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Eschweiler: Im Fernsehsessel kommt die Idee

Eschweiler : Im Fernsehsessel kommt die Idee

Gertrud Frentz und Arnold Packbier haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Für die beiden Eschweiler war die Gründung einer Ich-AG vermutlich die letzte Chance auf ein geregeltes Berufsleben.

„Schmerzhaft war vor allem die Erkenntnis, dass 30 Jahre Berufserfahrung, stetige Weiterbildung, gute Zeugnisse und Einsatzbereitschaft gar nicht mehr gewürdigt werden”, erinnert sich Gertrud Frentz an ihre Zeit in der Arbeitslosigkeit.

Seit März vergangenen Jahres hat sie durch die Gründung eines Seniorenservice eine neue berufliche Perspektive gefunden.

Ohne Chance

Ähnliche Erfahrungen machte Arnold Packbier. Der ehemalige Geschäftsführer einer Teppich-Handelskette wurde nach der Schließung seiner Filiale im Alter von 60 Jahren unverschuldet arbeitslos - ohne Chance auf eine erneute Anstellung.

„Letztlich hatte ich nur die Wahl zwischen dem Nichtstun und der Selbstständigkeit. Mit der finanziellen Unterstützung durch das Arbeitsamt blieb das Risiko bei der Gründung einer Ich-AG überschaubar”, so der gelernte Kaufmann.

Die Idee zu seinem künftigen Geschäft kam ihm beim Fernsehen. In einer Sendung „wurde ein in Deutschland noch recht unbekanntes Ausbeulverfahren für Autobleche vorgestellt”. Davon war der frühere Freizeitrennfahrer so fasziniert, dass er sich im Herbst vergangenen Jahres zu einem entsprechenden Ausbildungsseminar anmeldete.

Sanftes Ausbeulen

Seit einigen Monaten übt er das sanfte „Ausbeulen” an alten Motorhauben. In spätestens drei Monaten soll sein Können soweit perfektioniert sein, dass er mit gutem Gewissen erste Kundenaufträge annehmen kann.

„Durch die staatlich finanzierte Unterstützung konnte ich mir mehr Zeit für eine gründliche Weiterbildung lassen”, berichtet Arnold Packbier. In Ausbildung und Ausrüstung hat er bislang 3000 Euro investiert.

Die finanzielle Sicherheit durch die Unterstützung des Arbeitsamtes stärkte auch Gertrud Frentz in ihrer Entscheidung. Heute hat sie viel Freude an der Arbeit mit und für Senioren.

Als Ergänzung zur Seniorenpflege bietet sie Betreuung bei Spaziergängen, beim Einkauf oder bei Arztbesuchen an. Zudem hilft sie beim Schreiben von Briefen, bei Überweisungen oder bei der Essenzubereitung.

„Chaotische Gründerzeit”

Noch gut kann sich Gertrud Frentz an die „chaotische Gründerzeit” ihrer Ich-AG erinnern: „Als ich beim Arbeitsamt, beim Steuerberater und beim Finanzamt dieselbe Frage stellte, bekam ich drei unterschiedliche Antworten”, berichtet sie über die vielen Stolperfallen, die den Beginn ihrer Selbstständigkeit begleiteten.

Beispielsweise sei ein zunächst geplantes Gesetz nicht verabschiedet worden, nach dem eine Ich-AG pauschal 50 Prozent der Einnahmen als Ausgaben bei der Einkommens-Steuererklärung hätte einsetzen können. Wer also nicht von Anfang an konsequent seine Quittungen gesammelt hat, habe beim Finanzamt das Nachsehen gehabt.

Vor diesem Hintergrund erfordert die Gründung einer Ich-AG nach Ansicht von Gertrud Frentz in jeder Hinsicht viel Eigeninitiative, Engagement und Verantwortungsbewusstsein.