Eschweiler: Grundschüler lernen Teamgeist im Zirkus „Lollipop“

Eschweiler : Grundschüler lernen Teamgeist im Zirkus „Lollipop“

Draußen ist es still. Das Zelt des Zirkus „Lollipop“ steht bereits seit Sonntag auf dem Feld vor dem Hastenrather Sportplatz. Von den Mitarbeitern ist niemand zu sehen — von den rund 180 Kindern der Katholischen Grundschule (KGS) Bohl, die seit Montag hier trainieren, auch nicht.

Im Zelt sieht das ganz anders aus. Generalprobe. Laute Musik. Jeder an seinem Platz. Hinter dem Vorhang tummelt sich eine Gruppe von 15 Kindern, die ungeduldig auf ihren Auftritt warten. Gespannt blicken sie dem Tontechniker über die Schulter und beobachten die Clowns, die in der Manege mit den Profis noch schnell an ihren Texten und dem Timing der Gags feilen.

Großes Finale: Zum Ende der beiden Aufführungen kommen alle Kinder noch einmal in die Manege, um den Applaus zu genießen. Foto: Annika Thee

Akrobatinnen und Feuerspucker

Zum ersten Mal hat die KGS Bohl in ihrer Projektwoche die Zusammenarbeit mit dem Zirkus „Lollipop“ gesucht. Dieser ist auf die Zusammenarbeit mit Schulen spezialisiert. Acht Akrobaten studieren in einer Woche mit den Kindern eine zweistündige Zirkusshow ein.

Doch bevor die Kinder zu Akrobaten, Trapezkünstlern, Seiltänzern, Clowns, Zauberern, Trampolinartisten, Feuerspuckern und Jongleuren werden, musste erst das Zelt aufgebaut werden. „Circa 30 Eltern hatten sich bereit erklärt, beim Aufbau des Zirkuszeltes zu helfen“, sagt Schulleiter Markus Neuefeind. Auch zum Abbau des Zeltes werden die Eltern wieder zu Hilfe gerufen. „Ohne Teamgeist geht es nicht. Akrobaten, Lehrer, Schüler und Eltern müssen Hand in Hand arbeiten“, sagt Junior-Zirkusdirektor Henry Brumbach.

Die Auswahl des Zirkus ist nicht zufällig gefallen. „Wir wollten Artisten, die wirklich mit den Kindern arbeiten und nicht nur die Lehrer anleiten“, sagt Neuefeind. „Die Mitarbeiter des Zirkus gehen neutral auf die Kinder zu, ohne sie zu kennen, und holen erstaunliche Leistungen aus ihnen heraus, die die Lehrer ihnen vielleicht nicht zugetraut hätten“, fügt der Schulleiter hinzu.

Von Montag bis Donnerstag haben die Kinder geprobt, ihre Ängste überwunden und vieles gelernt. Das alles mit einem festen Ziel vor Augen: In zwei fast ausverkauften Aufführungen zeigen die Kinder ihr Können in der Manege — die Akrobaten und Lehrer werden hinter dem Vorhang für einen glatten Ablauf sorgen, überlassen die Bühne aber den kleinen Artisten.

Förderverein übernimmt Kosten

Die Projektwoche war für die KGS nicht gerade günstig. 8000 Euro hat der Förderverein der Grundschule für die Projektwoche bezahlt. Allerdings wird ein Teil davon wohl durch Eintrittskarten für die beiden Vorstellungen zurück in die Kassen gespült. 400 Zuschauer haben Platz in dem Zirkuszelt und eine der Veranstaltungen ist bereits ausverkauft.

Für die Schüler hätten sich die Kosten gelohnt, da sei sich Markus Neuefeind sicher. „Die Kinder haben ganz besonders viel Mut bewiesen. Sei es oben an der Decke des Zirkuszelts am Trapez, oder als Feuerspucker. Ich hätte mich das nicht getraut“, sagt er.

Bei den Proben mit den Artisten im Zirkus und in der Turnhalle der KGS Bohl stand nicht nur der Spaß im Vordergrund, sondern auch der besondere Lerneffekt. „Wir sind zunächst Fremde für die Kinder, aber wir müssen direkt am ersten Tag ihr Vertrauen gewinnen. Das funktioniert mit Spaß, aber damit am Ende eine gute Vorführung entsteht, setzen wir auch auf Strenge und Disziplin“, sagt der 24-jährige Junior-Zirkusdirektor, der als Feuerspucker eine der Gruppen betreut.

Brumbach ist ehrgeizig. „Die Artisten stimmen mit den Kindern die Choreographie ab, um sie dem Alter entsprechend zu fördern. Aber unser Ziel bei den Vorstellungen ist schon, jedes Jahr eins draufzusetzen.“ Dies sei den Kindern und Artisten gemeinsam gelungen, sagt Brumbach stolz.

„Die Kinder lernen Selbstvertrauen, aber auch Konzentration beim Jonglieren oder Texte auswendig lernen. Manche Kinder weinen am ersten Tag, weil sie Angst vor dem Feuer haben und stehen dann ein paar Tage später selbst als Feuerspucker auf der Bühne“, fügt er hinzu.

Vor allem aber würden sie Teamgeist und Zusammenhalt lernen. Die Gruppen sind aus Kindern aller Jahrgangsstufen zusammengewürfelt. „Ein Mädchen aus der ersten Klasse und ein Junge aus der vierten stehen hier zusammen auf der Bühne, müssen sich gegenseitig vertrauen. Den Kindern die Arbeit im Team beizubringen ist unser wichtigstes Ziel“, sagt der Zirkusdirektor.

Bereits vor der ersten Aufführung steht fest: Die Projektwoche war ein voller Erfolg und soll nun alle vier Jahre wiederholt werden. „So hat jedes Kind unserer Schule einmal im Leben die Möglichkeit, ein Zirkusartist zu sein“, sagt Neuefeind.

Der Zirkus „Lollipop“, ursprünglich aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Augsburg in Bayern stammend, kommt ganz ohne Tiere aus seit Henrys Vater Patrick Brumbach den Zirkus vor fünf Jahren übernahm. Inzwischen arbeiten die Artisten den Großteil des Jahres mit Schulen im Rahmen von Projektwochen zusammen oder sie bieten Workshops in den Schulferien an. Erst im Winter werden die Akrobaten wieder selbst in der Manege stehen.

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