Eschweiler: Hundebesitzerin aus Eschweiler warnt vor Giftködern

Eschweiler: Hundebesitzerin aus Eschweiler warnt vor Giftködern

Vor eineinhalb Wochen hat sie die Kugeln zum ersten Mal entdeckt. Eine lag vorm Baum, eine unter der Bank. „Komisch“, dachte Patricia Hariskos noch, machte sich aber zunächst keine Gedanken. Dann fielen ihr die Leckerli bei den Spaziergängen mit ihrem Mops über die Uferstraße immer wieder auf. Die Eschweilerin begann, sie aufzusammeln, doch täglich lagen neue dort. Ihr Verdacht? Hundeköder.

Bewiesen ist aber nichts. Am Montag suchte Hariskos das Ordnungsamt auf und brachte zwei Exemplare mit Bitte auf Überprüfung vorbei. Daraufhin wurde das Veterinäramt informiert, berichtet der Leiter des Ordnungsamtes, Michael Effenberg. Da eine Untersuchung der Futterbällchen mehrere Hundert Euro kosten würde, sieht man davon ab. „Bisher ist es ein Einzelfall, wir werden den Bereich verstärkt kontrollieren“, kündigt Effenberg an.

Orangebraun und kugelrund: Hundebesitzerin Patricia Hariskos hat bereits mehrerer dieser Bällchen auf der Uferstraße gefunden. Foto: Patricia Hariskos

Besonders auffällig ist, dass die Leckerli meist tückisch platziert waren, wie Patricia Hariskos erzählt. Zum Beispiel zwischen den Pflasterstein, so dass man sie leicht übersehen könnte. Um auch andere Hundebesitzer vor möglichen Giftködern zu warnen, postete Hariskos am Sonntag ein Foto von einem ihrer Funde in dem Sozialen Netzwerk Facebook. „Ich will keine Panik verbreiten. Aber ich dachte, wenn ich mit verschlossenen Augen zehnmal daran vorbeigehe, könnte längst ein anderer Hund diese Kugeln fressen“, erklärt sie.

Auf dem Foto ist eine orangebraune Kugel mit etwa zwei Zentimetern Durchmesser zu sehen. Ein Stück hat die Indestädterin davon abgebrochen, um sich zu vergewissern, dass es sich um Futter handelt. Nägel oder Rattengift hatte sie darin aber nicht gefunden. In der Facebook-Gruppe „Eschweiler Alles“ löste das Bild dennoch heftige Reaktionen aus. 38 Leute kommentierten das Bild: „Wie krank muss ein Mensch sein, um dazu fähig zu sein?“, schrieb ein User, der offensichtlich einen Hundehasser hinter den Kugeln vermutet. Gleich zwei weitere Personen kommentierten, auch bereits Kugeln dort aufgesammelt zu haben.

Selbst wenn es nur ein Verdacht ist, sollten Hundebesitzer aufmerksam bleiben, rät auch das Ordnungsamt. Vor allem in der Dunkelheit kann es schnell passieren, dass der Vierbeiner unbemerkt fündig wird. Falls es wirklich dazu kommt, dass das Tier Gift zu sich nimmt, kann sich das auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen, wie Tierärztin Patricia Scholl erklärt.

„Handelt es sich um Gift, das sehr schnell wirkt, sind Erbrechen, Speicheln oder Durchfall typische Symptome“, sagt Scholl. In seltenen Fällen komme es auch zu neurologischen Störungen wie Krämpfe, Zittern, weite Pupillen oder Schwindel. „Rattengift dagegen wirkt erst später“, mahnt Scholl. Dabei könne es auch zu Blutungen auf den Schleimhäuten kommen.

Die Tierärztin habe in Eschweiler noch keinen eindeutigen Vergiftungsfall gehabt und mahnt vor Panikmache. Wenn mal Anzeichen bei einem Hund vorlagen, hätte es genauso gut eine Reaktion auf Spritzmittel im Feld sein können, mit denen das Tier beim Spaziergang in Kontakt gekommen war. Dennoch rät Scholl mit Verdacht auf eine Vergiftung den Tierarzt aufzusuchen. „Lieber einmal zu viel als zu wenig. Ist man sich sicher, fährt man am besten direkt in die Tierklinik.“

Der Arzt versucht dann herauszufinden, was genau das Tier gefressen hat und das entsprechende Gegenmittel zu geben. Tierärztin Scholl rät außerdem, den Hund im Zweifelsfall röntgen zu lassen. Denn handelt es sich nicht um Gift im Köder, sondern um spitze Gegenstände wie Rasierklingen, kann das zu Verletzungen beim Erbrechen führen.

„Giftköder-Radar“

Damit es aber gar nicht erst dazu kommt, wurde die App „GiftköderRadar“ entwickelt (www.giftkoeder-radar.com). Nutzer des Programms werden über ihr Smartphone gewarnt, wenn ein Giftköder in ihrer Nähe entdeckt wurde. Die Fündigen können dort ganz genau angeben, wo sie den Köder entdeckt haben und um welche Form von Köder es sich handelt. Rasierklingen, Angelhaken, Nägel oder Rattengift versteckt in Leberwurstbroten, Frikadellen oder Hundekuchen — bei der Zusammenstellung der Köder haben sich Täter schon vieles einfallen lassen.

Hundebesitzerin Patricia Hariskos hat für so etwas kein Verständnis. Aber sie kennt auch das große Problem auf der Uferstraße: „Leider liegen dort Unmengen an Hundehaufen“, beschreibt sie die Situation. Dabei ist jedes Herrchen dazu verpflichtet, die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners zu entfernen. Einige Spender für Hundekottüten gibt es in Eschweiler zwar schon, in der Innenstadt sind allerdings keine vorhanden. „Dem werden wir nachgehen“, sagt Effenberg vom Ordnungsamt und sichert zu, beim Grünflächenamt der Stadt nachzuhaken.

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