1. Lokales
  2. Eschweiler

Eschweiler: Im Westen nichts Neues: Viel ist zu tun!

Eschweiler : Im Westen nichts Neues: Viel ist zu tun!

Es steht noch einiges auf der Agenda von Raphael Kamp und seinem Team. Der Quartiersmanager, der für das Projekt „Integration von Flüchtlingen im Quartier Eschweiler-West“ tätig ist, präsentiert auf der Sitzung des Integrationsrates die bestehenden Probleme, die es in dem Viertel zu lösen gilt.

Wohnungsbestand/Wohnsituation: In Eschweiler-West sind mehrere Asylbewerberunterkünfte angesiedelt. In der Hüttenstraße, am Stich sowie in der Gutenbergstraße. Letztere biete in Bezug auf den privaten Wohnungsmarkt noch sehr viel Leerstand, erläutert Kamp. Etwa 80 Wohnungen stünden dort noch frei, in denen etwa 320 Menschen untergebracht werden könnten. „Für die Bedarfssituation ist das sehr entscheidend, wenn diese Wohnungen auf den Markt kommen würden. Das wäre eine Entlastung, gerade im sozialen Bereich“, sagt Kamp. Vor allem wenn Familien mit mehreren Kindern nachkommen, seien insbesondere kleine Wohnungen nicht angemessen, wo sich schnell Spannungen entwickeln können.

Ein großes Aber

Es gibt aber auch ein großes Aber: Viele Wohnungen auf dem privaten Markt sind sanierungsbedürftig. Es bestehen Schimmelprobleme aufgrund unzureichender Isolierung sowie des Lüftungs- und Heizverhalten. „Seit etwa zwei Monaten werden einige Wohnungen eines Eigentümers bereits saniert. Hier bewegt sich also etwas“, hebt der Quartiersmanager die positiven Entwicklungen hervor. Allerdings gibt es nicht nur positive Seiten bei der Bereitstellung dieser Wohnungen in dem Bereich beispielsweise der Gutenbergstraße: Eine große Gefahr sei die soziale Ausgrenzung der Migranten.

„Ich aus meiner Quartiersmanager-Sicht würde auch so weit gehen zu sagen, die leer stehenden Gebäude nicht als Wohnraum zu nutzen, da dies zu einer weiteren Ausgrenzung und zu Überanspruchung der lokalen Angebote führen könnte“, sagt Kamp. Allerdings wisse er auch um die hohe Nachfrage und die Probleme, gute und bezahlbare Wohnungen zu finden. Eine sei eine schwierige Situation, eine Ghettoisierung zu beobachten, weshalb auch außerhalb des Quartiers sozialer Wohnraum geschaffen werden müsse.

Öffentliche Ordnung: Die bereitsgestellte Hütte der mobilen Jugendarbeit auf dem Sportgelände hinter der Gutenbergstraße würde als Treffpunkt genutzt, erklärt der Quartiersmanager. Die starke Präsenz von Polizei und Ordnungsamt, die bereits besteht, müsse laut Kamp erweitert werden. Die mobile Jugendarbeit solle weiterhin einbezogen werden, um sich um die Jugendlichen zu kümmern. Nicht von der Hand zu weisen sei die Drogenproblematik dort. Deswegen müsse man verstärkt ein Auge darauf werfen.

Im Bereich der öffentlichen Ordnung in Eschweiler-West bestehen außerdem Probleme mit Vermüllung, Vandalismus und Sperrmüll, der häufig nicht abgeholt wird und über einen längeren Zeitraum auf den Geländen steht. Kinder würden diesen dann zum Spielen nutzen, da es in der Umgebung keinen geeigneten Spielplatz gibt. Druck auf die Vermieter sowie Aufklärung der Bewohner können hier helfen, dem Sperrmüllproblem entgegenzuwirken.

Öffentliche Versorgung: „Ich erlebe, dass Kita, Schule, offener Ganztag vor Ort überansprucht sind“, berichtet Kamp. Mehr Plätze seien wünschenswert. Gerade wird versucht, für die Evangelische Grundschule Jahnstraße, wo die Nachfrage nach Plätzen sehr hoch ist, Ehrenamtler zu gewinnen, um die Kinder noch einmal zusätzlich zu unterstützen. Es mangele außerdem an einem breiten Angebot attraktiver Sportangebote vor Ort, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, wobei die bestehende Zusammenarbeit mit Vereinen, gerade im Bereich Fußball, erfolgreich sei. Es gilt: sinnvolle Beschäftigungen für Flüchtlingsfamilien zu schaffen und weiter auszubauen, denn diese werden — wie das Fußballspielen an Sonntagen oder Angebote der mobilen Jugendarbeit — gut angenommen. Gerade in den Ferien sei dies besonders wichtig, betont Kamp.

Seit Mitte 2016 besteht das Projekt „Integration von Flüchtlingen im Quartier-West“, das vom Land im Rahmen des Sonderprogramms „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ mit 310.500 Euro noch bis Ende 2018 gefördert wird. Kamp und sein Kollege Dr. Wolfgang Joussen betonen, dass zwar noch einige Baustellen bestehen, bis jetzt aber auch schon vieles getan und erreicht wurde. Kamp hat im letzten Jahr 139 Haushalte betreut, die Familien kennen ihn und freuen sich über sein Engagement beispielsweise bei Aktionen wie Ostereieiersuche, Nikolausfeier oder einzelnen Sportaktionen. Ein Kind in der Unterkunft in der Gutenbergstraße macht Abitur, viele Flüchtlinge arbeiten als ehrenamtliche Dolmetscher. Es gehe vor allem um das Aufbauen und Stärken des Projekt-Netzwerkes.

Auch die Einrichtung der Sozialraumkonferenz innerhalb des geförderten Projekts, für die Joussen zuständig ist, trägt zur Entwicklungsarbeit bei, indem sie Organisationen im oder für das Quartier zusammenbringt und in Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen regelt. Mehrere kleine Projekte, die sich aus den Arbeitsgruppen ergeben wie Deutschkurse, Hausaufgabenbetreuung und Kunstaktionen wurden bereits durchgeführt oder sind geplant. So auch ein Deutschkurs für Frauen mit begleitender Kinderbetreuung.

Aufgrund mangelnder Kita-Plätze sei es gerade immobilen Müttern nicht möglich, Deutschkurse zu besuchen. „Hier war wichtig zu sehen, dass diese Frauen dann bereit waren, diese Kurse zu machen, wenn ihre Kinder betreut sind. Es zeigt, dass man da auch in Zukunft was machen kann“, erklärt Joussen. Es steht ein Verfügungsfonds in Höhe von 45.000 Euro zur Verfügung. Die Quartiersprojekte können mit einer Summe von maximal 5000 Euro gefördert werden.

Allerdings geht der Förderzeitraum des gesamten Projektes nur noch bis Ende 2018, stellt Joussen das Problem heraus: „Wenn diese Struktur mit all dem, was bisher gemacht worden ist, keine Fortsetzung finden würde, dann gäbe es ein sehr großes Problem“. Er richtet sich damit vor allem an das Land Nordrhein-Westfalen, damit solche Strukturen, die die Integration fördern, weitere Unterstützung finden.

Hoffen auf weitere Förderung

Auf Nachfrage, wie es 2019 nach einem Auslauf der Förderung weitergehe, zeigt sich die Verwaltung zuversichtlich. „Wir sind auf dem Weg in Hinblick auf das Enddatum der Förderung nach Möglichkeiten zu suchen, dieses Quartiersmanagement in dieser oder in andere Form weiterzuführen, auch mit einer entsprechenden Förderung“, teilte Sozialdezernent Stefan Kaever mit. Man müsse sich um eine entsprechende Anschlussförderung bemühen.

„Wenn wir diese nicht bekommen, ist meine Überzeugung, dass wir dann im Haushalt entsprechende Priorität setzen müssten“, erklärt Kaever weiter. Er blickt damit auf Beratungen und Planungen des Haushalts 2019, in welchem Umfang und Höhe eine Finanzierung des Quartiersmanagement Eschweiler-West finanzierbar sei.