Eschweiler: Großbrand vernichtet noch junge Firma

Eschweiler: Großbrand vernichtet noch junge Firma

Beim Brand eines Geschäftshauses und einer angrenzenden Produktions- und Lagerhalle im Stadtteil Nothberg entstand am Freitag ein Schaden in Millionenhöhe. Das Feuer war kurz vor Mitternacht in der Lagerhalle an der Cäcilienstraße ausgebrochen.

Der Feuerwehr, die im Lauf der Nacht mit bis zu 172 Leuten gegen die Flammen kämpfte, gelang es zunächst, ein Übergreifen auf das vorgelagerte zweistöckige Geschäftshaus zu verhindern. Am Vormittag fraß sich das Feuer dann doch noch in den Dachstuhl des Haupthauses, das schwer beschädigt wurde. In dem Gebäude war erst am 1. Mai das Unternehmen „Hopfenkamp — Körper, Geist, Seele“ eröffnet worden. Eigentümer Heinz Mertes (77) zeigte sich vom Verlust schwer getroffen.

Rund 160 Einsatzkräfte rückten in der Nacht aus. Foto: Ralf Roeger

In der angebauten Produktions- und Lagerhalle, in der sich früher die Backformen-Produktion der Firma Anneliese Mertes befand, waren zwei Firmen untergebracht: das Einrichtungshaus Casamoro für orientalische Lampen, orientalische Möbel, marokkanische Fliesen und Dekoartikel, sowie „articima“, ein Hersteller von individuellen Zementfliesen. Nach Angaben von Anwohnern soll der Brand in dem Möbelhaus entstanden sein, die genaue Klärung der Brandursache steht aber noch aus. Auch die Schadenshöhe steht noch nicht fest. Schätzungen belaufen sich auf mehr als eine Million Euro.

Nicht nur die Lagerhalle, auch das angrenzende Wohn- und Geschäftshaus ging in Flammen auf. Foto: Ralf Roeger

Innerhalb weniger Minuten trafen kurz vor Mitternacht 30 Notrufe bei der Feuerwehr ein. Da stand bereits die Hälfte der Halle im hinteren Bereichs des Geländes an der Cäcilienstraße in Flammen. „Aufgrund der großen Ausdehnung haben wir sofort Gesamtwehr-Alarm gegeben“ berichtete Wehrleiter Axel Johnen. Zusätzlich wurde die Eschweiler Wehr auch von den Feuerwehren der Nachbarorte Stolberg, Langerwehe, Würselen und Herzogenrath unterstützt. Wegen der intensiven Rauch- und Geruchsentwicklung wurde die Bevölkerung per Rundfunk gewarnt und gebeten, Türen und Fenster zu schließen. Der Brandrauch war bis in den Kreis Heinsberg zu riechen, auch von dort erreichten deshalb Notrufe die Feuerwehr. Messungen auf Giftstoffe im Rauch ergaben allerdings keine bedenklichen Werte, so Johnen.

Bahnlinie gesperrt

Wegen der großen Zahl der eingesetzten Rohre gab es zeitweise Probleme mit der Wasserversorgung. Die Abdeckung eines Unterflur-Hydranten auf der Cäcilienstraße direkt vor dem Grundstück musste mit einem Hammer zertrümmert werden, um an das Wasser zu gelangen. Die Wehr legte schließlich Schlauchleitungen zum Dalli-Verteilerzentrum, das ein großes Löschwasser-Reservoire hat, und zur Inde. Dazu mussten die Gleise der Euregio-Bahn unterquert werden. „Wir haben den Schotter rausgeholt und dann die Leitung durchgezogen“, berichtete der Wehrleiter. Deshalb wurde die Bahnstrecke in der Nacht zum Freitag komplett gesperrt. Ab 5.15 Uhr konnten dann wieder Züge fahren.

Komplett gesperrt wurde am Freitag auch bis in die Abendstunden die Ortsdurchfahrt Nothberg. Das Busunternehmen Aseag wurde frühzeitig informiert, weil unter anderem Schülerbusse umgeleitet werden mussten. Der erste Bus konnte erst wieder am Samstagmorgen fahren. Der Katholische Kindergarten wurde nicht geschlossen, da der Wind die Rauchwolken nach Norden trieb. Als am Vormittag dann doch die Flammen auf das Hauptgebäude übergriffen und zudem der Wind drehte, wurde die Leitung des Kindergartens gebeten, die Kinder im Gebäude und die Fenster geschlossen zu lassen.

Nach stundenlangem Kampf gegen die Flammen hatte die Feuerwehr zunächst gehofft, das Hauptgebäude retten zu können. Axel Johnen: „Wir haben in dem Objekt teilweise Wände mit Rettungssägen aufschneiden müssen, um dem Feuer hinterher zu laufen, das sich dort in das Dämmmaterial gefressen hatte“. Am Ende gewannen die Flammen den Wettlauf. Sie griffen auf den Dachstuhl des Haupthauses über. Der brach schließlich zusammen und stürzte in die Räume des Obergeschosses. Erdgeschoss und Untergeschoss wurden durch das Löschwasser erheblich beschädigt. In dem Gebäude befanden sich unter anderen Therapie- und Gymnastikräume, eine „Wohlfühloase“ und Büros. Die Löscharbeiten dauerten bis in den späten Freitagnachmittag. Um 16 Uhr waren immer noch drei C-Rohre im Einsatz, um Glutnester zu löschen. Unter dem rund 2000 Quadratmeter großen Hallenbereich, der völlig zerstört wurde, befindet sich ein Untergeschoss, das durch die Löscharbeiten voll Wasser lief.

20 Gasflaschen geborgen

Im Lauf der Nacht wurden 20 Gasflaschen aus der Halle geholt. „Die haben wir zum Glück frühzeitig gefunden“, sagte der Eschweiler Wehrleiter erleichtert, „sonst hätte das böse für uns enden können.“

Am Vormittag wurden die Wehrleute am Einsatzort durch Kollegen aus Stolberg abgelöst. Sie waren nach stundenlangen Löscharbeiten, fast immer unter Atemschutzmasken, am Ende ihrer Kräfte. Eingesetzt wurden auch 20 Berufsfeuerwehrleute aus der Region, die eigentlich nach Eschweiler gekommen waren, um an einem Lehrgang teilzunehmen. Johnen: „Das war dann direkt praktische Ausbildung!“ Bürgermeister Rudi Bertram, der bereits in der Nacht am Brandort war, dankte den Feuerwehren aus Eschweiler und den Nachbarorten für ihren Einsatz.

Ausdrücklich gelobt wurde der Einsatz der Wehr auch von Anwohnern, die eine unruhige Nacht erlebten, wie etwa Harald Hüpgen, der nur 50 Meter von den brennenden Gebäuden entfernt wohnt: „Ich war heute Nacht überrascht, wie schnell die das alles professionell im Griff hatten!“