In Eschweiler gibt es mehrere Nikoläuse

Eschweiler: Die wahren Nikoläuse der Stadt

Sie sind rar gesät in Eschweiler: Die die einzig wahren, die originalen Nikoläuse der Stadt. Die Doppelgänger, die in rotem Mantel Geschenke an brave Kinder verteilen, heißen in Wahrheit vielleicht Richard, Malte, Fabian oder Lars mit Vornamen. Einen richtigen Nikolaus zu finden, ist nicht leicht. „Ich persönlich kenne keinen anderen, der so heißt“, bestätigt Nikolaus Schümmer.

Der 69-jährige Rentner ist einer der Wenigen in der Umgebung, die noch den Namen tragen, auch wenn er der Einfachheit halber „Klaus“ genannt wird. Schümmer ist gelernter Landwirt und lebt schon sein ganzes Leben lang in Eschweiler. „Ich bin der Älteste noch Lebende in meiner Straße, der hier geboren ist“, sagt er stolz.

Nikolaus Schümmer ist heute Rentner und hat früher auch Namenstag gefeiert. Foto: Anne Schröder

Den Namen hat er von seinem Patenonkel, ebenfalls ein waschechter Nikolaus, bekommen. Damals war es gang und gäbe, dass Neugeborene nach dem Paten benannt werden. „Eigentlich sollte ich ein Mädchen werden, aber das hat nicht hingehauen. Sonst hieße ich jetzt Christel.“ Er ist also ein Nikolaus statt Christkind geworden. Er ist aber zufrieden mit seinem Namen.

Nikolaus Stüker hat sich schon als Nikolaus verkleidet und Schokoladeneier verteilt.

Da die familiäre Situation bei ihm im Moment nicht stabil ist, macht er sich aus den kommenden Feiertagen zurzeit nicht allzu viel. Das war früher anders. Da wurde bei den Schümmers der Nikolaustag, der auch gleichzeitig sein Namenstag ist, mehr gefeiert als heute. „Die schönste Erinnerung an den Tag ist, als mein Bruder vom Nikolaus selber in den Sack gesteckt und erst an der Straße wieder herausgelassen wurde.“ Für seinen Bruder war dies allerdings keine so schöne Erinnerung.

Aber der morgige Tag wird bei ihm jetzt nicht mehr besonders gefeiert. Auch spielte der heilige Nikolaus, nach dem der morgige Tag benannt ist, in seinem Leben keine wichtige Rolle. „Ich habe ein bisschen Bart, aber sonst keine Verbindung zum echten Nikolaus“, sagt Schümmer lachend und fasst sich ins Gesicht.

Der 6. Dezember gilt als der Todestag des im vierten Jahrhundert vor Christus verstorbenen heiligen Nikolaus von Myra, dem heutigen Demre in der Türkei. Die Legende besagt, dass er von seinen Eltern, die an der Pest starben, ein Vermögen geerbt hatte und es an die Armen verteilt hat. So soll er mehrere junge Frauen vor der Prostitution bewahrt haben, weil er heimlich Geld durch den Kamin in die darin zum Trocknen aufgehängten Socken warf. Der Nikolaus der ersten Stunde gilt seit jeher als Geber der guten Gaben.

„Ich verschenke kein Geld, davon hab ich selber kaum etwas“, vergleicht sich scherzend ein weiterer Nikolaus aus Eschweiler mit seinem Namenspatron. Nikolaus Stüker ist Heilerziehungspfleger und betreut psychisch kranke Menschen.

Als Nikolaus Eier verteilen

Auch wenn er kein Geld verteilt, hat er während des Abiturs und seiner Ausbildung schon einmal den roten Mantel umgehangen und sein Gesicht in einen weißen Rauschebart gehüllt. Dass statt Schokoladennikoläusen Schokoladenüberraschungseier verteilt wurden, hat im Endeffekt dabei aber niemanden gestört. Geschenke vom echten Nikolaus sind bekanntlich besonders wertvoll. Sein Name hat Stüker also schon zu guten Taten in der Vergangenheit bewegt.

Stükers Mutter war es, die damals seinen Namen ausgewählt hat. „Sie wollte mir keinen nullachtfünfzehn Namen geben.“ Seit 32 Jahren trägt er diesen bereits und findet ihn inzwischen ganz gut, denn er ist nicht alltäglich und somit auch besonders. Auf Namensportalen wird „Nikolaus“ auch mit Intelligenz, Sympathie und Freundlichkeit assoziiert. (Anders sähe das mit Sicherheit bei „Knecht Ruprecht“ aus, aber so wird hoffentlich nie ein Kind heißen müssen.) In der Grundschule haben nicht alle Kinder den Wert des Namens sofort erkannt. Stüker wurde dort ab und zu deswegen etwas geärgert, wie er erklärt. Aber das sei ja auch nicht unüblich und bei vielen Namen der Fall. Seine Freunde nennen ihn allerdings eher „Nicki“ statt Nikolaus.

Auch bei ihm wird der morgige Tag nicht mehr besonders gefeiert. Früher haben sie auch Stiefel geputzt und darin am Morgen Süßigkeiten gefunden, aber einen besonderen Vorteil seinen Geschwistern gegenüber hatte Stüker nicht. Heute steht vor allem Heiligabend und die Weihnachtstage im Zentrum der Feierlichkeiten.

Im Zeichen der Nächstenliebe

Die echten Nikoläuse aus Eschweiler haben also keine besondere Beziehung zum morgigen, zu „ihrem“ Nikolaustag. Der ist ja vor allem auch für Kinder bezaubernd. Dennoch darf sich am Mittwoch jeder Nikolaus, egal ob echt oder unecht, über einen Gedenktag freuen, der im Zeichen der Nächstenliebe steht. Auch jeder Klaus, Niklas und jede Nicole darf sich an seinem beziehungsweise ihrem Namenstag feiern.