Eschweiler: Geburtsklinik: Hospital will an Plänen nicht rütteln lassen

Eschweiler: Geburtsklinik: Hospital will an Plänen nicht rütteln lassen

Ein Sturm der Entrüstung rauscht derzeit durch Eschweiler. Die geplante Schließung der Geburtsklinik im St.-Antonius-Hospital führt zu Diskussionen, auch verschiedene Formen des Protestes werden vorbereitet.

Der Geschäftsführende Vorstand des Krankenhauses, Elmar Wagenbach, macht jedoch keine Hoffnung: „Es gibt kein Szenario, die Entscheidung zu überdenken, weil ich von ihr überzeugt bin und auch die Verantwortung dafür trage.“ Dass die Kooperation zwischen dem Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg und dem Hospital in Eschweiler der erste Schritt zu einer Fusion ist, sieht Wagenbach hingegen nicht. Ausschließen wolle er grundsätzlich nichts, aber mittelfristig gebe es keine Überlegungen in diese Richtung.

Kann die emotionale Debatte verstehen, lässt an den Plänen jedoch nicht mehr rütteln: der Geschäftsführende Vorstand des Hospitals, Elmar Wagenbach.

Erste Gespräche in 2015

Die ersten Gespräche zwischen Stolberg und Eschweiler haben im September 2015 stattgefunden, am 26. April dieses Jahres folgte der Antrag für die Strukturveränderungen bei der Bezirksregierung. Im Vorfeld stimmten die Träger der Kooperation zu — im Fall des Eschweiler Krankenhauses die Pfarre St. Peter und Paul. Dass die Verhandlungen zunächst hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben, ist für Wagenbach nicht ungewöhnlich: „Das Ziel war, die betroffenen Mitarbeiter rechtzeitig zu informieren — und drei Monate vorher ist in meinen Augen rechtzeitig.“ Gleichwohl räumt er ein, dass der Versuch, die Belegschaft zeitgleich mit der Öffentlichkeit zu unterrichten, nicht funktioniert habe.

Grundsätzlich könne er die Emotionalität in der Debatte verstehen, setzt dieser aber Zahlen gegenüber: Im vergangenen Jahr wurden 580 Kinder im Eschweiler Krankenhaus geboren, allerdings kommen nur 400 Kinder aus Eschweiler. „50 Prozent der Eschweiler Frauen bringen ihre Kinder schon jetzt in einem anderen Krankenhaus zur Welt“, sagt Wagenbach. 200 Frauen aus der Indestadt entbanden im Stolberger Krankenhaus. Die grundsätzliche Problematik keimte in den Augen des Geschäftsführenden Vorstands schon vor längerer Zeit auf: „Als vor acht Jahren beschlossen wurde, dass in Krankenhäusern ohne Kinderklinik nur gesunde Mütter mit gesunden Kindern aufgenommen werden dürfen, sank bei uns die Zahl der Geburten von 800 auf 600.“

Statistisch betrachtet, enden zwei von 10.000 Geburten mit einem bleibenden Schaden für das Baby. Laut Wagenbach könne man die Gefahr mit einer angeschlossenen Kinderklinik weiter minimieren. „Es gibt also gute medizinische Gründe, die Geburtsklinik an eine Kinderklinik anzubinden“, sagt er. Dass im Gegenzug die gynäkologische Abteilung in Stolberg aufgegeben wird, habe für die gebärenden Frauen hingegen in den Augen Wagenbachs keine Nachteile. Auch die längere Strecke zum nächsten Kreissaal sieht er nicht als problematisch, schließlich würden sich ja 50 Prozent der Eschweiler Frauen ohnehin dafür entscheiden.

Der Weg zu Kompetenzzentren ist politisch gewollt. „Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass jede Klinik alles anbieten kann“, meint Wagenbach. In der Tat sind die Krankenhäuser unter einen enormen wirtschaftlichen Druck geraten. Fast ein Drittel der Häuser meldete im vergangenen Jahr Verluste, elf Prozent seien laut Wagenbach von der Insolvenz bedroht. Dies zwinge viele Häuser, nach neuen Strukturen zu suchen.

In Eschweiler, so betont er, handelt man nicht in der Krise. Die Kosten der Geburtsklinik lassen sich jedoch nicht von der Hand weisen. In der Vergangenheit griff das Hospital immer wieder auf Honorarärzte zurück, um den 24-Stunden-Dienst aufrecht zu erhalten. Auch unter dem Aspekt sei es eine Qualitätssteigerung der medizinischen Versorgung, wenn Ärzte und Hebammen eingespielt seien.

Hervorragende Arbeit

Letztere nimmt Elmar Wagenbach ausdrücklich in Schutz: „Die Hebammen haben hervorragende Arbeit geleistet und leisten sie immer noch.“ Dennoch werden sie ab dem 1. Oktober im Hospital eine andere Tätigkeit ausführen müssen oder sich woanders umschauen. Auch bei einem Wechsel zum Stolberger Krankenhaus, dem Kooperationspartner, müssen sie das übliche Bewerbungsverfahren durchlaufen. Am Montag fand eine Gesprächsrunde im Krankenhaus mit betroffenen Hebammen statt.

Wagenbach steht für sachliche Diskussionen bereit, wehrt sich jedoch gegen manche Vorwürfe — auch gegen den Träger, die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul. „Caritativ und christlich zu sein, bedeutet nicht, dass man Verluste machen muss“, sagt er.

Kritik kam auch aus dem Eschweiler Rathaus, unter anderem von Bürgermeister Rudi Bertram, dem er mit den Worten begegnet: „Wenn man eine Geburtsklinik als Daseinsfürsorge für jede Stadt betrachtet, dann ist es Aufgabe der öffentlichen Hand, eine solche vorzuhalten.“ Zudem sei auch die Entscheidung der Kooperation der beiden Häuser eine Folge der Gesundheitspolitik, die zu einer immer stärkeren Zentralisierung führe.

Im Krankenhaus rechnet man damit, dass die Diskussion in den kommenden Wochen leiser wird. Auch in Jülich war der Aufschrei groß, als bekannt wurde, dass dort die Geburtsklinik geschlossen wird. Diese Entscheidung hat dazu geführt, dass auch Jülicher Eltern für die Geburt ihres Kindes nach Eschweiler kamen.

Dies seien allerdings wenige gewesen, wie die Analyse einer Beraterfirma ergeben hat. Sie war im Vorfeld der Kooperation eingebunden worden. Bald stehen auch Eschweiler vor der Wahl, in welchem Krankenhaus sie ihr Kind zur Welt bringen. Im St.-Antonius-Hospital wird dies nicht möglich sein, daran lässt Wagenbach keinen Zweifel.