Eschweiler: Hotspots: Sind die überhaupt nötig?

Eschweiler: Hotspots: Sind die überhaupt nötig?

Was vor einem guten Dutzend Jahren noch einen fast exotischen Beigeschmack hatte, ist längst zur fast alles bestimmenden Selbstverständlichkeit geworden. Ohne Internet geht fast nichts mehr. Nicht nur im Büro und in Sachen häuslicher Unterhaltung, sondern auch unterwegs. Tendenz: steigend.

Eschweilers Liberale waren es, die die mit Eschweilers Aufstieg in den Olymp der Städte Deutschlands mit den flächendeckend schnellsten Datenleitungen entstandene Top-Position nicht auf sich beruhen lassen wollten, sondern schnellstmöglich weitere Schritte zur „Modellkommune“ unternehmen möchten. Eine der Möglichkeiten: Parkgebühren per Handy zahlen — via Internet, minutengenau.

Andere Städte, auch in der Region, bieten diese Möglichkeit bereits. Aachen und Monschau zum Beispiel. FDP-Sprecher Christian Braune: „Für ein solches System gibt‘s jede Menge Zuschussmöglichkeiten.“ Und es ermögliche auch eine besser gewinnorientierte Abrechnung von Parkzeiten: weil zu Spitzenzeiten andere Gebührensätze berechnet werden könnten als zu Randzeiten. Aber es wirft auch viele Fragen auf, war sich der Rest des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses, der sich jetzt mit dem Thema befasste, einig. Beispiel: Wie lassen sich Zahlung und Parkdauer am besten kontrollieren?

Zweifel hegen etliche Ausschussmitglieder auch an der Darstellung der Liberalen, durch den Einsatz von Handy-Zahlsystemen könne die Zahl der wartungsintensiven Parkscheinautomaten im Stadtgebiet reduziert und somit Einsparungen erwirtschaftet werden. „Nicht jeder hat ein Smartphone. Viele bevorzugen das einfache Zahlen mit Bargeld“, ist sich die SPD-Fraktion sicher.

Auch von der Schaffung von Internet-Hotspots im Stadtgebiet, wie die FDP sie fordert, ist die Ratsmehrheit bislang wenig begeistert. Hatte die FDP angeregt, gemeinsam mit der Telekom ein Konzept zur Einrichtung von Hotspots am stark frequentierten Orten der Stadt zu erarbeiten — zum Beispiel am Markt, in der Fußgängerzone, am Hauptbahnhof und vor dem Bürgerbüro. „Unsere Stadt würde imagemäßig bei jungen Menschen aufgewertet und würde ein modernes und zukunftsorientiertes Image bekommen“, betont die FDP. Beigeordneter Hermann Gödde und Grüne-Sprecher Dietmar Widell haben da ihre Zweifel: Die meisten Smartphone/Tablet-Besitzer verfügten über komfortable, sichere Flatrates, seien auf das W-Lan-Angebot der Stadt gar nicht angewiesen. Während UWG-Sprecher Erich Spies auf offene Haftungsfragen hinwies, fragte SPD-Fraktionschefin Nadine Leonhardt nach möglichen Sponsoren und den zu erwartenden Kosten, dies es zunächst festzustellen gelte.

FDP-Sprecher Christian Braune: „Ich stelle immer wieder fest, wie viele Bedenken wir hier in Deutschland haben, wenn es um etwas Neues geht!“ Ein Satz, der ihm herbe Kritik vor allem der SPD eintrug: Man wolle sich nicht als „Bedenkenträger“ abstempeln lassen. Niemand spreche sich grundsätzlich gegen Internetprojekte wie die jetzt von der FDP vorgeschlagenen aus, doch vor deren Realisierung gelte es noch viele offene Fragen zu klären. Damit solle sich die Verwaltung in den nächsten Wochen befassen.

Braune konterte mit einer alten Internet-Weisheit: „Nicht die Großen werden die Kleinen schlucken, sondern die Schnellen die Langsamen!“

Mehr von Aachener Zeitung