Eschweiler: Gunter Demnig verlegt 14 weitere „Stolpersteine“

Eschweiler: Gunter Demnig verlegt 14 weitere „Stolpersteine“

Seit nunmehr fast sieben Jahren gehen die ehrenamtlichen Mitglieder des „Arbeitskreis Stolpersteine gegen das Vergessen“ den Schicksalen von mehr als 50 Eschweiler Bürgern nach, die unter der Nazi-Diktatur ums Lebens kamen. Mit Messingtafeln auf denen die Namen, Geburtsjahre sowie der Zeitpunkt und Ort der Ermordung der Opfer stehen, soll an sie an ihren jeweiligen letzten Wohnorten erinnert werden. Am Samstag sind nun wieder 14 dieser „Stolpersteine“ von dem Kölner Künstler Gunter Demnig an sieben Stellen im Stadtgebiet verlegt worden.

Somit erhöht sich die Gesamtzahl der Gedenksteine in Eschweiler auf 42. Erinnert wird an: Familie Neustadt, Haupstraße 4 in Weisweiler. Hier wohnten Leo Neustadt , seine Schwester Rosa Neustadt und deren Sohn Carl. Die Neustadts hatten ein Geschäft für Manufakturwaren, das Ende 1938 zwangsweise an neue Eigentümer verkauft wurde. Leo Neustadt wurde 1941/42 als Zwangsarbeiter im Lager Rhenaniastraße in Stolberg interniert, später deportiert. Er starb am 17. September 1942 im Vernichtungslager Majdanek oder in Sobibor. Seine Schwester und deren Sohn wurden zwischen März und Juli deportiert und ebenfalls in einem Vernichtungslager ermordet.

Geschwister Levy, Hauptstraße 8 in Weisweiler. Moritz Levy betrieb mit seiner Schwester Elisabeth ein Einzelhandelsgeschäft. Er wurde als Zwangsarbeiter eingesetzt und 1942 in ein Vernichtungslager deportiert. Seine Schwester wurde ebenfalls deportiert und ermordert.Familie Leyens, Hauptstraße 46 in Weisweiler. David Leyens war in der Pogromnacht 1938 gezwungen worden, einen Teil der zerstörten Synagogeneinrichtung durch den Ort zu tragen und in ein Feuer zu werfen. Leyens und seine Tochter wurden später deportiert und ermordet.

Familie Meyer, Bachstraße 8. In der Bachstraße wohnten die Witwe Frieda Meyer mit ihren Kindern Simon, Gerda und Leopold, ihre Schwester Sofie Wolf und ihre Mutter Zilly Wolf. Nur Leopold und Gerda konnten dem Holocaust entkommen. Die vier Stolpersteine sind auf dem Vorplatz des Eschweiler Rathauses am früheren Standort des Hauses Bachstraße 8 verlegt worden.

Wilhelmine Hertz, Uferstraße 29. Die unverheiratete Schwester von Elise Lucas geb. Hertz wohnte ab 1928 im Haushalt der Familie Lucas, Uferstraße 29, und flüchtete gemeinsam mit Selig und Elise Lucas nach Vaals, dann nach Amsterdam. Wilhelmine Hertz zunächst im Lager Westerbork interniert und später im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Für den Viehhändler Selig Lucas und seine Frau wurden bereits 2011 Stolpersteine verlegt, der für Wilhelmine Hertz kam nun hinzu.

Petronella Schiffeler, Burgstraße 51 in Röthgen. Petronella Büttgen geb. Schiffeler hatte durch einen Unfall, verursacht unter epileptischen Anfällen zu leiden. Sie wurde in die Dürener Heil- und Pflegeanstalten eingeliefert, später nach Kaufbeuren im Allgäu verlegt, wo sie mit Elektroschocks behandelt wurde. Gleichzeitig musste sie in einem Wehrmachtsbetrieb arbeiten. Sie starb am 29. November 1944 und wog zuletzt nur noch 37 Kilo.

Johann Zdum, Gasthausstraße 43 in Dürwiß. Der polnische Zivilarbeiter arbeitete als Landarbeiter auf einem Bauernhof in Dürwiß und wohnte im Lager Gasthausstraße 43. Zdum wurde am 20. März 1942 in Dürwiß von der Gestapo mit einem transportablem Galgen öffentlich gehenkt. Ihm wurde die Beziehung zu einer „arischen“ Frau aus Dürwiß vorgeworfen. Seine damals 32-jährige Freundin brachte das gemeinsame Kind in Köln zur Welt und heiratete 1944 in Nürnberg einen Deutschen.

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