Eschweiler: In Las Vegas sichert sich Lea aus Eschweiler den Weltmeistertitel

Eschweiler : In Las Vegas sichert sich Lea aus Eschweiler den Weltmeistertitel

So recht fassen kann die neunjährige Lea Röhrig die Ereignisse der vergangenen Tage noch nicht. Auch der Jetlag hängt ihr noch in den Knochen. Aber sie ist glücklich, denn sie hat ihr Ziel erreicht: Sie wurde in Las Vegas Weltmeisterin im Schwerttanz und erreichte zudem Silber im Papierschneiden und Bronze in der Poomse (Scheinkampf) im Haidong Gumdo.

Ein Jahr lang hat sie intensiv mit Meister Chae Seung trainiert, um nach Platz 3 im Vorjahr nun den Weltmeistertitel an die Inde zu holen. Lediglich im Taekwondo ging sie leer aus: Den Start des Wettkampfes hat sie zeitlich verpasst.

Verbunden war die sportliche Reise, die über Zürich in zwölf Stunden Flug nach Nevada führte, auch mit einem umfangreichen Besichtigungsprogramm. Allerdings konnte nur Vater Jürgen mit von der Partie sein. Ihr Bruder Dennis, zwölf Jahre alt, brach sich wenige Wochen vor dem Wettkampf das Bein, blieb darum zuhause und konnte seinen Weltmeistertitel im Papierschneiden nicht verteidigen. „Er ist aber dennoch mächtig stolz auf seine kleine Schwester“, gesteht Jürgen Röhrig.

Unter dem Namen Haidong Gumdo werden mehrere koreanische Kampfkunstverbände zusammengefasst, die verschiedene Schwerttechniken lehren. Lea Röhrig besitzt mehrere Schwerter, die meisten jedoch aus Holz und natürlich völlig unscharf. Dies ist auch nicht entscheidend für die Bewertung, sondern die Technik steht im Mittelpunkt der Übung. Beim „Papierschneiden“ führen sämtliche Abweichungen zur Ideallinie zu Abzügen. Beim Schwerttanz ist auch eigene Fantasie gefragt. Bewegen sich koreanische Kämpfer eher zu traditionellen Klängen ihres Landes, legte Lea eine Choreographie zu HipHop-Klängen auf die Matte und wurde mit Gold belohnt.

Die „Pan American Mulimpliasiu“ fand im Hotel „JW Marriot“ in Las Vegas statt. Die dortige Halle war klimatisiert. „Das war auch notwendig, denn in Las Vegas erreichen die Außentemperaturen auch schnell 45 Grad Celsius“, schildert Jürgen Röhrig. Parallel zum sportlichen Ereignis wollte seine Tochter jedoch auch etwas von den Vereinigten Staaten sehen. Deswegen waren die beiden auch nicht im Wettkampfhotel untergebracht, sondern hatten ein Appartment gemietet. Flug, Unterkunft und Verpflegung musste die Familie aus eigener Tasche bezahlen: „Sponsoren sind im Kampfsport in Deutschland sehr selten“, berichtet Jürgen Röhrig.

Der Ausflugsplan war umfangreich: Der Grand Canyon wurde besichtigt, dort schritt sie auch über den „Skywalk“, einer gläsernen Brücke, die den Blick in die Schlucht ermöglicht. „Dies war allerdings nichts für mich“, gesteht der Vater. An der Ballonfahrt mit seiner Tochter nahm er jedoch teil. Was natürlich nicht fehlen durfte: der Besuch des Disney-Parks in Anaheim. All diese Erinnerungen waren mit im Gepäck, als die Heimreise anstand.

Nach dem Weltmeistertitel in Las Vegas hat Lea Röhrig schon das nächste Ziel vor Augen: Im kommenden Jahr will die Schülerin der KGS Bohl in Südkorea antreten und ihren Titel verteidigen. Auch diese Reise wird nicht ganz günstig, weshalb sie zu bestimmten Anlässen auf Geschenke verzichtet und lieber ihr Sparschwein füttert. Und ihren Vitrinenschrank. Die ersten Pokale mussten schon für die Medaillen aus Las Vegas weichen.

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