Eschweiler: „Girls‘ & Boys‘ Day“: Schnüffeln und beißen für die Polizei

Eschweiler : „Girls‘ & Boys‘ Day“: Schnüffeln und beißen für die Polizei

Hechelnd blickt Kolja unschuldig in die Runde. Der Schäferhund lässt es ruhig angehen, so als könnte er kein Wässerchen trüben. Nur wenig später zeigt der Vierbeiner, dass mit ihm nicht zu spaßen ist, wenn sich jemand seinem Herrchen Stefan Hamm zu schnell nähert. Dies ist so gewollt, ja antrainiert, denn Kolja ist ein Polizeihund, der sich in kniffligen Einsätzen beweisen muss.

Für die Schüler, die sich im Rahmen des „Girls‘ & Boys‘ Days“ über den Job eines Bundespolizisten in der Eschweiler Wache informierten, war die Vorführung der Aachener Hundestaffel ein besonderer Höhepunkt. Am Donnerstag lernten Mädchen und Jungen bundesweit Berufe kennen, in denen bislang wenige Frauen beziehungsweise Männer arbeiten. Auch zahlreiche Eschweiler Institutionen beteiligten sich daran. „Teilnehmende Unternehmen profitieren von potenziellen Nachwuchskräften“, teilt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit. Dies trifft auf die Bundespolizei zu, die händeringend nach Verstärkung sucht und die eine Einstellungswelle erwartet. Aus diesem Grund war am Donnerstag Einstellungsberater Dieter Kohl mit an Bord, der zunächst Grundsätzliches über die Behörde schilderte, die in unserer Region vom Aachener Hauptbahnhof und von der Wache in Eschweiler aus agiert.

Eine Hundestaffel in Aktion zu sehen, erleben auch die Schüler im Alter zwischen 13 und 22 Jahren selten. Sie kamen aus der gesamten Region nach Eschweiler, um sich über die Arbeit eines Bundespolizisten zu informieren. In Aachen sind fünf speziell ausgebildete Hunde stationiert. Ihre Aufgabe dient nicht nur dem Schutz des Hundehalters, sondern sie werden auch trainiert, Sprengstoffe zu erschnüffeln. Nach einer 14-wöchigen Grundausbildung muss das Tier oft ein Jahr lang angeleitet werden, ehe es im Einsatz seine Fähigkeit als Spürnase beweisen kann. Bei Feierabend gehen Hundehalter und sein „Kollege“ gemeinsam nach Hause, denn die Tiere leben bei den Familien der Bundespolizisten. „Dies ist wichtig, um das gegenseitige Vertrauen und das Wissen über den Partner aufzubauen“, schilderte Markus Kratz, der Schäferhundmischling „Ben“ mitbrachte. Am Wochenende oft ins Fußballstadion oder zu Demos — da muss die Familie mitspielen. Kratz ist ein Beispiel dafür, dass dies durchaus sehr gut funktionieren kann. Er ist vierfacher Vater. „Meine Kinder verstehen sich hervorragend mit Ben“, ergänzt er.

Auf dem Vormarsch

Bei der Bundespolizei sind die Frauen auf dem Vormarsch. Berührungsängste zeigten die Schülerinnen am Donnerstag jedenfalls nicht. Polizeisprecher Bernd Küppers zog schon während der Veranstaltung ein positives Zwischenfazit: „Einige Teilnehmerinnen wollen sich bei der Bundespolizei bewerben — dies zeigt, dass die Arbeit bei der Polizei nicht nur für Männer hochinteressant ist.“ Genau dieses Ziel verfolgten die Unternehmen mit ihrer Beteiligung an dem Aktionstag, denn letztlich liegt der Schwerpunkt darauf, in Zukunft Ausbildungsstellen mit qualifizierten jungen Leuten zu besetzen.

150 Schülerinnen tauschten am Donnerstag auch das Klassenzimmer gegen einen Tag in der Weisweiler RWE-Ausbildungswerkstatt. Technische Berufe werden bevorzugt von Männern gewählt. Frauen werden hingegen gesucht. am Donnerstag zeigten die Teilnehmerinnen beim Stanzen, Bohren, Löten und Feilen keinerlei Scheu vor der Technik. Damit der Frauenanteil in Zukunft wächst, zeigten Ausbilder und vor allem Azubis den Schülerinnen, wie spannend ihr Job ist. Außerdem standen Rundgänge, Filmvorführungen und Präsentationen der Ausbildungsberufe auf dem Programm. Zurzeit absolvieren rund 440 junge Menschen in 15 verschiedenen Berufen ihre Ausbildung an den RWE-Standorten im rheinischen Revier. Auch in diesem Herbst kommen wieder 155 Auszubildende hinzu.

KFZ-Branche oder Metallhandwerk: Junge Männer entscheiden sich bei der Berufswahl meistens für technisch-orientierte Ausbildungsberufe. In sozialen Berufen hingegen sind überwiegend Frauen tätig. Die Alloheim-Residenz gab Jungen die Chance zu einem praxisnahen Einblick in das Berufsfeld der Pflegebranche. Pflegeberufe zählen derzeit zu den zukunftssicheren und wachstumsstarken Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt. „Viele junge Menschen haben bereits erkannt, dass ein Berufseinstieg in die soziale Branche optimale Berufsaussichten und Vorteile mit sich bringt“, sagte Harold van Donzel, Einrichtungsleiter der Seniorenresidenz Eschweiler. Um das Berufsfeld, das immer noch von Frauen dominiert wird, auch männlichen Schulabgängern zu öffnen und bekannter zu machen, stehen im Fokus des „Boys’ Days“ besonders soziale Berufe. Die Alloheim-Seniorenresidenzen öffnen dabei an diesem Orientierungstag bereits seit vielen Jahren ihre Türen für interessierte Jugendliche: „Unsere Residenz bietet Ausbildungen in verschiedensten Tätigkeiten an: von der Verwaltung, über die aktive Pflege, bis hin zur Arbeit in der Küche“, teilte van Donzel. am Donnerstag bot die Seniorenresidenz den Jugendlichen zudem Workshops zu Berufs- und Lebensplanung sowie Rollenbildern und Sozialkompetenzen an. „Wir wollen Jugendliche dazu motivieren, das immense Potenzial von Pflegeberufen zu nutzen, und ihnen die Chance geben, das Gesundheitswesen selbst mitzugestalten.“

Auch das St.-Antonius-Hospital Eschweiler und das AGO-Senotel stellten die verschiedenen Berufsfelder in ihren Einrichtungen im Rahmen des „Boys‘ Days“ am Donnerstag vor. Im sogenannten „Boys‘-Day-Radar“ auf der Homepage der Initiative sind insgesamt fünf Unternehmen verzeichnet. Auf dem weiblichen Pendant werden sechs Unternehmen in Eschweiler angegeben, die ihre Ausbildungsberufe am Donnerstag vorstellten. Behörden sind allerdings nicht aufgelistet.

„Besondere Beziehung“

Zurück zur Bundespolizei: Sechs Stunden lang informierten sich die jungen Damen über die dortigen Tätigkeitsfelder. Die Funktion des Hundeführers ist sicherlich nicht für jede geeignet. „Man muss schon eine besondere Beziehung zu Hunden haben, sonst funktioniert das nicht“, betonte Markus Kratz. Das Tier begleitet einen schließlich rund um die Uhr. Zudem ist die Zahl der Mitglieder in der Hundestaffel begrenzt. Allerdings passt gerade diese Aufgabe zum „Girls‘ Day“, denn Frauen mit Hund sind in der Polizei selten zu sehen. Vielleicht ändert sich dies in naher Zukunft...

Mehr von Aachener Zeitung