Eschweiler: Hygienevorwürfe: St.-Antonius-Hospital wehrt sich

Eschweiler: Hygienevorwürfe: St.-Antonius-Hospital wehrt sich

Das St.-Antonius-Hospital wehrt sich gegen die Vorwürfe, die nach der Ausstrahlung eines Beitrags des ARD-Magazins „Plusminus“ gegen das Krankenhaus erhoben wurden. Elmar Wagenbach, geschäftsführender Vorstand des Krankenhauses, ärgert sich, da „die falsche Berichterstattung das Vertrauen der Patienten durch reißerische Pauschalverurteilung nicht gerade fördert“.

Eine Grafik auf der Internetseite der Sendung wies zuvor das Krankenhaus als hygienetechnisch unzureichend aus, weil dort der zuständige Krankenhaushygieniker extern beauftragt wird. „Scheinbar hat das Recherchezentrum Correctiv.org die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts nicht vollständig gelesen, da dies durchaus erlaubt ist“, sagt Wagenbach.

Geschäftsführender Vorstand Elmar Wagenbach und Hygienebeauftragte Beate Metterhausen. Foto: Annika Thee

Die Berichterstattung beziehe sich auf Vorgaben des Instituts aus dem Jahr 2009, obwohl sie 2016 überarbeitet wurden. Inzwischen hat das Magazin die Infografik und den dazugehörigen Beitrag von ihrer Internetseite gelöscht, auf der es nun heißt, „dass es in Einzelfällen zu missverständlichen Angaben kam und derzeit keine Möglichkeit gesehen wird, umfassende Transparenz für die Patienten herzustellen“.

Die Hygienebeauftragte und Ärztin des St.-Antonius-Hospitals, Beate Metterhausen, bestätigt, dass das Krankenhaus „die umfangreichen gesetzlichen Vorgaben und auch die freiwilligen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts einhält und übertrifft“. Regelmäßige Begehungen mit Vertretern des Gesundheitsministeriums und Auszeichnungen mit Hygiene-Zertifikaten zur Bekämpfung multiresistenter Erreger (MRE) würden dies belegen, sagt der kaufmännische Direktor des Krankenhauses, Sebastian Baum.

Zu den genauen Fallzahlen von MRSA-Infektionen wollte sich die Geschäftsführung des Krankenhauses dennoch nicht äußern. „Wir können allerdings sagen, dass die Fallzahl von Personen, die MRSA-Erreger von draußen mitbringen, gleich bleibt, während die Zahl der Ansteckungen innerhalb unseres Krankenhauses deutlich rückläufig ist“, sagt Beate Metterhausen. Einige Menschen tragen multiresistente Erreger unbemerkt auf der Haut. Dies komme so häufig vor, dass es nahezu unmöglich sei, diese Keime aus Krankenhäusern fernzuhalten, so Elmar Wagenbach.

„Screening“ bei Risikopatienten

Ein umfassendes vorheriges „Screening“ — also die Untersuchung aller Patienten auf multiresistente Erreger — sei im Eschweiler Krankenhaus weder möglich, noch wünschenswert, erklärt der Geschäftsführer. „Leben zu retten, steht an erster Stelle. Wir können Notfallpatienten nicht erst so lange isolieren, bis es negative Screening-Ergebnisse gibt“, sagt Wagenbach.

Ein „Screening“ gebe es nur bei Risikogruppen, wie bei Patienten auf der Intensivstation und langzeitpflegebedürftige Menschen, erklärt Metterhausen. „Mit unserem bisherigen Verfahren ist die Infektionsrate mit MRSA ebenso niedrig wie beim „Vollscreening“, das in den Niederlanden durchgeführt wird“, bestätigt Wagenbach. Außerdem konzentriere sich das Pflegepersonal nicht nur auf MRSA, sondern auf alle Keime. „Die Hygienebeauftragten kontrollieren auf allen Stationen, dass das gesamte Krankenhauspersonal die Basis-Hygienemaßnahmen einhält“, unterstreicht Beate Metterhausen.

Trotz dieser Maßnahmen äußern sich ehemalige Patienten des St.-Antonius-Hospitals besorgt. „Man braucht sich nicht zu wundern, dass es viele Keime gibt, wenn sich Patienten mit Besuchern die Aufzüge teilen“, kritisiert Christel H. aus Mariadorf. Die Hygienebeauftragte Beate Metterhausen versichert allerdings, dass „Keime nicht von Menschen überspringen, sondern nur durch direkten Kontakt übertragen werden können“.

Außerdem beanstandete Christel H., dass „die Reinigung der Betten mit ätzenden Chemikalien direkt auf dem Zimmer das Atmen erschwerten. In anderen Krankenhäusern werden die Betten im Keller gereinigt“. Dagegen hält Sebastian Baum, dass die Reinigung der insgesamt 443 Betten auf den Zimmern dazu führe, dass sich das Reinigungspersonal beobachtet fühle und gründlicher sauber mache.

Gerda R. aus Stolberg wurde wegen Brustkrebs im St.-Antonius-Hospital behandelt. Sie hatte sich im Vorfeld bei dem Krankenhaus über die Infektionsrate mit MRSA informiert. Statt einer genauen Antwort erhielt sie bei ihrer Aufnahme antibakterielle Waschlotion und Nasensalbe, sowie prophylaktisches Antibiotikum während ihres gesamten Aufenthalts. Bei ihren Zimmernachbarn fand eine solche Behandlung nicht statt.

„Ich fühlte mich, als würde ich für mein Nachfragen bestraft, da ich die einzige Patientin war, bei der diese Vorsichtsmaßnahmen unternommen wurden“, erklärt Gerda R. „Diese Präventionsmaßnahmen finden je nach Krankheitsbild statt. Es kann sein, dass die Zimmernachbarn diese Maßnahmen nicht durchlaufen, wenn sie ein anderes Krankheitsbild aufweisen“, verteidigt die Hygienebeauftragte dieses Vorgehen. Die Kritik der Patienten könne Geschäftsführer Wagenbach nur schwer nachvollziehen. Er kritisiert, dass „die Menschen ihr Hygieneverhalten im Alltag kaum reflektieren. Wir haben in Deutschland keine sehr ausgeprägte Hygienekultur“.

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