Eschweiler: Große Kostümsitzung der blauen Funken

Eschweiler : Große Kostümsitzung der blauen Funken

Tänze, die die Augen der zahlreichen bunt kostümierten Zuschauer weiteten; eine sprechende Kuh auf der Bühne; ein Prinzengespann samt Hofstaat, das einmal mehr unter Beweis stellte, wie in Eischwiele Fastelovend gefeiert wird und ein (zu?) großes Wort des Präsidenten!

Das Korps der KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler präsentierte sich am Freitagabend während der Kostümsitzung in der proppenvollen „Delio-Arena“ des Hauses Flatten in fantastischer Form. Angeführt von Zeremonienmeister Pedro Mendes marschierte die blau-weiße Schar zu den Klängen des Regimentsspielmannszuges unter der Leitung von Lambert Sauerbier und flankiert vom Jubel der Massen in Richtung Bühne.

Die Exerziergruppe zeigte sich beim „Gewehrtanz“ mit „Stippefötsche“ sogleich von all ihren besten Seiten, bevor der mit Fahne ausgerüstete und im Fußball-Outfit gewandete Präsident Marc Engelhardt das Wort ergriff: „Ich habe die Ehre, euch zu verkünden: Deutschland wird in diesem Jahr Fußball-Weltmeister. Sollte dies widererwartend doch nicht der Fall sein, pilgere ich nach Kevelaer. Oder als Alternative zum Kapellchen in Hastenrath“, hielt er sich ein Türchen offen. Darüber hinaus machte er deutlich, dass die Funken beim Fastelovend am Valentinstag natürlich vor allem den Damen im Saal ihr Herz schenken.

Nach einem Gruß des Präsidenten an „Mama und Papa, der inzwischen seit 50 Jahren ein blauer Funke ist“, beendete der Spielmannszug mit Fastelovend-Evergreens wie „Nä wat wor dat fröher schön doch in Colonia“, „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ und „M´r koofe der Aal e paar Blömcher“ den mitreißenden Auftakt einer ebensolchen Sitzung.

Ralf Knoblich, der als „Knubbelisch vum Klingelpütz“ oder auch als „Delikt-Designer“ aus Köln-Ossendorf das Publikum auf eine „Exekursion in seinen Knast-Alltag“ mitnahm, gab kurz darauf den „Eisbrecher“ in der Bütt und verkündete ein einleuchtendes Motto: „Zwei Alt, ein Helau, ab in den Bau“. Stolz ist der Domstädter, jahrelang die Stabhochsprung-Mannschaft im Klingelpütz trainiert zu haben: „Damit musste ich aber leider aufhören, wurde meine Mannschaft doch immer kleiner“, berichtete er. Abschließend stellte er klar: „Wir Beamte haben auch ohne Spaß Alkohol.“

Den „kölsche Pass“ im Gepäck hatten Maike Uber und Torsten Modschink. Das Tanzpaar der KG Blaue Funken-Artillerie faszinierte mit großartigen Hebefiguren, mitreißendem Temperament und Charme und unterstrich mit einer grandiosen Zugabe den Stellenwert innerhalb des Korps: „Du bes immer noch et beste“.

Anschließend entfachten die „Kröetsch“ nach absichtlich langsamen Start ein musikalisches Feuerwerk vom Feinsten. Das Quintett mit Günter Secker, Harald „Hucky“ Weiland, Gregor Wroblowsky, Michael „Krawall“ Kaldenbach und Sebastian Schmidt räumte mit „Ich wor noch nie op Mallorca“ ein, das Zillertal dem Ballermann deutlich vorzuziehen, kaufte am „Bickendorfer Büdche“ lecker Brütche ein, bat „Schenk mir dein Herz“ und machte der rheinischen Heimat eine Liebeserklärung: „Wenn am Himmel die Stääne danze“.

„Oberschwester Helga“ aus Nettetal sah ein, flotter gemalt als fotographiert werden zu können und verkündete, kürzlich einem Patienten sieben Liter Blut abgenommen zu haben. „Mehr war nicht drin“, musste sie erkennen.

Absolut ihr Ding machten die elf Damen und drei Herren der Tanzgruppe der KG Blaue Funken-Artillerie, die mit Eleganz, Beweglichkeit und Charme eine Menge Esprit versprühten und Ovationen des begeisterten Publikums ernteten.

Eine Rakete verdiente sich Peter Kerscher und vor allem dessen sprechende Kuh Dolly, die mit ihrem frechen Witz selbst die hohen Herren des Ehrenrats dazu brachte, sich (kaum merklich) zu bewegen. Als mögliches Urlausziel schlug Dolly die „preiswerte Variante“ Griechenland vor. „Schließlich ist unser Geld schon da“, so die nachvollziehbare Begründung. Und Dolly hatte auch einen Traum: „Ein Politiker hing an einem Baum!“ „Hast du häufiger solche Träume“, wollte Peter Kerscher daraufhin wissen. „Ja, aber zu wenige Bäume“, nahm Dolly kein Blatt vor den Mund.

Über die Stationen „St. Jöris, Hähle en Neu-Luhn“ führte die märchenhafte Reise von Prinz Christian III. und Zeremonienmeister Frank am Freitagabend direkt in die „Fastelovends-Metropole“ Delio-Arena. Dort angekommen, tröteten zunächst die prinzlichen Fanfarenbläser mächtig ins Horn, bevor das Prinzengespann die Sessionshits „Wir sind stolz, us Eischwiele ze sin“ und „Manni, der Esel“ mit tat- und stimmkräftiger Unterstützung der Jecken im Saal aus voller Brust schmetterte. „Ihr schenkt den Eischwiele Fastelovendsjecken eure Herzen. Und gerade deshalb fliegen euch die Herzen zu“, machte Marc Engelhardt seiner Tollität Christian III. und dessen Zeremonienmeister Frank ein großes und verdientes Kompliment.

Mit nicht weniger als „alle Mann (und Frau)“ kamen die Höppe Kröetsch der KG Lätitia Blaue Funken-Artillerie Weisweiler vorbei. Die „Weisweiler Luftflotte“ zeigte atemberaubende Akrobatik, setzte bei der ersten Zugabe das dem Publikum gemachte Angebot „Let me entertain you“ fantastisch um, erntete eine Rakete und zelebrierte während der zweiten Zugabe ein Udo-Jürgens-Medley allererster Sahne.

Ihrem Name alle Ehre machte zum Abschluss eines viereinhalbstündigen karnevalistischen Parforceritts dann die Band „Brass on Spass“ unter der Leitung von Wilfried Berndt. Dem Jazz-Klassiker „Ice cream“ ließen die Musiker die Hits „Dicke Mädchen haben schöne Namen“ und „Jetzt geht´s los“ folgen. Nach einem kurzen Abstecher zum „Bickendorfer Büdchen“ konnte das Fazit nur lauten: „So ein Tag“ und „Bye, bye, my love“, bevor das Korps der KG Blaue Funken-Artillerie zur Eschweiler „Nationalhymne“, dem Laridah, zum großen Ausmarsch aus dem Saal ansetzte.

(ran)
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