Eschweiler: Hastenraths Will: Weihnachten aus Bauernsicht

Eschweiler: Hastenraths Will: Weihnachten aus Bauernsicht

Warum eigentlich nicht? Hastenraths Will, der Bauer und Ortsvorsteher aus einem Dorf irgendwo zwischen Heinsberg, Linnich und Erkelenz, holt das Geschehen rund um die Geburt Christi in seinen Heimatort und bringt das Ganze auf die Bühne des Kulturzentrums Talbahnhof in Eschweiler.

Zahlreiche Zuschauer im ausverkauften Saal haben jedenfalls einen Heidenspaß und folgen erheitert den Biegungen und Scharaden, denen der Mann im Mittelpunkt des Interesses (bürgerlich: Christian Macharski) und seine beiden musikalischen Spießgesellen, Dirk aus Dremmen und Josef aus Tüddern (ihre Nachnamen erfährt das Publikum nicht), die Weihnachtsgeschichte unterwirft.

In ihren groben Strukturen gibt Will die biblischen Berichte durchaus korrekt wieder und unterlegt das Ganze mit ebenfalls richtigen Kommentaren — zum Beispiel zur Rolle der Hirten in Jüdäa, Galiläa und umliegenden Ländern, damals, als Jesu Eltern Maria und Josef zwecks Volkszählung von Nazareth nach Bethlehem zogen.

Viele Gags

Doch immer wieder taucht er die Handlung in lokale Tünche oder überdreht sie nur ein bisschen, mit Bemerkungen wie „Wäre Jesus im See Genezareth geboren worden, stünde bei uns heute ein Aquarium statt der Krippe unterm Christbaum.“ Oder Will gibt einen Witz zum Besten — beispielsweise: „Was ist der Unterschied zwischen Holz und einem Zimmermann? Holz arbeitet“, sagt er mit Blick auf den Beruf von Jesu Vater. Gags wie diese bringt Hastenrath/Macharski zentnerweise mit nach Eschweiler.

Ebenfalls mit im Gepäck: der rustikale Charme des Titelhelden, mit dem er nicht nur die Frauen im Talbahnhof um den Finger wickelt. Das Salz in der Suppe — das aber sind die selbstgestrickten Weisheiten, die er immer wieder zwischendurch einstreut, Sätze wie; „Für jede Frau, die man gerne hätte, gibt es einen, der froh ist, wenn er sie los wird.“ Gut recherchiert ist die „Weihnachtsgeschichte nach Will“, so der Titel des Programms, außerdem: Die Geschichte vom heiligen Simon Zelotes, der einst bei lebendigem Leib zersägt wurde und jetzt als Patron der Holzfäller verehrt wird — das ist wirklich nur sehr schwer zu toppen.

(ch)