Eschweiler/Wattrelos: In französischer Partnerstadt: Patrick I. und Michael „rocke Wattrelos“

Eschweiler/Wattrelos : In französischer Partnerstadt: Patrick I. und Michael „rocke Wattrelos“

Am Ende waren auch Prinz Patrick I. und sein Zeremonienmeister Michael sichtlich gerührt. Etliche Eschweiler Jecken hatten sich um den Prinzenwagen versammelt und empfingen das Gespann am Ende des Zugweges mit deren Lied „Mir rocke de Stadt“. „Lalalalalalalala“ ertönte ein allerletztes Mal durch die Straßen.

Nein, diese Szene ist kein Rückblick auf den Rosenmontagszug in Eschweiler. Am Wochenende packten die Karnevalisten aus der Indestadt noch einmal Kostüme und Uniformen zusammen und machten sich auf den Weg nach Frankreich. Schließlich stand in Eschweiler Partnerstadt Wattrelos an diesem Wochenende der Karneval auf dem Programm — diesmal mit der einen oder anderen Premiere. Doch dazu später mehr.

Partnerstädte feiern: Konfetti darf in Eschweilers französischer Partnerstadt Wattrelos nicht fehlen (Foto oben). Spaß hatte an diesem Wochenende nicht nur Komitee-Präsident Norbert Weiland (Foto links), der von Michele Coquelle, stellvertretende Bürgermeisterin von Wattrelos, begrüßt wurde. Auch Prinz Patrick I. und sein Zeremonienmeister Michael (Foto Mitte) genossen den Umzug. Ausgezeichnet für ihr Engagement in Sachen Partnerstadt wurden Edith und Martin Ferstl (Foto rechts). Foto: Sonja Essers

Bereits am Samstag machten sich einige Indestädter auf den Weg. Darunter natürlich das Karnevalskomitee der Stadt Eschweiler mit Prinz Patrick I. und seinem Zeremonienmeister Michael. Mit einem zweiten Bus war der Partnerschaftsverein unterwegs. Ihm hatten sich ebenfalls etliche Karnevalisten angeschlossen.

Partnerstädte feiern: Konfetti darf in Eschweilers französischer Partnerstadt Wattrelos nicht fehlen (Foto oben). Spaß hatte an diesem Wochenende nicht nur Komitee-Präsident Norbert Weiland (Foto links), der von Michele Coquelle, stellvertretende Bürgermeisterin von Wattrelos, begrüßt wurde. Auch Prinz Patrick I. und sein Zeremonienmeister Michael (Foto Mitte) genossen den Umzug. Ausgezeichnet für ihr Engagement in Sachen Partnerstadt wurden Edith und Martin Ferstl (Foto rechts). Foto: Sonja Essers

Der erste Programmpunkt für die Karnevalisten: der offizielle Empfang im Rathaus. Begrüßt wurden sie von Laureen Lemoine, Präsidentin der Confrérie du Carnaval de Wattrelos. „Die Karnevalszeit ist die Zeit der Unterhaltung, wo die Regeln und die Rollen geändert sind. Wir tragen Masken, wir feiern, wir verkleiden und wir amüsieren uns und vergessen die Regeln“, sagte sie. Lemoine nahm auch Auszeichnungen vor. So wurden aus der Indestadt Edith und Martin Ferstl ausgezeichnet. Seit Jahren setzen sie sich für den Erhalt der Partnerschaft zwischen Eschweiler und Wattrelos ein. Bei dem Besuch der Freunde aus Frankreich an Karneval ist ein Stopp bei den Ferstls Jahr für Jahr ein Muss.

Partnerstädte feiern: Konfetti darf in Eschweilers französischer Partnerstadt Wattrelos nicht fehlen (Foto oben). Spaß hatte an diesem Wochenende nicht nur Komitee-Präsident Norbert Weiland (Foto links), der von Michele Coquelle, stellvertretende Bürgermeisterin von Wattrelos, begrüßt wurde. Auch Prinz Patrick I. und sein Zeremonienmeister Michael (Foto Mitte) genossen den Umzug. Ausgezeichnet für ihr Engagement in Sachen Partnerstadt wurden Edith und Martin Ferstl (Foto rechts). Foto: Sonja Essers

Sicherheitsvorkehrungen

Nicht nur die Indestädter präsentierten sich beim Umzug von ihrer besten Seite. Auch die französischen Gruppen zeigten tolle Kostüme und einfallreiche Wagen. Foto: Sonja Essers

Seit 40 Jahren wird in Wattrelos Karneval gefeiert. Ein Jubiläum gab es in diesem Jahr trotzdem nicht. Warum? Das erklärte Michele Coquelle, Wattrelos stellvertretende Bürgermeisterin in ihrer Rede. Drei Mal fielen die Veranstaltungen aufgrund von Kriegen oder Attentaten aus. Erst vor wenigen Jahren wurde der Umzug abgesagt, zu große war die Angst vor einem Anschlag.

Das Thema Sicherheitsvorkehrungen spielt in Eschweilers Partnerstadt nach wie vor eine große Rolle. „Diese Maßnahmen betreffen nicht nur den Karneval, sondern auch das Nationalfest am 14. Juli, das Berlouffefest, die Umzüge mit Laternen Anfang Oktober in den Stadtvierteln, den Weihnachtsmarkt und die neun Trödelmärkte in der Stadt“, so Coquelle. Dennoch gebe man sich von Seiten der Verwaltung und von Seiten der Confrérie größte Mühe, damit trotzdem gefeiert werden könne.

Dass die stellvertretende Bürgermeisterin an den Feiern teilnehmen konnte, machte sie sehr glücklich. Schließlich wurde sie in der Vergangenheit von einer schweren Krankheit heimgesucht. Die Genesungswünsche erreichten sie natürlich aus der Partnerstadt und auch Komitee-Präsident Norbert Weiland freute sich darüber, dass es Coquelle nun wieder besser gehe, machte er in seiner Rede deutlich. „Wir müssen das Leben genießen und nur die guten Momente behalten. Amüsieren wir uns und lachen. Es ist Karneval und alles ist erlaubt. Ich bestätige es: Karneval ist ein notwendiges Arzneimittel“, so Coquelle.

Neben Komitee-Präsident Norbert Weiland richtete auch Prinz Patrick I. einige Worte an die Gäste — natürlich in französischer Sprache. Wie selbstverständlich hielt er seine Ansprache und das, obwohl er eigentlich kein einziges Wort Französisch beherrscht. Wie das funktioniert? Von einer Bekannten wurde seine Rede ins Französische übersetzt. Sie nahm diese auf und der Narrenherrscher notierte sich die Aussprache in Lautschrift. Bei den Franzosen kam dies besonders gut an und sie applaudierten am Ende der Rede lautstark.

Bevor es zur Wahl des französischen Prinzen in die Veranstaltungshalle ging, richtete auch Bürgermeister Dominique Baert noch einige Worte an die Gäste. „Der Mann, der zu Ihnen spricht, ist glücklich. Denn man ist immer glücklich Freunde wiederzutreffen und gute Momente mit ihnen zu verbringen“, sagte er. In seiner Funktion als Bürgermeister sei er allerdings nicht besonders glücklich. Schließlich wurde Frankreich erst vor einigen Tagen erneut Opfer eines Terroranschlags. „Der Feind ist da, versteckt, bereit anzugreifen, zu zerstören“, fuhr er fort.

Warum Baert das Thema in seiner Rede aufgriff, machte er ebenfalls deutlich. „Vor diesen Gefahren, vor diesem unmenschlichen Benehmen müssen wir uns mit Humanität, die in der Mehrheit unserer Einwohner steckt, wiedersetzen“, sagte Baert. Für das Miteinander der beiden Partnerstädte sei der Karneval ein gutes Symbol. „Dieser Sinn des Karnevals, der Freude, der guten Laune: Das ist unsere Humanität, unsere eigene Brüderlichkeit und darauf sind wir stolz.“ Stolz sei man ebenfalls darauf, die Gäste aus Eschweiler begrüßen zu dürfen. „Wir wissen alle hier, dass wir auf sie zählen können, um gute Stimmung zu bringen“, so Baert.

Jeckes Gespann

Nach dem offiziellen Teil ging es in die Stadthalle. Hatten Prinz Patrick I. die französischen Freunde zuvor mit seiner Rede in französischer Sprache überrascht, so durfte er im Rahmen der Abendveranstaltung gemeinsam mit seinem Zeremonienmeister Michael noch einmal die Bühne rocken. Das ließ sich das jecke Gespann natürlich nicht zwei Mal sagen. Mitten im Lied schnappten sie sich die stellvertretende Bürgermeisterin und tanzten gemeinsam mit ihr über die Bühne. Der Saal tobte.

Das eigentliche Highlight stand allerdings erst am kommenden Tag auf dem Programm. Auf dem Parkplatz hinter der Halle trafen die Karnevalisten ein. Zwei weitere Reisebusse hatten sich am frühen Sonntagmorgen auf den Weg gemacht. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen zog der närrische Lindwurm durch die Straßen. Ein Unterschied zum karnevalistischen Treiben in der Indestadt: der Einsatz von Konfetti. Die Papierschnipsel verwandelten die Straßen auch in diesem Jahr wieder in eine weiße Landschaft. Ein Souvenir, das die Eschweiler auch Wochen später noch an ihren Ausflug erinnern wird.

Für die kleinen Zuschauer waren die Eschweiler Karnevalsgesellschaften wieder einmal das Highlight des Umzugs. Diese hatten sich nicht lumpen lassen und so regnete es in Wattrelos nicht nur reichlich Konfetti, sondern auch Kamelle. Die Begeisterung der Kinder blieb auch den Eschweiler Karnevalisten nicht verborgen. „Es ist schön, dass die Kinder hier die Kamelle wenigstens noch aufheben“, hörte man einige Indestädter sagen.

Uniformen jetzt im Schrank

Viel zu schnell war der Umzug dann doch vorbei. Und auch für Prinz Patrick I., der danach in der Halle noch einmal mit den französischen Kostümgruppen auf der Bühne tanzte, endete damit endgültig die Session. Nach und nach machten sich die Eschweiler Busse wieder auf den Weg in Richtung Heimat und während die Uniformen bis Anfang November nun in den Schrank wandern, werden die vielen besonderen Momenten wohl noch lange im Gedächtnis der Teilnehmer bleiben — vielleicht sogar bis zum nächsten Jahr.

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