Eschweiler: Für Demenzkranke soll es mehr und bessere Hilfe geben

Eschweiler: Für Demenzkranke soll es mehr und bessere Hilfe geben

Gelb war die dominierende Farbe am Mittwochabend im Hotel de Ville in Eschweiler: Auf den Kerzenständern brannten gelbe Kerzen, die Tische waren mit gelbem Schleifenband versehen, in den Vasen steckten gelbe Rosen.

Der FDP-Stadtverband Eschweiler hatte zur Podiumsdiskussion über das Gesundheitssystem geladen. Zu den Teilnehmern zählten neben Josef Alt, Vorstand der BKK ALP plus, Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, und Professor Joseph Neulen, Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Aachen, auch Daniel Bahr (FDP), Bundesgesundheitsminister. Rund 140 Gäste waren gekommen - ein Andrang, mit dem der Veranstalter nicht gerechnet hatte.

Grund dafür war wohl der prominente Gast und das spannende Thema des Abends. Erst am Vormittag hatte Bahr in Berlin Eckpunkte für die Pflegereform vorgestellt. Die Bundesregierung will damit die Situation der 1,4 Millionen Demenzkranken in der Pflegeversicherung verbessern. Bisher erhalten Demenzkranke kaum Hilfe aus der Pflegeversicherung. Das will Bahr mit mehr Geld und einer neuen Definition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs ändern. Derzeit gelten körperliche, kaum aber geistige Gebrechen als Maßstab.

Parallel zum Bedürftigkeitsbegriff muss das Begutachtungsverfahren geändert werden. Künftig sollen die vorhandenen Kompetenzen eines pflegebedürftigen Menschen in mehrere Bereiche eingeteilt werden: Mobilität, wahrnehmende Fähigkeiten, Verhalten und psychische Probleme, Selbstständigkeit beim Essen und Anziehen. Anfang 2013 soll der Pflegebeitrag von 1,95 auf 2,05 Prozentpunkte angehoben werden. Das ergibt Mehreinnahmen von 1,1 Milliarden Euro. Für die Versicherten bedeutet das einen Anstieg von maximal 3,82 Euro im Monat. Bahr betonte, dass vor allem Demenzkranke in sehr niedrigen Pflegestufen zusätzliche Leistungen erhalten sollen. Bereits 2012 soll die Reform in Kraft treten.

Nach Prognosen des Gesundheitsministeriums werden 2030 mindestens 1,7 Millionen Menschen demenzkrank sein. Deswegen sollen die Menschen nach Bahrs Plänen privat vorsorgen, um die Finanzierung der Pflege gewährleisten zu können. Bei der Pflege soll es ähnlich wie bei der Riester-Rente künftig Zuschüsse für die private Vorsorge geben.

Das Publikum der Podiumsdiskussion beschäftigte vor allem der Fachkräftemangel. Einige Krankenhäuser hätten Probleme, die qualifizierte Pflege zu gewährleisten, weil schlicht zu viele Auszubildende die Lehre nicht schaffen würden, da die Ansprüche zu hoch seien. Ähnlich lautete die Kritik bezüglich des Ärztemangels. Der Numerus Clausus liege im Fach Medizin viel zu hoch. Außerdem würden sich viele Medizinstudenten nach dem Studium für eine Karriere in der Forschung entscheiden und nicht für die Gründung einer Hausarztpraxis - zum Beispiel in der Eifel. Dieses Problem sieht auch Neulen: „Nur die Hälfte der Studenten, die das Staatsexamen machen, wird tatsächlich Arzt.” Er und Alt wünschten sich vom Gesundheitsminister vor allem weniger Bürokratie. „Ohne den Datenwust gingen viele Dinger einfacher”, sagte Alt. Neulen bestätigte das: „Wir brauchen für die Codierung eines Patienten zwischen 45 und 60 Minuten.” Das sei Zeit, die an anderer Stelle fehle.

Bahr stellte klar, dass auch er für Bürokratieabbau sei, es aber gerade in Deutschland häufig die Forderung gebe, alles noch etwas besser zu regeln. Dass es eine hohe Durchfallquote bei der Ausbildung in Pflegeberufen gebe, sei ihm nicht bekannt. Die hohe Zulassungsbeschränkung beim Medizinstudium sieht Bahr ebenfalls kritisch. Einen guten Mediziner mache nicht die Abiturnote aus.