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Eschweiler/Aachen: Hoffen auf Ruhe für die Eltern

Eschweiler/Aachen : Hoffen auf Ruhe für die Eltern

Montag, kurz nach 9 Uhr, Landgericht Aachen. Wie Wochen zuvor, als der Prozess gegen die beiden Kindermörder Markus Wirtz und Markus Lewendel begann, drängen sich Scharen von Journalisten und Kameraleuten vor dem Eingang zum Schwurgerichtssaal.

Kurz nach 9.30 Uhr wird hier das Urteil in einem der Aufsehen erregendsten Prozesse der Bundesrepublik gesprochen. Keiner hier hat Zweifel, dass die Kammer durch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verhindern wird, dass "Lebenslänglich" im Fall der beiden Kinderschänder und -mörder verhindern wird, dass die Mörder von Tom und Sonja die Chance erhalten könnten, nach 15 Jahren wieder auf freien Fuß zu kommen.

Harte Jahre liegen vor den Kindermördern. Lange Jahre in Einzelhaft - ohne gemeinsame Hofgänge, ohne Mahlzeiten in Gemeinschaft. Isolationshaft, die die Mörder allerdings nicht zusätzlich strafen, sondern schützen soll: vor Übergriffen anderer Gefangener. Weil Kinderschänder auch unter Kriminellen auf der untersten Stufe sozialen Ansehens stehen.

Markus Lewendel und Markus Wirtz werden Jahrzehnte, ja den Rest ihres Lebens in Einsamkeit und Angst verbringen müssen, wissen auch ihre Anwälte. Ob sie jemals wieder Freiheit atmen werden, darüber - so Richter Gerd Nohl, der in diesem brisanten Prozess hervorragende Arbeit leistete - wird in 20 oder viel mehr Jahren eine andere Kammer, eine andere Generation von Richtern zu befinden haben.

"Manche", so formulierte es Nohl, "sagen, dass die Todesstrafe humaner sei als eine lebenslange Haft. Man kann sagen, dass das, was Lewendel und Wirtz jetzt erwartet, vielleicht schlimmer sein wird als ein schneller Tod."

Für Toms und Sonjas Eltern und Freunde kann das kein Trost sein. Was ihnen angetan wurde, so weiß auch Richter Nohl, ist durch nichts wieder gutzumachen.

Dennoch setzt das Urteil einen Schlusspunkt unter ein Geschehen, das als eines der dunkelsten Kapitel in die Geschichte Eschweilers eingeht. "Ich hoffe, dass nun auch bei den Eltern relative Ruhe eintritt", sagte Nohl bei seiner Urteilsbegründung mit Blick auf die Rücksichtslosigkeit bestimmter Boulevardmedien, "ich hoffe, dass die Eltern die Möglichkeit haben, alleine und schweigend das Grab ihrer Kinder zu besuchen."

Vieles bliebe zu sagen. Vieles bleibt unerklärt. Und manches macht auch Angst. Die Tatsache zum Beispiel, dass Ähnliches sich jederzeit wiederholen kann.

Das Entsetzliche wächst im Stillen. Noch drei Monate vor der Tat, so erklärte ein Gutachter vor Gericht, hätte kein Psychiater, der Lewendel und Wirtz untersucht hätte, vorhersagen können. dass so etwas geschehen werde. Etwas, das nie wieder geschehen darf.

Doch wie verhindert man das Unerklärbare? Eine Frage, die sich ungezählte Menschen in aller Welt stellen. Mehr als 4000 E-Mails hat die Stadt erhalten, immer neue kommen hinzu. Für die Juristen mag der Fall "Tom und Sonja" jetzt ad acta gelegt sein, für die Menschen ist er es nicht.