Eschweiler: Fußgängerampeln: Das „Bitte drücken“ ist fast immer nutzlos

Eschweiler: Fußgängerampeln: Das „Bitte drücken“ ist fast immer nutzlos

Es ist so etwas wie eine magische Handlung. Fast jeder Fußgänger, der die Straße überqueren will, drückt auf einen dieser kleinen gelben Kästen, die in Höhe einer Türklinke an der Fußgängerampel befestigt sind. Das sind Blindentaster. Und es ist fast immer völlig überflüssig, sie zu drücken.

Selbst wenn „Bitte drücken“ drauf steht. Dadurch wird es nicht schneller Grün.

In Wirklichkeit ist es natürlich viel komplizierter. Denn es gibt in Eschweiler tatsächlich auch Fußgänger-Überwege, an denen man das Grün mit einem Druck auf den kleinen gelben Kasten anfordern muss. Solche Bedarfsampeln stehen beispielsweise vor der Barbara-Schule in Pumpe-Stich. Und auch an der Ecke Uferstraße/Bergrather Straße. Ansonsten aber sind diese Kästen nur dazu da, blinden Menschen mit Piepstönen und Vibrationen zu signalisieren, wann sie über die Straße gehen können. Allerdings gibt es bei den Blindentastern verschiedene Modelle, die unterschiedlich eingestellt sind. Manche piepsen immer, wenn die Fußgängerampel grün zeigt, andere nur, wenn sie vorher gedrückt werden.

Verborgene Schalter

Noch andere piepsen nur dann, wenn man sie nicht oben drückt, wo ja quasi jeder drauf drückt, sondern an einem Schalter, der unter dem Kasten verborgen sitzt — Blinde wissen das. Und weil das noch nicht kompliziert genug ist, gibt es auch noch unterschiedliche Zuständigkeiten. An Durchgangsstraßen wie der Indestraße ist der Landesbetrieb Straßenbau zuständig, an örtlichen Straßen die Stadtverwaltung.

„An Blindenampeln sollen immer zwei Sinne angesprochen werden“, erläutert Gerhard Handels von der Stadtverwaltung Eschweiler das System. Deshalb gibt es für Blinde akustische und taktile Zeichen. Akustisch: Das ist das Klacken und das Piepsen. Offiziell heißt das natürlich nicht Klacken und Piepsen, sondern Auffindesignal und Freigabesignal. Das Auffindesignal (tack-tack-tack) signalisiert: Hier in der Nähe ist eine Ampel. Das Freigabesignal (piep-piep-piep) bedeutet: Jetzt ist es Grün. Taktil: Auf der Unterseite der Kästen ist ein Knopf in Pfeilform. Dieser Knopf vibriert bei Grün, sofern er vorher gedrückt wurde. Der Pfeil weist zur gegenüberliegenden Straßenseite, und er zeigt sogar an, ob man in einem Rutsch über die Straße kommt (dann ist der Pfeil glatt), oder ob es eine Mittelinsel gibt, dann hat der Pfeil einen Querbalken.

Damit die akustischen Signale nicht allzusehr nerven, sind sie geräuschgesteuert. In den Lautsprechern sind auch Mikrofone. Fährt ein Lastwagen vorbei, wird das Tackern sofort lauter. Die Lautsprecher sind bei einigen Geräten in den gelben Kästen integriert, meist gibt es aber gesonderte Lautsprecher an den Ampelmasten.

Um die Nerven von Anwohnern zu schonen, ist die Stadt dazu übergegangen, an den städtischen Blindenampeln das Freigabesignal nur zu senden, wenn der Schalter unter dem Gerät gedrückt wird. Die große Taste oben auf dem Gerät hat gar keine Funktion mehr, auch wenn „Bitte drücken“ drauf steht.

Dass es an fast allen Fußgängerampeln nicht nötig ist, auf die Tasten der Anforderungskästen zu drücken, damit man als Fußgänger Grün bekommt, und dass man so auch nicht schneller grünes Licht erhält, hängt mit der Ampelsteuerung zusammen. An den Hauptverkehrsstraßen in Eschweiler sind die Grünphasen für Fahrzeugverkehr und für Fußgänger fest programmiert, zum Beispiel, um auf der Indestraße eine Grüne Welle für Autofahrer zu erreichen. Die käme bei jeder Grün-Anforderung von Fußgängern durcheinander.

Ärgerlich ist es, sagt Gerhard Handels, dass nicht einmal diese Anforderungskästen vor Vandalismus sicher sind. Manchmal lassen sich die Beschädigungen beheben. Etwa, wenn die Pfeiltaste mit Stöckchen oder anderen Gegenständen festgeklemmt wird. Aber es gibt auch Fälle, dass die Kästen gewaltsam abgetreten werden. Das kostet dann immer 300 Euro für ein neues Gerät. Die Montagekosten noch gar nicht gerechnet

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