Eschweiler: Herr Minkepatt und die Vögel sprechen die gleiche Sprache

Eschweiler : Herr Minkepatt und die Vögel sprechen die gleiche Sprache

Herr Minkepatt ist schon ein sonderbarer Mann. Allein der Name schon! Und allein ist der ehemalige Matrose, Busfahrer und Bratwurstbrater fast immer. Zumindest was menschliche Gesellschaft betrifft. Denn letztlich hat Herr Minkepatt doch noch seinen Traumberuf gefunden: als Nistplatzwart und Futterhäuschenmeister bei den Vögeln im Wald.

Dort lernte er die Namen und Stimmen seiner gefiederten Freunde schnell kennen. Als Herr Minkepatt älter wird und nicht mehr so oft in den Wald kann, kauft er sich ein gebrauchtes Klavier, um auf diesem die Vogelstimmen nachzuspielen.

Mit faszinierenden Puppen, einem bestens gestimmten Klavier und unendlich viel Fantasie machte das Theater Rosenfisch aus Aachen am Samstagnachmittag Station im Städtischen Gymnasium Eschweiler, um im Rahmen der Kulturinitiative „Nixx wie hin“ die Geschichte des vielfach ausgezeichneten Kinderbuchs von Ursula Genazino nachzuerzählen und die aufmerksam zusehenden und -hörenden Kinder zu bezaubern. Puppenspieler, Figurenbildner und Regisseur Stephan Wunsch, der im Jahr 2003 die Bühne „Rosenfisch Figurenspiel“ gründete und seitdem zahlreiche Inszenierungen für Kinder und Erwachsene schuf, hauchte Herrn Minkepatt, dessen ein wenig missliebiger Nachbarschaft samt Bäckersfrau und Lehrjungen sowie nicht zuletzt einer bunten und auch frechen Vogelschar auf einfallsreiche Art Leben ein.

„Tutti Frutti“

Und so ging es auf der Bühne der Aula des Städtischen Gymnasiums ganz schön turbulent zu: Denn das neue alte Klavier von Herrn Minkepatt ist es gewohnt, groovige Tanzmusik zu spielen und lässt statt der Stimme des Pirols viel lieber Little Richards „Tutti Frutti“ erklingen. Nach geduldigem Üben gelingt es dem Klavier jedoch, die kleine Terz abwärts zu spielen, so dass der Kuckuck aus dem Wald rufen kann. Doch kaum ist das eine Problem gelöst, treten bereits neue auf: Den Nachbarn ist das Klavierspiel viel zu laut und eine große Vogelschar nistet sich in Herrn Minkepatts Wohnung ein, um dort zu überwintern. Für so viele Körner fehlt dem Vogelliebhaber jedoch das Geld. Und geschenkt gibt es bei der Bäckersfrau in der Nachbarschaft nichts!

Als deren Lehrjunge jedoch den Käfig offen lässt, in dem ihr gelber Kanarienvogel Hänschen lebt, ist guter Rat teuer. Oder etwa doch nicht? Herr Minkepatt setzt sich an sein Klavier und spielt. Hänschen kommt zurück. Der Bäckersfrau und den weiteren Nachbarn wird klar, dass Herr Minkepatt vielleicht ein wenig sonderbar, aber ansonsten ein absolut liebenswerter Mitmensch ist. Herr Minkepatt besucht im folgenden Frühling wieder häufiger seine Vogelfreunde im Wald und entschließt sich, dort ein Klavierkonzert zu geben. Als ihm dabei nicht nur die Vögel, sondern auch seine Nachbarn zuhören, wachsen Herrn Minkepatt förmlich Flügel.

Begeisterter Applaus der jungen Zuschauer und ihrer älteren Begleiter belohnte Stephan Wunsch und das Theater Rosenfisch. Ein weiterer Beweis, dass die erste Spielzeit der Kulturinitiative des Städtischen Gymnasiums ein voller Erfolg ist. Die Premierensaison findet am Samstag, 9. Juni, ihren Abschluss. Dann wird ab 16 Uhr das Kindermusiktheater „Jabahee“ auf dem Schulhof des Hauptgebäudes afrikanische Lebensfreude verbreiten. Und im nächsten Schuljahr folgt die Fortsetzung von „Nixx wie hin“. Der Auftakt ist für Samstag, 22. September, vorgesehen. Weitere Informationen folgen.

(ran)