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Eschweiler: Groß setzt auf die Mitwirkung der Bürger

Eschweiler : Groß setzt auf die Mitwirkung der Bürger

Er liebt seinen Beruf - aber auch neue Herausforderungen reizen ihn. Jetzt will der Rektor der Wehebachschule im benachbarten Langerwehe Bürgermeister in Eschweiler werden.

Dem bisherigen Amtsinhaber zollt er durchaus Beifall - was unter Protagonisten einer Großen Koalition auch nicht anders zu erwarten ist. Rudi Bertram macht seinen Job gut, sagt Manfred Groß, er selbst allerdings würde die Schwerpunkte anders setzen, erklärt er im Interview mit unserer Zeitung.

Was hat Sie zu der Kandidatur bewogen?

Groß: Das entsprechende Ansinnen meines CDU-Ortsverbandes.

Was qualifiziert Sie für das Bürgermeisteramt?

Groß: Meine Erfahrung in Verwaltungsarbeit. Meine Tätigkeit als Schulleiter ist längst keine reine Lehrtätigkeit mehr, sondern konzentriert sich im Rahmen immer selbstständiger werdender Schule auf Verwaltungsdinge. Im Berufsverband Bildung und Erziehung bin ich in verschiedenen Gremien tätig, die vielfältige und enge Kontakte zu Verwaltungen mit sich bringen. Auch in meiner langjährigen Tätigkeit als Ratsmitglied habe ich mich insbesondere um Verwaltungsaufgaben kümmern müssen - als Mitglied der Personalkommission wie auch im Rechnungsprüfungsausschuss und nicht zuletzt im Haupt- und Finanzausschuss. Ich kenne die Verwaltung also zum Großteil bereits.

Gab es in Ihren Augen dort Fehlentwicklungen?

Groß: Ich würde nicht von Fehlentwicklungen sprechen, aber ich würde andere Schwerpunkte setzen. Als hauptamtlicher Bürgermeister, der ja auch Verwaltungschef ist, würde ich mich mehr auf die Arbeit in der Verwaltung konzentrieren und viele repräsentative Aufgaben den ehrenamtlichen Stellvertretern überlassen. Der hauptamtliche Bürgermeister muss nicht ständig bei jedem Verein auftauchen. Was die Konzentration auf Verwaltungsangelegenheit betrifft: Ich sehe zum Beispiel, dass es seit vielen Jahren nicht gelingt, ein Personalentwicklungskonzept auf die Beine zu stellen, das dringend nötig ist.

Sie sind Schulleiter, Vorsitzender des Schulausschusses und würden als Bürgermeister sicher auch einen Ihrer Schwerpunkte auf die Schulen und ihre Ausstattung legen. Das kostet Geld. Wo wollen Sie das auf anderen Gebieten einsparen?

Groß: Große Einsparpotenziale sehe ich nicht. Sparen kann die Stadt vordergründig nur am Personal - aber das ist bereits ausgereizt. Ich sagte ja bereits: Wir brauchen dringend ein Personalentwicklungskonzept. Was nicht zwangsläufig ein Personaleinsparkonzept sein muss. Es kann durchaus auch das Gegenteil zur Folge haben. Wir müssen prüfen, ob alle Aufgaben, die die Stadt wahrnimmt, unbedingt von ihr zu leisten sind. Es gibt da Denkmodelle, die Volkshochschule und Bücherei betreffen. Ich persönlich allerdings würde im Kulturbereich nicht gerne kürzen. Auch von der ins Gespräch gebrachten Erhöhung der Parkgebühren zur Erzielung zur Erzielung zusätzlicher Einnahmen halte ich nichts: Ich würde die Parkgebühren im Gegenteil sogar reduzieren. Allerdings will ich hier nichts versprechen, was ich nicht halten kann.

Im Zeiten wachsender Politikverdrossenheit wird immer wieder ein stärkeres Engagement der Bürger, wird mehr Gemeinsinn gefordert. Wie wollen Sie die Bürger dazu motivieren?

Groß: Ich werde - falls die CDU-Mitgliederversammlung mich in meiner Kandidatur bestätigt - schon in den Monaten bis zur Wahl auf die Bürger zugehen und sie fragen, was sie denn wollen. Ich meine ohnehin, dass die Bürger mehr gefragt werden sollten. Durch Einbindung ihrer Bürger haben andere Städte große Erfolge erzielt. So haben Bürger beispielsweise ein Schwimmbad gerettet, indem viele ihr Können und Know-how bei der Sanierung einbrachten. Ich bin sicher, dass das auch in Weisweiler möglich gewesen wäre. Mit mir als Bürgermeister wäre das Weisweiler Bad nicht geschlossen worden. Wenn man den Bürgern reinen Wein einschenkt (womit ich nicht sage, dass Bertram das nicht tut), kann man sicher einiges bewegen.

Ließe sich das auch auf die längst überfälligen Sportlerheime übertragen?

Groß: Ich bin sicher, dass das möglich ist. Die Kassen sind nicht nur bei uns leer, sondern auch im Land, auf das wir in erster Linie angewiesen sind. Also müssen wir uns selbst helfen. Beispiel offene Ganztagsschulen: So etwas wäre dauerhaft tragbar, wenn die Leute, die davon profitieren, das auch bezahlen würden. Ich spreche nicht von sozial Schwachen - aber meist geht es hier ja um Doppelverdiener. Die Stadt kann nun einmal einfach nicht alles bezahlen, was wünschenswert ist.

Wo unterscheiden Sie sich im Führungsstil vom derzeitigen Amtsinhaber?

Groß: Rudi Bertram kommt selbst aus der Verwaltung, die er nun leitet. Ich habe da keine Berührungsängste und kann das etwas lockerer angehen. Es gibt eine ganze Reihe fähiger und vernünftiger Mitarbeiter, deren Fähigkeiten es zu nutzen gilt. Deshalb würde ich sie auch verstärkt Fortbildungsmöglichkeiten nutzen lassen - auch wenn das vordergründig Geld kostet. Grundsätzlich gilt: Ich freue mich zwar, von meiner Partei nominiert zu werden, werde mich aber sehr wohl bemühen, ein Bürgermeister für alle Bürger über die Parteigrenzen hinweg zu sein. Dass dies möglich sein kann, glaube ich schon in den Jahren als stellvertretender Bürgermeister gezeigt zu haben.