedenen Gerichte unterhielten und Rezepte und einfache Kochtipps austauschten. Dabei schmeckte es allen sichtlich, auch wenn einiges erst einmal fremdartig daherkam.

Die Organisatoren zeigten sich am Ende des Nachmittages zufrieden: „Menschen die geflüchtet sind, fühlen sich durch die Sprachbarriere verloren. Der Kochkurs gibt Gelegenheit sich auf Augenhöhe zu begegnen und Gemeinsamkeiten zu finden, “ erklärte El-Ammarini nach dem gelungenen kulinarischen und integrativen Projekt, das auch bei dem bunten Teilnehmerkreis auf äußerst positive Resonanz stieß. Ob es zu einer Fortsetzung des „integrativen Kochkurses“ kommt steht jedoch noch nicht fest.

(tim)
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