Geiselnahme in Eschweiler vor Gericht

Prozessauftakt vor dem Landgericht : 35-Jähriger steht wegen Vorwurfs der Geiselnahme vor Gericht

Weil er auf einer Autofahrt und später in der gemeinsamen Wohnung in Eschweiler seine Freundin und ihr Kind vorübergehend als Geisel genommen haben soll, muss sich seit Montag der 35-jährige Gelegenheitsarbeiter Saef-Ali K. wegen Körperverletzung, Geiselnahme, Nötigung und des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz vor dem Aachener Landgericht verantworten.

Er habe seiner Freundin wohl einige Ohrfeigen gegeben, gab der seit langer Zeit drogenabhängige Angeklagte, der ursprünglich aus Krefeld stammt und seit seiner Haftentlassung im Jahr 2016 nach eigenen Angaben meistens „auf der Platte am Kaiserplatz“ in Aachen abhing, am Montag vor der 5. Großen Strafkammer zu. Doch die angeklagte Geiselnahme sei eher eine freiwillige Mitfahrt der Geschädigten gewesen, versuchte Saef-Ali K. beim Vorsitzenden Richter Florian Handke „gut Wetter“ zu machen.

Verteidiger Harry Völker wies nach der Einlassung des Angeklagten, in der er weitgehend den Tatrahmen gestand, darauf hin, dass sein Mandant von der erwirkten Gewaltschutzmaßnahme, nach der er die Wohnung des Opfers in Eschweiler nicht mehr betreten durfte, noch gar nicht kannte und deswegen auch nicht befolgen konnte.

Der Angeklagte selbst gab kleinlaut zu, dass er immer unter Drogen gestanden habe und sich vor allem Koks und Heroin beschafft habe. Als er bei seiner Freundin in Eschweiler einzog, habe er von seiner Drogensucht nichts erzählt, habe nur zugegeben, dass er Joints rauche. Auch das tat er bereits seit seinem 12. Lebensjahr, als er damals in seiner Heimatstadt Krefeld nach einem mehrjährigen Heimaufenthalt wieder in Freiheit gekommen war.

Der 35-Jährige gab an, Anfang Februar dieses Jahres gewalttätig geworden zu sein, als seine Lebensgefährtin ihm Vorhaltungen gemacht habe. Während der Zeit der angeklagten Geiselnahme hätten sie ihr gemeinsames Auto von Krefeld nach Aachen geholt, sie habe einen Führerschein und sei gefahren. Als sie dann auf der Autobahn seine Heroinpfeife einfach aus dem Fenster geworfen habe, sei er ausgerastet, habe sogar auf der Fahrbahn danach gesucht.

„Das ist doch hoch gefährlich“, stellte der Richter fest. Ihm sei das aber egal gewesen, antwortete der Angeklagte schulterzuckend.

Der mehrfach vorbestrafte Mann, dessen Mutter aus Deutschland und dessen Vater aus dem Irak stammt, gab ebenso zu, die Scharniere der Balkontüre in der Eschweiler Wohnung abgeschraubt zu haben.

Die Anklage bewertete dies als weitere Nötigung, die der Angeklagte vorgenommen habe, um das Opfer am Verlassen der Wohnung zu hindern. Das bestritt K., er habe nur in dieser Nacht zum 21. Februar seine Lebensgefährtin daran hindern wollen, seine Klamotten weiterhin vom Balkon zu schmeißen, da er nach ihrer Willensbekundung ausziehen sollte.

Zugegeben hat der Angeklagte auch einen Einbruch in eine Gaststätte in Duisburg, bei der er rund 600 Euro erbeutete. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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