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Eschweiler: Grauzonen machen den Patienten Angst

Eschweiler : Grauzonen machen den Patienten Angst

Wutschnaubende Patienten, die sich mit Arzthelferinnen anlegen, cholerische Menschen die Apothekern körperliche Gewalt androhen - kein Horrorszenario, dass im Vorfeld der Gesundheitsreform 2004 nicht gezeichnet wurde.

Doch nun, wo Praxisgebühr und Teuerung beim Medikamentenkauf Realität geworden sind, geht es erstaunlich ruhig in Arztpraxen und an Apothekenschaltern zu. „Die Patienten sind äußerst diszipliniert”, lobt Allgemeinmedizinerin Dr. Renate Pohlen. Simultan zur Versichertenkarte zücken die meisten kommentarlos zehn Euro.

Vermeintlicher Friede

Doch der vermeintliche Friede bedeutet nicht, dass auch jeder Patient Einsicht für die Reformen hat. „Was bleibt den Leuten schon anderes übrig”, bringt Martin Katzenbach, Pressesprecher der Apothekenkammer NRW, die Stimmung auf den Punkt. „Die eigene Gesundheit ist für jeden ein heikler Punkt. Entweder man zahlt oder man leidet. Da gibt es keine Alternative.”

Nicht so sehr die Praxisgebühren, sondern die Kosten für Medikamente scheinen für Verunsicherung zu sorgen. „Zwar kann man noch keine Statistiken aufstellen, doch man merkt schon, dass die Leute weiterführende Behandlungen scheuen, weil sie nicht wissen, was an Kosten auf sie zukommt”, so Pohlen.

Diese Verunsicherung ist nicht unbegründet, da es noch viele gesetzliche Grauzonen gibt. So hat der Gesetzgeber noch nicht genau definiert, wie ein chronisch kranker Mensch aus abrechnungstechnischer Sicht definiert ist.

In Vorleistung gehen

Die nun fälligen Zuzahlungen auf Medikamente zwischen minimal fünf Euro und maximal zehn Euro sollen zwar jährlich nicht zwei Prozent des Bruttojahreseinkommens (chronisch Kranke ein Prozent) überschreiten, doch bevor ein Patient von Gebühren befreit wird, muss er zunächst in Vorleistung gehen. „Gerade für sozial Schwache ist das eine ganz schwere Bürde”, so Apotheker Katzenbach.

Noch ein weiterer Preishammer, fällt in den Apotheken auf die private Geldbörse: Medikamente die nicht Verschreibungspflichtig sind, müssen ab sofort komplett selbst bezahlt werden. „Darunter fallen viele pflanzliche Präparate.

Die Bundesregierung hat es noch nicht geschafft, eine Positivliste herauszugeben, mit Medikamenten die nicht Verschreibungspflichtig sind, aber dennoch von den Kassen bezahlt werden”, so Katzenbach.

Viele zeigen Verständnis

Festzuhalten bleibt, dass viele Patienten, zumindest was die Praxisgebühr angeht, Verständnis zeigen. „Es war klar, dass da etwas kommen musste, alleine um die Rennerei von einem Arzt zum anderen einzudämmen”, spricht Reinhard Ritzerfeld für viele.

Dennoch: Die Produkte der deutschen Pharmaindustrie sind im internationalen Vergleich immer noch erheblich teurer . Die Fahrt über die holländische Grenze zum Medikamentenkauf ist daher populär. „Ich empfehle das meinen Patienten sogar. Dort sind die Produkte bis zu 40 Prozent billiger”, so Pohlen.