Eschweiler: Harte Probleme im lockeren Treff lösen

Eschweiler: Harte Probleme im lockeren Treff lösen

Ein wenig erinnert die Szenerie an eine Kaffeetafel am Nachmittag, an einen lockeren Plausch zwischen Frauen. Kuchen steht auf dem Tisch, der fein gedeckt ist mit Tellern und Tassen.

Rundherum sitzen Frauen, viele von ihnen mit Kopftüchern, manche haben Kinder auf dem Schoß. Und sie reden. Ganz zwanglos, wie es scheint. Und doch geht es manchmal um ernste Sorgen, um wichtige Fragen, die in dieser Runde zur Sprache kommen.

Einen offiziellen Namen hat der Treff nicht. Einige engagierte Frauen aus Eschweiler hatten die Idee, anderen Frauen Hilfen zu geben. Manche kannten sich aus dem Kurs des Kinderschutzbundes Eschweiler „Starke Kinder — starke Eltern“, der auch für muslimische Frauen angeboten wurde. Federführend für die weiteren Treffen waren Fatima Zayat, Fatima Ghmir-Nasri und Fatiha Mirhom. „Wir wollen anderen Frauen helfen, dass sie sich selbst helfen können“, sagt Ghmir-Nasri. Bei der Suche nach einem geeigneten Raum stießen sie beim Integrationsbeauftragten der Stadt, Jürgen Rombach, auf offene Ohren.

Seit einigen Monaten treffen sich die Frauen drei Mal im Monat in der Bürgerbegegnungsstätte Eschweiler-Ost. Und inzwischen ist das Angebot gewachsen: Regelmäßig wird Sport getrieben. Die Mittagspause verbringen die Damen oft gemeinsam, dann wird zusammen gekocht. Mit am Tisch sitzen oft Vertreter der Eschweiler Tafel und des Kinderschutzbundes. Sozialpädagogin Nadja El Amarine steht oft für Fragen zur Verfügung. Um Sprachbarrieren zu beseitigen, bietet die Gruppe Sprachkurse in Deutsch und Arabisch an. Alles kostenlos, getragen von ehrenamtlichen Helferinnen.

Schon jetzt erfahren sie vielfältige Unterstützung. Christine Beißel ist eine der Ehrenamtlerinnen. Sie leitet den Nähkurs — kostenlos: „Ich habe lange als Schneiderin und Tagesmutter gearbeitet; jetzt bin ich Rentnerin und es liegt mir am Herzen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“ In ihren Augen denken viel zu viele Menschen an sich — dies wolle sie eben nicht tun. Also bringt sie Frauen das Schneidern bei.

Für alle Kulturen

Zwar nutzen viele muslimische Frauen das Angebot, aber Fatima Ghmir-Nasri betont, dass man für alle Kulturen und Religionen offen sei: „Wir wollen Berührungsängste nehmen und Vorurteile verblassen lassen“, sagt sie. Ohnehin gehören dem Treff schon jetzt Frauen aus Nigeria, Togo, Palästina und aus anderen Nationen an. „Wir wünschen uns sehr, dass die Menschen zueinander kommen“, ergänzt Fatiha Mirhom. Letztlich geht es den Frauen aber auch um die Lösung klarer Probleme.

Und diese machen vor keinen kulturellen Grenze halt. Fatima Ghmir-Nasri musste dies erfahren, als sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern eine neue, barrierefreie Wohnung suchen musste, weil die alte gekündigt wurde. Der Vermieter meldete Eigenbedarf an. „Versuchen Sie einmal, eine bezahlbare Lösung für eine Großfamilie in Eschweiler zu finden, und dann noch rollstuhlgerecht?“ Als sie die Hoffnung schon aufgeben wollte, bekam sie auch durch fremde Hilfe das Angebot, ein Haus beziehen zu können. Dafür ist sie sehr dankbar, weiß aber auch: „Jeder Großfamilie würde es so gehen, auch einer deutschen.“ Der Bedarf an Hilfe ist also groß — quer durch alle Kulturen.

Irgendwann soll die Gruppe als Verein angemeldet sein. Einen Namen haben sich die engagierten Damen schon überlegt: Kulturverein für Frauen und Kinder. Allerdings ist der Weg bis zum Eintrag ins Vereinsregister ein steiniger. Deswegen soll zunächst ein Kulturfest an der Begegnungsstätte veranstaltet werden, um weitere Frauen auf das Angebot aufmerksam zu machen. Das Problem: Dafür ist der ein oder andere Sponsor nötig. Auch der Treff in der Begegnungsstätte ist noch nicht gesichert: „Wenn wir Geld sammeln müssen, um die Räume nutzen zu können, dann werden viele Frauen nicht mehr teilnehmen können — sie haben dieses Geld einfach nicht“, sagt Ghmir-Nasri.

Die Frauen wollen sich dauerhaft einbringen, um Missstände in Eschweiler zu beseitigen. Die drei Initiatorinnen haben am Kurs für zukünftige Mitglieder der Integrationsräte teilgenommen, der von Jürgen Rombach in der Städteregion geleitet wird. Am 25. Mai, wenn auch der Integrationsrat Eschweilers gewählt wird, stehen sie wahrscheinlich auf dem Wahlzettel. Ob sie gewählt werden, wissen sie nicht. Aber man wolle in jedem Fall weitermachen.

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