Glossiert: Anstand muss sein

Glossiert: Anstand muss sein

Tagtäglich werden wir mit Stilblüten der besonderen Art konfrontiert. Und keine Generation macht Halt davor, Formulierungen zu finden, die jedem Sprachgourmet den Appetit verderben.

Die meisten sind unfreiwillig komisch. So schrieb eine ältere Dame an ihre Versicherung: „Sofort nach dem Tod meines Mannes bin ich Witwe geworden.” Von wahrlich grandioser Pragmatik.

Die Forderung nach einem Airbag auch für den hinteren Körperbereich unterstützt dieser Satz aus einem Unfallbericht: „Durch den Auffahrunfall wurde das Hinterteil meines Vordermannes verknittert.”

Früh übt sich...

Eine Szene, die sich vor einigen Tagen an der Ladentheke einer Eschweiler Bäckerei abspielte, klärt auf, dass der richtige Umgang mit der Sprache in frühesten Jahren gelernt sein muss. Dort bettelte ein Kind, offensichtlich den Tränen ebenso nahe wie dem Hungertod: „Mama, tust Du mich ein Brötchen?”

Die Mutter wurde sich sofort ihres erzieherischen Auftrags bewusst und maßregelte den kleinen Quälgeist: „Kevin, das heißt nicht: Tust Du mich ein Brötchen. Das heißt: Tust Du mich bitte ein Brötchen.” So viel Anstand muss sein.