Eschweiler: Hinweise auf Gottesdienstzeiten: Schilder in grün, lila oder gelb

Eschweiler: Hinweise auf Gottesdienstzeiten: Schilder in grün, lila oder gelb

Hinweisschilder auf Gottesdienste an den Ortseinfahrten, in den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts fast überall zu sehen, sind selten geworden.

Seit knapp drei Jahren gibt es eine kleine Renaissance, denn seit einem Erlass vom Dezember 2008 dürfen nicht nur evangelische und katholische Gemeinden solche Schilder aufstellen, sie sind auch anderen religiösen Gemeinschaften erlaubt. Besonders evangelische Freikirchen haben seitdem die Möglichkeit genutzt, ihre Gottesdienstzeiten auf diese Weise öffentlich zu machen. In Eschweiler gibt es allerdings keine neuen Schilder.

Erst kommt das Ortseingangsschild, dann kommt das Schild mit den Gottesdienstzeiten und dann die Radarfalle - diese dreigestaffelte Ortseinfahrt mag es in manchen Eifeldörfern noch geben. In Eschweiler muss man lange suchen, bis man ein „Hinweisschild auf Gottesdienste und sonstige regelmäßige religiöse Veranstaltungen” - so die offizielle Bezeichnung - findet.

Zeiten stimmen nicht mehr

An der Wardener Straße kurz vor Hehlrath ist noch ein schon etwas verblasstes Schild dieser Art zu sehen. Es weist auf die Gottesdienstzeiten in der katholischen Pfarrkirche St. Cäcilia hin. Allerdings stimmen die Zeiten längst nicht mehr. Nicht um 10 Uhr, sondern um 9.30 Uhr wird sonntags in Hehlrath die Messe gefeiert, und die Vorabendmesse um 18 Uhr am Samstag gibt es laut Pfarrbrief gar nicht mehr.

Änderungen bei den Gottesdienstzeiten sind auch der Hauptgrund dafür, dass viele Gemeinden und religiöse Gemeinschaften sich scheuen, solche Schilder aufstellen zu lassen.

Gerade bei den katholischen Gemeinden ist da vieles im Umbruch, bedingt durch Priestermangel und Zusammenlegung von Gemeinden.

Zum Beispiel gibt es in den fünf ehemals selbstständigen Pfarren der Katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist in Eschweiler demnächst ein Rotationssystem: an zwei Sonntagen wird eine Heilige Messe gefeiert, am dritten Sonntag gibt es eine Wort-Gottes-Feier ohne Eucharistie. Wie soll man das auf einem Verkehrsschild etwa am Ortseingang von Bergrath oder Nothberg erklären?

Für Autotouristen

Dass es überhaupt Hinweisschilder auf Gottesdienstzeiten gibt, geht auf einen Erlass des Bundesverkehrsministeriums vom August 1960 zurück. Wer als Autotourist, so die damalige Überlegung, in einen fremden Ort kam, sollte gleich am Ortseingang erfahren, wann dort die Messe oder der evangelische Gottesdienst gefeiert wird. Die Konfession wurde auf den exakt 75 mal 75 Zentimeter großen Schildern mit farbigen Kirchensymbolen signalisiert: lila Kirchen für evangelische, gelbe Kirchen für katholische Gemeinden. Ein Zusatzschild von 75 mal 20 Zentimetern mit den Namen der Kirche war (und ist weiterhin) möglich.

Andere Religionsgemeinschaften außer katholisch und evangelisch waren nicht zugelassen. Das änderte sich erst am 22. Dezember 2008. In einer Verwaltungsvorschrift gab der Bundesverkehrsminister als neue Richtlinie bekannt, dass diese Schilder nicht nur den beiden großen christlichen Konfessionen, sondern allen Religionsgemeinschaften erlaubt sind, sofern sie nicht verfassungsfeindlich sind.

Nicht amtlich

Außerdem macht die Richtlinie deutlich, dass diese Schilder „keine amtlichen Hinweiszeichen im Sinne der Straßenverkehrsordnung” sind und dass sie deshalb auch von den jeweiligen Kirchengemeinden unterhalten werden müssen. Alte Schilder haben aber Bestandsschutz.

Das Aufstellen solcher Schilder muss mit der jeweils zuständigen Straßenbaubehörde abgestimmt werden. In Eschweiler hat aber bislang keine Religionsgemeinschaft solche Schilder beantragt - jedenfalls ist dem Ordnungsamt kein solcher Fall bekannt. Auch die evangelischen und katholischen Gemeinden haben sich bisher nicht um neue Schilder bemüht.

Welche Piktogramme auf den Schildern dargestellt werden, bleibt nach der neuen Richtlinie den Religionsgemeinschaften überlassen. Meist wird bei neuen Schildern das bekannte Kirchensymbol verwendet. Zu den gelben und violetten Kirchen sind seitdem andere Farben gekommen: dunkelblau für Altkatholiken, grün für evangelische Freikirchen, hellblau für die Neuapostolischen Gemeinden.

Auch die Schilderhersteller haben sich auf die neuen Regelungen eingestellt und bieten den Bezug direkt im Internet an. Ein Schild von 75 mal 75 Zentimetern, Blechdicke zwei Millimeter, kostet um die 120 Euro, ohne Mehrwertsteuer und Lieferung.

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