Eschweiler: Gefahren im Internet: Polizei klärt Schüler auf

Eschweiler : Gefahren im Internet: Polizei klärt Schüler auf

Eigentlich läuft alles glatt: Der 14-Jährige verabredet sich nach drei Tagen Kontakt im Internet mit der Gleichaltrigen. Beide haben den gleichen Musikgeschmack und wollen sich treffen. In einem Garagenhof in Würselen. Als der Jugendliche jedoch dort ankommt, wird er nicht nur von dem Mädchen empfangen, sondern auch von drei jungen Erwachsenen, die sich sogleich auf ihn stürzen, Handy und Bargeld stehlen, einige Male zutreten und sich dann wieder aus dem Staub machen...

Dieser Fall hat tatsächlich stattgefunden. Damit er sich nicht an anderen Orten wiederholt, reist Kriminalhauptkommissar Peter Arz von Schule zu Schule, um junge Menschen, aber auch deren Eltern aufzuklären, welche Gefahren im Internet und bei der Nutzung des Handys lauern. Am Donnerstag machte der 54-Jährige Station im Städtischen Gymnasium, wo er vor den 7. Klassen in der Mensa sprach und einen Parforceritt durch die verschiedenen Themen wie Cybermobbing, illegale Downloads und Verstöße gegen das Persönlichkeitsrecht am eigenen Bild hinlegte. Immer so, dass die Schüler ihm bestens folgen konnten. Nach zehn Jahren in der sogenannten Kriminalprävention stand schließlich ein Profi vor den Klassen.

Schnell zum Straftäter

Wer im Netz unterwegs ist, kann schnell zum Straftäter werden. Wenn man Beleidigungen in Sozialen Netzwerken oder in Whats­App-Gruppen äußert zum Beispiel. In einem solchen Fall könne eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr ausgesprochen werden, berichtet Arz. Besonders ausführlich widmet er sich dem Thema Mobbing im Netz, dem Cybermobbing. „Im Internet gibt es keinen Schutzraum, man wird also tagtäglich und überall damit konfrontiert“, schildert er. Die Anonymität im Netz komme den Tätern dabei zugute. Anders verhält es sich in WhatsApp-Gruppen, wo man die Täter sofort erkennen kann. Der Aufruf, sich zu melden, galt nicht nur Opfern, sondern vor allem auch der schweigenden und zuschauenden Mehrheit. „Man petzt dann nicht, man holt dann Hilfe“, sagt er.

Veranstaltungen wie diese sind an den Schulen in Eschweiler gefragt. „Die Themen stellen sich immer wieder, auch wenn es nicht zu tatsächlichen und drastischen Fällen kommt“, sagt Frauke Meier. Man arbeite präventiv. Die Lehrerin gehört mit den beiden Sozialarbeiterinnen und zwei weiteren Kollegen zur Beratungsgruppe an der Schule, die immer wieder relevante Themen aufgreift und für die Schüler, aber auch für die Erziehungsberechtigten aufbereitet. Sich mit den Gefahren im Internet auseinanderzusetzen, war ein ausdrücklicher Wunsch der Eltern, die dies als wichtigsten Aspekt in einem Fragebogen ankreuzten. Allerdings war das Interesse gering, als es zum tatsächlichen Termin kam: Sprach Peter Arz am Donnerstag vor 80 Schülern, so waren es an dem Abend gerade vier Erziehungspersonen. „Wir werden aber weiter Angebote für Eltern machen“, gibt Frauke Meier als Parole aus.

Für manche der Jugendlichen ist der Vortrag des Polizeihauptkommissars kein Neuland, denn das Städtische Gymnasium zählt zu den über 200 Schulen in der Städteregion, die immer wieder Arz‘ Dienste anfordern. Zunehmend ist er in Grundschulen gefragt. Die Frage, wer ein Smartphone besitzt, wurde auch am Donnerstag eindeutig von den Schülern beantwortet, denn nahezu alle Hände gingen in die Höhe. Dass die meisten Pennäler das Gerät auch abends am Bett bei sich haben, war da schon eher bemerkenswert. Inzwischen ist es üblich, dass Arz auch Vorträge vor Viertklässlern hält: „Natürlich kürzer und etwas einfacher.“ Ereignet sich ein konkreter Fall an einer Schule, ist Arz ebenfalls Ansprechpartner im Kriminalkommissariat 44. Dies lässt seinen Terminkalender schnell voll werden.

App für Betroffene

Zwei Sätze gibt Arz den Schülern am Schluss mit auf den Weg: „Lauft nicht wie Schafe allem hinterher, sondern bezieht Stellung und seid keine Schafe!“ Und: „Denkt immer darüber nach: Wie würde ich mich in der Situation fühlen?“ Beherzige man dies, würde es kein Cybermobbing mehr geben. Für Betroffene besteht inzwischen eine Smartphoneapp, bei der man sich kostenlos Hilfe holen kann.

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