Gutachter bestätigen: Keine Gefahr für Eschweiler Bevölkerung

Belastetes Material in Eschweiler Straßen? : Nichts gegen Recyclingmaterial – aber bitte bleifrei!

Das Thema ist nicht neu. Ist in Eschweiler Straßen bei Sanierungsarbeiten gesundheitsgefährdendes Material eingebaut worden? Die Vermutung kam bereits 2011 auf, als eine Firma, die auch in Eschweiler häufig aktiv war, in Grevenbroich eben dieses Material verbaute. Recyclingmaterial, das mit Schadstoffen wie Blei, Kupfer und Zink belastet war.

Im August 2017 reichte das frühere CDU-Ratsmitglied Wolfram Stolz dazu einen Bürgerantrag ein, der sich unter anderem mit dem Ausmaß, den Folgen, Schäden und Kosten der Verwendung kontaminierten Materials befasst. Jetzt – fast zwei Jahre später – befassten sich der Beschwerdeausschuss wie auch der Stadtrat mit dem Antrag. Warum so spät? „Wir haben mit Herrn Stolz in dieser Sache mehrfach im Briefwechsel gestanden“,  sagt Bürgermeister Rudi Bertram. „Zudem ist das Thema auch öffentlich ausgetragen worden.“ Die Stadt habe den Antrag damit als erledigt angesehen. Jetzt, nach einer neuen Überprüfung, wolle man die Sache aber doch „ordentlich“ abarbeiten.

Recyclingmaterial zur Pflasterbettung einzusetzen, sei zur Schonung der Natursandressourcen durchaus empfohlen – unter der Voraussetzung, dass das Material strenge Qualitätsprüfungen durchlaufe. Davon sei die Stadt ausgegangen, als sie in ihren Ausschreibungen Recyclingmaterial zuließ. Dies traf allerdings auf das von der Baufirma BUT vewendete „Viadur“ des Krefelder Herstellers MAV. nicht zu. Material, das BUT zwischen 2002 und 2012 in Schichten von 3 bis 5 cm verwendete.

Gutachterliche Stellungnahmen (u.a. der Fachdienststelle für Bodenschutz, Altlasten und Abfall der Städteregion) gehen davon aus, dass von dem Material im eingebauten Zustand weder eine Gefahr für die Gesundheit der Bürger noch für die Umwelt ausgeht.

Alle Firmen, die in Eschweiler Tiefbauaufträge erhalten, seien stets  vorsorglich auf mögliche Gesundheitsgefährdungen bei Öffnen des Pflasters hingewiesen worden. Bisher habe es deswegen keinerlei Rückmeldungen gegeben. Die Öffnung größerer Flächen stehe erst in 30 bis 40 Jahren an, so dass heutige Untersuchungsergebnisse überholt seien und der Boden dann neu geprüft werden müsse.

Welche Kosten dann möglicherweise bei der Entsorgung größerer Mengen des Materials auf die Stadt zukommen, lasse sich heute angesichts unbekannter Mengen, möglicher Grenzwertänderungen und steigender Entsorgungskosten kaum kalkulieren. Schadensersatzforderungen gegen das Unternehmen und dessen  Inhaber seien zwecklos, da diesem  seitens der Staatsanwaltschaft keine strafrechtlich relevante Absicht nachgewiesen werden konnte. Es könne also nicht davon ausgegangen werden, dass die für die Firma verantwortlich handelnden Personen Kenntnis von der Kontaminierung des Materials hatten. Ohnehin seien Schadensersatzansprüche in den meisten Fällen bereits verjährt. Und auch die Kommunalversicherung käme nicht zum Tragen, „da die in Rede stehenden Schäden unter keinem denkbaren Aspekt Versicherungsschutz genießen“.

Die Eschweiler Verdachtsflächen: Am Pütt, Am Hang, Herman-Löns-Anger, Am Kitzberg, Am Grünen Winkel, Florianweg (Einmündung Jägerspfad), Eduard-Mörike-Platz, Ruhrstraße, Paul.-Ernst-Straße, Eduard-Mörike-Straße (von Sternheimstraße bis Mörike-Platz), Oststraße (von Ruhrstraße bis Moselstraße), Neustraße, Josefstraße, Hompeschstraße (von Uferstraße bis Martin-Luther-Straße), Marienstraße (von Martin-Luther-Straße bis Franzstraße), Moltkestraße (von Kaiserstraße bis Marienstraße, Peter-Liesen-Straße, Kolpingstraße, Martin-Luther-Straße (von Bergrather bis Hompeschstraße), Am Hastenrather Fließ, Hamicher Weg (Einmündung Am Hastenrather Fließ), P&R-Anlage am Euregiobahn-Haltepunkt Weisweiler.

(rpm)
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