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Eschweiler: Gedenken an Opfer der Pogromnacht

Eschweiler : Gedenken an Opfer der Pogromnacht

In ganz Deutschland fanden am Dienstag Gedenkfeiern in Erinnerung an die „Reichspogromnacht” statt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten die Synagogen der jüdischen Mitbürger in Brand gesteckt.

Auch die Synagoge in Eschweiler, die sich an der Moltkestraße befand, und das jüdische Gotteshaus in Weisweiler wurden damals ein Opfer des antisemitischen Wahns.

Seit geraumer Zeit laden die Evangelische Kirchengemeinde und die Aachener Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit alljährlich zu einer Gedenkfeier, um diesem auch als „Reichskristallnacht” in die Geschichtsbücher eingegangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu gedenken.

Bewegende Ansprache

Auch in diesem Jahr war der Treffpunkt vor der Dreieinigkeitskirche an der Moltkestraße, wo ein Gedenkstein an die einstige jüdische Synagoge erinnert. Der evangelische Pfarrer Jens-Peter Bentzin aus Monschau sprach am Gedenkstein in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zunächst ein Gebet, bevor er sich in der Dreieinigkeitskirche mit einer bewegenden und nachdenklich stimmenden Ansprache an die zahlreichen Teilnehmer der Gedenkveranstaltung wandte.

„Im Deutschland des Jahres 2004 der Pogromnacht vom 9. November 1938 zu gedenken, heißt nicht, sich mit abgeschlossenen Kapiteln zu beschäftigen”, betonte Bentzin. Es bedeute vielmehr, „sich der eigenen Identität zu stellen”.

„Geist von Weimar”

Ausgehend von einer Reise, die er im Sommer nach Weimar unternommen hatte, reflektierte er über den „Geist von Weimar”. Weimar, die Stadt Luthers, Bachs, der deutschen Klassik, des Bauhauses und der ersten freiheitlichen deutschen Grundordnung, sei gleichzeitig auch eine der Lieblingsstädte Hitlers gewesen und ein Ort in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers Buchenwald.

„Tausende sind nach den Pogromen vom November 1938 hierher gebracht worden”, erinnerte Bentzin. In Weimar, so der Pfarrer, sei „der Geist zum Ungeist geworden”. Weimar sei Sinnbild einer „gebrochenen Identität”. Zum „eigenen, ungebrochenen Ich” könne der Mensch nur durch den Dialog finden. Wir alle seien „miteinander zum Gespräch aufgefordert”. Und, so Bentzin: „Das Böse liegt nicht im Anderen, sondern in einem jeden selbst.”

Ausstellung eröffnet

Nach der Ansprache, die von musikalischen Vorträgen des Duos Bärbel Ehlert und Friedel Lützer umrahmt wurde, eröffnete der israelische Schriftsteller Amos Plaudt die von der Galerie Engert organisierte Ausstellung „Der Sündenbock”, in der Objekte der Künstler Nechama Levendel, Naday Block und Wolfgang Franken gezeigt werden.

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung ging es zum jüdischen Friedhof an der Talstraße, wo Amos Plaudt das traditionelle jüdische Totengebet „Kaddish” vortrug.