Eschweiler: Im Sturmzentrum der Justiz lauern die Richter

Eschweiler: Im Sturmzentrum der Justiz lauern die Richter

Die Juristen der Stadt wollen nicht ins allgemeine Wehklagen einstimmen. Diesen Eindruck musste man zumindest beim Neujahrsempfang im Eschweiler Amtsgericht gewinnen. Dort trafen sich Rechtsanwälte, Notare, Richter und Justizangestellte, um zum Jahresbeginn ins Gespräch zu kommen.

Und dies „in einem außerdienstlichen Rahmen”, wie es Hausherr und Amtsgerichtsdirektor Ulrich Conzen beschrieb.

Er bat, mit Zuversicht in das frisch gestartete Jahr zu blicken. Auch das Amtsgericht habe im vergangenen Jahr einen Personalabbau erfahren müssen - „und dies bei unverändertem Arbeitsaufkommen.” Doch trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen habe man die Aufgaben gemeistert, lobte er seine Mitarbeiter. Den zahlreichen Gästen wünschte er „so viel Gesundheit, dass Ärzte und Apotheker so gerade noch leben können”.

Auch Vertrauensanwalt Roland Wunderlich und der neue Vizepräsident des Landgerichts Aachen, Reiner Napierala, richteten einige Worte an die geladenen Gäste, ehe der Hauptredner des Morgens ans Pult trat: Professor Dr. Uwe Meiendresch überraschte die Gäste mit einem Vergleich. Justizarbeit sei Teamarbeit. „Die Fußballmannschaft ist das Sinnbild für Teamarbeit.”

Und so vergab der Vorsitzende Richter am Landgericht Aachen Positionen in einer Fußballmannschaft für die verschiedenen juristischen Bereiche. Im Tor und in der Innenverteidigung seien die Wachtmeister, die Serviceeinheiten seien im Mittelfeld vertreten, um den Überblick zu behalten. „Wir Richter sind die Mittelstürmer. Wir bewegen uns, wenn überhaupt, nur kraftsparend. Warten auf die Akten, also Bälle”, nahm er seinen Berufsstand ein wenig auf die Schippe. Allrounder seien hingegen in seinen Augen die Rechtsanwälte.

Allerdings gebe es auch deutliche Unterschiede zum geliebten Ballsport: „Bei Gericht dürfen sich Kontrahenten vergleichen.” Im Fußball seien Ergebnisabsprachen hingegen nicht erlaubt. Auch zahle Bayern Münchens Manager Uli Hoeness besser als die NRW-Justizministerin Roswita Müller-Piepenkötter. Trainerentlassungen seien bei der Justiz ebenfalls nicht vorgesehen - „in Eschweiler hätte aber sowieso gar keine Gefahr bestanden”.

Den Neujahrsempfang lobte der Jurist ausdrücklich: „Sie wollen Trennendes überwinden - mein Respekt.” Auch bei Gericht werde oft zu viel getrennt, dabei sei Justizarbeit Teamarbeit. „Unsere Aufgabe ist es, in dieser verdammt ungerechten Welt etwas Gerechtigkeit zu liefern”, lautete sein Credo.

Dem humorvollen und kurzweiligen Beitrag schloss sich der gemütliche Teil des Empfangs an. Am Büfett kamen die zahlreichen Juristen aus Stolberg und Eschweiler bestens ins Gespräch.

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