Stolberg: Im nachtschwarzen Flitzer auf Jagd nach Pokalen

Stolberg: Im nachtschwarzen Flitzer auf Jagd nach Pokalen

Am liebsten ist es Stefan Nägler, wenn man ihn von hinten sieht. Das mag zwar unhöflich klingen, aber vom Standpunkt eines Rennfahrers betrachtet, ist dieser Wunsch verständlich: Ganz klar, dass der 22-Jährige der Konkurrenz lieber voraus ist, statt ihren Staub zu schlucken.

Motorsport ist der Mittelpunkt im Leben des jungen Stolbergers. Das Ostern-Wochenende hatte er deshalb sehnsüchtig erwartet. An diesem wurde auf dem Nürburgring die neue Saison eröffnet. Nägler liebt die Geräuschkulisse und den typischen Geruch auf allen Rennstrecken der Welt. Es ist diese Mischung aus Benzin und verbranntem Gummi auf Asphalt, die es dem Industriemechaniker angetan hat. „Wenn mir dieser Geruch in die Nase steigt, dann will ich nur noch eines: mich hinter das Steuer meines Rennautos klemmen und Gas geben.”

Ordentlich auf Tempo zu kommen, dürfte im Porsche 996 GT3 kein Problem sein. Stefan Nägler, der gemeinsam mit seinem Teamchef André Krumbach gleich zwei Mal in Folge die Meisterschaft um den „Porsche-996-Cup” gewann, wird erneut im Nobelflitzer aus Stuttgart antreten - diesmal allerdings im TCC Challenge.

Der nachtschwarze Flitzer mit 430 PS unter der formvollendeten Motorhaube gehört Krumbach, der sich mit seinem Betrieb in einem Gewerbegebiet in Eschweiler auf Motorsport spezialisiert hat. Teams aus ganz Europa lassen ihren Rennwagen hier auf Vordermann bringen.

Seit zwei Jahren fährt Stefan Nägler im KRS-Team, dem Krumbach-Racing-Service-Team, mit. Vom Potenzial seines Schützlings ist der 42-Jährige überzeugt. „Er hat das Talent, die Nervenstärke und den nötigen Biss.” Vor allem aber bringe Nägler Leidenschaft mit. Leidenschaft für schnelle Autos und Rennen. Ein guter Fahrer wird man aber nicht, indem man auf der Couch sitzt: Jede freie Minute wird deshalb zum Training genutzt und auf der Rennstrecke verbracht.

Ursprünglich nur Testfahrer

Schnelle Autos faszinieren den passionierten Fahrer seit langem. Im Alter von 14 Jahren fuhr er sein erstes Rennen. Es war ein Kartrennen. Mit bis zu 120 Kilometern in der Stunde brauste der Stolberger über den Asphalt. Ursprünglich sollte er lediglich ein Modell testen, aber seine Rundenzeiten waren so gut, dass er ohne Umwege ins Junior-Team aufgenommen wurde und schon kurze Zeit später bei der Clubmeisterschaft in Kerpen erfolgreich startete. Dort sicherte sich der junge Stolberger auf Anhieb Platz 2 - und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Auch Michael Schumacher begann seine Karriere hinter dem Lenkrad eines Karts. „Schumi war aber vier Jahre alt, als er das erste Mal ein Kart lenkte.” Er habe ja „erst” mit 14 Jahren begonnen, wendet Nägeler bescheiden ein. Aber: Ohne seinen großen Traum von der Formel I würde Stefan Nägler immer noch Kartrennen fahren, statt im Porsche über weltberühmte Rennstrecken in Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland zu jagen. Schumacher hatte den Vorteil, einen Vater mit eigner Kartbahn zu haben, der obendrein beste Kontakte zur Formel I-Szene unterhielt. „Das Glück haben wir leider nicht”, betont sein Vater, Bernd Nägler. „Ich habe weder eine Kartbahn noch Millionen auf meinem Bankkonto. Aber ich unterstütze meinen Sohn, wo ich nur kann. Schade ist nur, dass der Junge echt Talent hat, aber finanziell weder die Formel II noch die Formel I für uns zu schultern ist”, sagt der Fahrschullehrer, und er klingt dabei keineswegs verbittert.

Ausbildung abgeschlossen

Auch wenn der Traum vom Profilager allgegenwärtig ist, setzt Stefan Nägler beruflich auf Sicherheit und hat eine Ausbildung zum Industriemechaniker abgeschlossen. Zum Tourenmotorsport kam Stefan Nägler mit 18 Jahren. Bei einem Sichtungslehrgang in Wackersdorf hatte man ihn entdeckt, und er bekam die Chance, beim „Uniroyal-Fun-Cup” auf dem Hockenheimring mitzumachen. Im umgebauten Fun-Käfer stach er die internationale Konkurrenz aus und katapultierte sich in der Deutschland-Wertung (Kategorie „Benzin”) gleich im ersten Anlauf auf Platz 1.

André Krumbach wurde auf den ehrgeizigen Kollegen aus dem Nachbarort aufmerksam, und dass seine Spürnase ihn nicht täuschte, beweisen die beiden Porsche-996-Meisterschaftspokale in der Vitrine. Allerdings sind die Trophäen auf den ersten Blick gar nicht auszumachen: Die Regale im Büro und in der Werkstatt quellen schier über mit Siegestrophäen. Keine Frage - das KRS-Team ist erfolgreich.

Um an einer Meisterschaft mit bis zu 16 Rennen teilnehmen zu können, muss André Krumbach tief in die Tasche greifen. „60 000 Euro kostet uns jede Saison mindestens”, verrät der 42-Jährige. Eine Siegesprämie gibt es nicht, „dafür Ehre und Ruhm”, erzählt Krumbach lachend.

Für einen Start beim 24-Stunden-Rennen in Dubai reicht es finanziell in diesem Jahr allerdings nicht. „Da geht es einfach um zu viel Geld, das man dafür auf den Tisch legen muss”, sagt der Teamchef. Ein Scheich würde das wahrscheinlich anders sehen. Auch im Motorsport ist eben vieles eine Frage des Standpunktes - und der finanziellen Möglichkeiten.

Diesmal DMV Touring-Car-Championship

Das Ziel ist klar definiert: Das KRS-Team will in dieser Saison um den Sieg in der DMV Touring-Car-Championship fahren.

Interessierte können Kontakt zum Team aufnehmen: Stefan Nägler, Meisenweg 3 in 52223 Stolberg, Telefonnummer 0176/24890251, E-Mail: stefan.naegler@gmx.net. André Krumbach: Max-Planck-Straße 10, Eschweiler, Telefonnummer 02403/704797, E-Mail: andre.krumbach@krs-motorsport.de .