Eschweiler: Fulminante Reise durch drei Jahrhunderte europäischer Musik

Eschweiler: Fulminante Reise durch drei Jahrhunderte europäischer Musik

Das Frühjahrskonzert des Orchesters der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler in der neuen Delio-Arena des traditionsreichen Hauses Flatten: Dieses Ereignis hatte „das gewisse Etwas”.

Blasmusik vom Feinsten in einer ungezwungenen, ja fast familiären Atmosphäre bei einer rege kommunizierenden Ansammlung von Eschweiler Musikliebhabern unterschiedlicher Stilrichtungen: Das muss man einmal erlebt haben. Jene, die jetzt an einem warmen Frühlingsabend in guter Stimmung zum Frühjahrskonzert gekommen waren, verließen das Haus Flatten in noch besserer Laune. Dies galt umso mehr für die Besucher, die nach zwei starken musikalischen Programm-Hälften auch noch zur „dritten Halbzeit” in Röthgens guter Stube geblieben waren: Dort war nämlich Tanz zu den Klängen der „Swingers 71” angesagt.

Vorher jedoch boten die Bläser der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler unter der bewährten Stabführung von Wolfgang Krieger ein bemerkenswertes Potpourri durch dreihundert Jahre europäischer Musikgeschichte: von Bearbeitungen barocker Komponisten über Filmmusiken bis hin zu Hits der im Haus Flatten zahlreich vertretenen, schon etwas reiferen Jugend. Moderiert wurde dieser bunte Streifzug wieder einmal von Walter Brandt aus Nothberg, Vater eines Orchesterspielers.

Die Holz- und Blechbläser jungen und mittleren Alters überraschten bei der Ouvertüre mit einer Bearbeitung der berühmten Orgel-Toccata in d-moll von Johann Sebastian Bach und im weiteren Verlauf des Abends mit einem zweiten „Barock-Klassiker”: dem Kanon von Johann Pachelbel, wobei Thomas Loup (Klarinette) und Ulrich Nobis (Tenor-Saxophon) als Solisten brillierten. Peter Maffay hat nicht nur das Musical „Tabaluga” geschrieben - hieraus spielte das Orchester das Stück über die 200-jährige Wasserschildkröte „Nessaja” -, sondern hat den Hit „Über sieben Brücken musst du gehen” der DDR-Gruppe „Karat” 1984 in Westdeutschland bekannt gemacht.

Hier trat Orchester-Spiele Christoph Androw als Sänger ans Mikro und machte seine Sache ebenso prächtig wie Uwe Müller, von Walther Brandt als „Robbie Williams der Delio-Arena” angekündigt - bei „Beyonce the Sea” und „The locomotion”. Klasse auch Ute Paffen mit ihrem Solo als Tenor-Saxophonistin zur Begleitung des „Karat”-Liedes. Mit „On the sunny side of the street” erweckte das Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Amerikas Musik der 30-er Jahre zu neuem funkelndem Leben. Bei „An der schönen blauen Donau” legte sich so etwas wie Wiener Neujahrskonzert-Flair über Bühne und Sitzreihen der Delio-Arena.

Prächtige Marsch-Musik fehlt nicht im Repertoire von Wolfgang Krieger. Diesmal begeisterte der „Helenen-Marsch” durch rhythmische Präzision und den nötigen „Schmiss”. Interessant, einmal jenes Stück in Originallänge zu hören, das bei „Loriot” in Teilen zur Karikierung des disziplinvernarrten „Opa Hoppenstedt” untermalt wird. Die Komposition „Feeling good” eignete sich trefflich als Fazit des ganzen schwungvollen Abends, der mit der „Hymne an die Freundschaft” sowie einer Zugabe samt Blumensträußen für den Leiter, die Solisten und den Moderator ausklang.

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