Eschweiler: Heimatforscher: Erinnerungen an Menschen und an Straßen der Altstadt

Eschweiler: Heimatforscher: Erinnerungen an Menschen und an Straßen der Altstadt

Auf eine Reise in die Vergangenheit gingen jetzt die gut hundert Besucher des Vortrags „Eschweiler Altstadt nördlich der Inde“ im Talbahnhof. Der Lokalhistoriker Armin Gille zeigte, wie sich Eschweiler rund um den Markt verändert hat. Eingeladen hatten der Eschweiler Geschichtsverein und die Volkshochschule.

So sah Eschweiler früher aus — und so ist es heute. Diese beliebte Serie in unserer Zeitung mit Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart wird von Armin Gille gestaltet. Der engagierte Heimatforscher sammelt seit Jahren Fotos aus der Eschweiler Geschichte, sein Buch „Eschweilers verschwundene Straßen“ wurde mehrfach neu aufgelegt (und ist immer noch zu haben). Kein Wunder, dass auch das Graupelschauer-Wetter niemanden abhielt, zu dem Vortrag zu kommen. Immer mehr Stühle mussten hinzu gestellt werden, damit die Besucher Platz fanden.

Soldaten der US-Army beim Essen, kurz nach Kriegsende in der teilweise zerstörten Kirche St. Peter und Paul. Foto: Sammlung Gille

Mehr als ein Vergleich

Was diese Besucher dann zu sehen bekamen, war mehr als ein Vergleich von Eschweiler damals und heute. Es war ein Eintauchen in Familiengeschichten, ein Erinnern an Menschen. Armin Gille schaut nicht nur auf die Fassaden der Häuser, er blickt auch hinter die Fassade, lässt lokale Geschichte lebendig werden. Er erzählt von Menschen wie dem Gastwirt Christian Lersch und weiß sogar den Leitspruch bei der Primiz des Pfarrers Johannes Besgen 1953.

Das geht nur, weil der Referent ein sehr hartnäckiger Mensch ist. Er erforscht die lokale Geschichte vor Ort, besucht Menschen, hört genau zu, wenn man ihm aus der Geschichte der Straßen, der Häuser, der Menschen in dieser Stadt erzählt. Er lässt seine Gesprächspartner in alten Fotoalben kramen und entdeckt dabei immer neue Schätze. „Man muss ein bisschen bekloppt sein, um so eine Sache zusammenzubringen“, versicherte er am Schluss seines Vortrags. „Und eine sehr geduldige Frau haben.“ Da nickte Brigitte Gille lächelnd.

Mit Bildern aus der Geschichte des Eschweiler Markts, der Kirche St. Peter und Paul, der Schnellengasse, der Dürener und der Jülicher Straße zeigte Armin Gille eine Auswahl von Bildern, die in seinem nächsten Bildband Platz finden sollen. „Passen Sie gut auf! Was Sie heute nicht mitkriegen, können Sie in zwei Jahren erst nachlesen“ scherzte er, um dann tief in die Historie einzutauchen. Manches von dem, was er zeigte, war selbst Kennern der Eschweiler Geschichte neu.

Wer weiß schon, dass es in der Gaststätte Lersch einmal eine Freiluft-Kegelbahn gegeben hat? Wer hat schon einmal von Hubert Lorenz Franzen gehört, einem bedeutenden Stadtvater im 19. Jahrhundert? Der Vortrag entwickelte sich zu einem fruchtbaren Miteinander, denn viele Besucher konnten aus dem Schatz ihrer Erinnerungen weitere Einzelheiten zu Familien und Persönlichkeiten beitragen. So erinnerte man sich bei Fotos des Hotels St. Peter in der Schnellengasse an die Gründung des Eschweiler Geschichtsvereins in diesen Räumen. Das war 1974, damals mit dem Stadtdirektor Bernhard Sperlich.

Haus um Haus gingen die Besucher des Vortrags, angeleitet von Armin Gille, durch die Straßen der Altstadt. Hier im Haus von Ferdinand Kintzen wurde 1854 die Kolpingsfamilie gegründet. Dort in der Schnellengasse muss einmal der Eingang zu einem Gässchen gewesen sein, an dem die Familie der kleinwüchsigen Maler Gustav und Johann Preyer lebte. Und dort, wo jene Häuser in der Dürener Straße stehen, war früher eine Baulücke, durch die man zum Hotel Schneider kam. Und so sah es aus, das Hotel, von vorne, von hinten... Eine Fülle von Bildern und Informationen, eine Fülle von Erinnerungen, die zeigten, wie lebendig die Vergangenheit werden kann, wenn man sich nicht nur für die Mauern, sondern auch für die Menschen interessiert.

Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Kurt Manthey bedankte sich nach zwei Stunden Vortrag für diese spannenden Wanderungen durch die Altstadt von Eschweiler, und die Besucher dankten Armin Gille mit herzlichem Beifall.