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Hohe Schülerzahlen: Realschule Patternhof hat keine Existenzsorgen

873 Schüler lernen eine solide Gesamtausbildung : Realschule Patternhof hat absolut keine Existenzsorgen

In Würselen läuft die Realschule im kommenden Schuljahr aus. Auch in Stolberg gibt es ab 2022 keine Realschule mehr. In Eschweiler hingegen besuchen stabil um die 900 Schüler die Realschule Patternhof. Wie lässt sich der Erfolg der Schule erklären?

Schulleiterin Michaela Silbernagel sucht die Antwort in der Schullandschaft der Indestadt. „Alle Schulformen haben hier in Eschweiler ihren Platz und existieren gleichrangig nebeneinander, das ist eine gesunde Mischung“, sagt sie. Solch eine Schulformenvielfalt sei wertvoll für eine Stadt und die Schulen.

Dass andere Kommunen ihre Realschulen schließen, merkt Silbernagel auch an ihrer Schule. „Unser Einzugsbereich erstreckt sich auch auf andere Kommunen, wo es unter Umständen keine Realschule mehr gibt.“ Doch vor allem aus den zahlreichen Ortschaften auf Eschweiler Stadtgebiet kommen die zurzeit knapp 900 Schüler zum Patternhof. Dass die Realschule als Schulform ein Problem hat, glaubt Silbernagel nicht. „Auch wenn Realschulen auslaufen und schließen, ist der Trend zu dieser Schulform in NRW grundsätzlich wieder gewachsen.“

Woran liegt der Zuspruch zur Realschule Patternhof?

Eltern haben die Wahlmöglichkeit, ihre Kinder auf die weiterführende Schule zu schicken, die sie für richtig halten. Oft ist die erste Wahl das Gymnasium. Stellt sich nach der Erprobungsphase heraus, dass die Kinder nicht unbedingt für das Gymnasium geeignet sind, wechseln sie für gewöhnlich an die Gesamtschule. Da die Waldschule aber jedes Jahr zu viele Anmeldungen bekommt und daher Schüler ablehnen muss, ist die Realschule wichtig für die Schullandschaft.

Doch die Realschule bietet von Beginn an schon andere Qualitäten. „Das Profil der Realschule ist, neben der Wissensvermittlung auch lebenspraktische Dinge im Blick zu haben“, weiß Silbernagel. Schon früh setzen sich Schüler damit auseinander, wie sie sich beruflich orientieren wollen. „Die solide Gesamtausbildung der Realschule sind die drei Säulen Erziehung, Bildung und Ausbildung. Das sind die Schwerpunkte, in denen wir täglich arbeiten. Die stehen gleichrangig als Aufgaben nebeneinander.“

Was zeichnet die Realschule Patternhof im Besonderen aus?

Auch die Berufsvorbereitung ist von Bedeutung. Hier können die Schüler sich in Projekten und AGs entfalten, was Sonderpädagogin Brigitte Vonken-Möller für wichtig hält: „Dadurch, dass wir so viele Projekte machen, sehen wir die Schüler wirklich als ganzen Menschen. Wir kriegen sie auf ganz vielen Ebenen mit. In so einem Projekt erlebt man die jungen Menschen ganz anders als in einer Mathestunde.“ Der persönliche Bezug zu den Menschen spiele eine große Rolle. Der Fokus in der Schule liegt auf Wertebewusstsein. Das kann sich im Engagement bei sozialen Diensten widerspiegeln, aber auch in der Teilnahme am Sanitätsdienst und den Streitschlichtern.

Wie hat sich die Schülerlandschaft in den vergangenen Jahren geändert?

Inklusion ist an der Realschule Patternhof immer wichtiger geworden. Zum neuen Schuljahr starten 13 Kinder mit besonderem Förderbedarf. Im Normalfall werden diese Schüler in den Regelunterricht integriert, egal ob sie zielgleich oder zieldifferent unterrichtet werden. „In manchen Fächern ist das im großen Klassenverband aber ein bisschen schwierig. Dafür haben wir das Lernbüro entwickelt, in dem die Kinder selbstständig Themen erarbeiten“, erklärt Vonken-Möller. Die Teilnahme an Maßnahmen wie der Berufsvorbereitung und AGs ist für alle Kinder gleich. Das sei der Grundsatz, wie Vonken-Möller sagt: „Das Ziel für alle Schüler ist, dass die Kinder zu Erwachsenen erzogen werden, die ein selbstbestimmtes Leben führen und eigenverantwortlich sind.“

Welche Vorteile hat es, eine Schule in dieser Größenordnung zu sein?

Unterstützung erhalten Silbernagel und ihr Team von vielen Seiten. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Eschweiler als Träger bedeutet der Schulleiterin viel. Auch in finanzieller Hinsicht ist einiges möglich: „Die Töpfe, die es gibt, die rufen wir natürlich sehr gerne ab. Das ist ein großes Unterstützungsangebot“, sagt Silbernagel. Ein Vorteil sei auch, dass die Schule im sonderpädagogischen Bereich gut ausgestattet sei. Vonken-Möller: „Die Schüler haben in einem größeren System natürlich eine größere Wahlmöglichkeit, weil man mehr anbieten kann. In einem kleineren System könnte man das Differenzierungsangebot gar nicht leisten.“

Was sind die Herausforderungen?

Knapp 900 Schüler auf einem Gelände unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. „Es ist sehr wichtig, in so einer großen Schule jeden Tag daran zu arbeiten, dass das wertschätzende Miteinander gelebt wird. Alle, die an dieser Schule beteiligt sind, müssen diesen Gemeinschaftsgeist tragen“, weiß die Schulleiterin. In dieser Hinsicht spricht sie ihrer Schülerschaft aber ein großes Lob aus. Viele würden sich auch außerhalb der Unterrichtszeit sozial engagieren. Streitigkeiten kommen dennoch vor, sowohl unter Schülern als auch innerhalb der Familie. Deshalb gibt es einen Schulsozialarbeiter, der von morgens bis spät nachmittags für Schüler und Lehrer zur Verfügung steht. „Er hat einen anderen Blick auf Schule, das ist sehr wertvoll“, sagt Silbernagel.

Wie verändert sich die Realschule Patternhof in der Zukunft?

In den Sommerferien ertönt der Startschuss für die Digitalisierung. In diesem Feld werde sich in den kommenden Jahren einiges tun, wie Silbernagel berichtet. „Das ist eine neue Chance sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer. Wir haben ein fertiges Medienkonzept, in dem alle Fächer verankert sind.“ Außerdem wird die Inklusion ein wichtiges Thema bleiben. Mehr Schüler aufzunehmen, sei allein aufgrund der räumlichen Situation kaum möglich. Deshalb geht Silbernagel davon aus, dass die Schülerzahl bei etwa 900 konstant bleiben wird. Doch für Vonken-Möller ist sicher: „So eine Schule ist immer in Bewegung, es gibt nie Stillstand, sondern immer ganz viele neue Ideen, die sich weiterentwickeln.“