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Eschweiler: Frohsinn auf der Bühne, Hektik dahinter

Eschweiler : Frohsinn auf der Bühne, Hektik dahinter

Die fünfte Jahreszeit: Sitzungen, Bälle, Proklamationen, gute Stimmung und die Gewissheit auf einen entspannten Abend: Die meisten Karnevalsjecken erleben die Session aus dieser Perspektive. Aus der Sicht der Akteure sieht manches anders aus.

Einen Abend lang habe ich die sympathischen Jungs der Eschweiler Mundart-Gruppe „de Fröngde” begleitet. Live und hautnah konnte ich erleben, mit welchen Gefühlschwankungen die Gruppe während des Abends umgeht - und wie sie trotz Stress und Termindruck die Zuschauer jedes Mal aufs Neue begeisterte.

Eingespieltes Ritual

20 Uhr, Aula der Realschule Patternhof: Ich finde die Band in den Katakomben des Gebäudes. Im einem Raum, der mich ein wenig an die Kanalisation von Paris erinnert, bereiten sich die fünf Fröngde auf den ersten Auftritt vor. Gitarren werden gestimmt. Die Technik und die Headsets der Mikrofone geprüft. Auf den ersten Blick ein eingespieltes Ritual.

Dennoch spüre ich einen Anflug von Lampenfieber. „Das ist immer so”, erklärt mir Keyboarder und Sänger René Hoppenreis, „vor dem ersten Auftritt am Abend sind wir alle immer etwas aufgeregt. Das legt sich aber, wenn die Technik auf der Bühne steht.”

Hervorragende Stimung

An diesem Abend warten die Damen vom AsF (Arbeitskreis sozialdemokratischer Frauen) auf den Auftritt der Fröngde. Die Stimmung im Saal ist hervorragend, als um 20.30 Uhr die Show beginnt. Reibungslos wohl gemerkt. Bei Liedern wie „Komm loss ons fiere” gibt es für die „roten Frauen” kein Halten mehr. Sie stehen auf Tischen und Stühlen, schunkeln, klatschen, fordern Zugabe auf Zugabe von den fünf Vollblut-Musikern.

Die hätten gerne weitergemacht, aber der nächste Termin drückt. Jetzt müssen die Techniker unter der Leitung von Thomas Knillmann wirbeln. Die mehrere hundert Kilogramm schwere Ausrüstung muss verladen werden. In nur 15 Minuten ist auch das letzte Kabel verstaut, wir machten uns im Konvoi auf den Weg zum nächsten Event.

Winklige Gänge

21.45 Vereinslokal KG Ulk, Burghof Oberröthgen: Wir schafften es pünktlich zum geplanten Auftritt um 22 Uhr. Die Suche nach der Garderobe führt über Treppenhäuser und winklige Gänge ins Obergeschoss. Eine Garderobe offenbar nicht nur für uns allein: Ein Durcheinander von Jacken, Koffern und Instumentenkistentürmt sich vor uns auf.

Davon unberührt zelebrierten die Fröngde wieder das Ritual der physischen und mentalen Vorbereitung. Gitarren stimmen, Technik prüfen, Bühnengarderobe überziehen. Eine ganz eigene Art der Vorbereitung hat dabei der Frontmann der Truppe, Thomas „Gröhli” Vendel.

Entspannung auf der Toilette

Er findet seine Entspannung vor den Auftritten nicht in spiritueller Meditation, sondern auf der Toilette. „Für mich ist das die beste Art mich zu konzentrieren und einzustimmen”, verrät mir der lustige Leadsänger. Und jedes stille Örtchen ist anders...

Schon steht die Technik im Vorraum des Saales, da kommt die Hiobsbotschaft: „Wir hängen um ungefähr 25 Minuten”, so der Veranstalter.

Euphorie schwindet

Das hätte nicht kommen dürfen. Die Euphorie in den Gesichtern der „Rotjacken” entschwindet. Denn der folgende Auftritt, diesmal in Aachen, soll um Punkt 23 Uhr beginnen.

Kurze Krisensitzung, dann Anruf in Aachen: Ist eine Verschiebung nach hinten möglich? Drummer Enrique „Klöppi” Fons-Marschang ruft an, kommt zurück: „In Aachen hängt die Veranstaltung auch 15 bis 20 Minuten”. Das heitert die Stimmung etwas auf.

Es folgen Gespräche mit dem Präsidium des Ulk, vielleicht lässt sich der Auftritt der Fröngde doch noch einbauen. Aber spätestens 22.25 müssten die fünf Musiker auf der Bühne stehen, um den Folgetermin nicht zu gefährden.

Auftritt fällt aus

Nach weiteren quälenden Minuten die Gewissheit: Das Programm kann nicht umgebaut werden. Und die Zeit wird knapp. Zu knapp. Der Auftritt der Fröngde bei der KG Ulk fällt aus.

Also: Einpacken. Zwei nicht mehr wirklich gut gelaunte Techniker mühen sich, die Gerätschaften schnellstmöglich aus dem völlig überfüllten Saal in den Tourbus zu laden. Der Zeitvorsprung ist auf 15 Minuten geschmolzen. 15 Minuten im Tross von Eschweiler nach Aachen-Forst? Nicht ganz pünktlich, aber doch früh genug ereichten wir den Saalbau Kommer in der Nähe der Trierer Straße.

Knappe Stunde Geduld

22.15 Uhr, Saalbau Kommer in Forst: Können wir aufbauen? Ach was. Die Verantwortlichen des Carnevals-Corps Aachener Stadtkadetten bedauern: Sie haben wegen der angekündigten Verspätung der Fröngde bereits ihr Programm umgestellt. Eine knappe Stunde müssen wir uns wohl noch gedulden.

Wir nutzen die Zeit, um in einem Hinterzimmer ein wenig Ruhe und Entspannung zu finden. Bei einer Runde Cola und Wasser machen die Bandmitglieder ihrem Unmut Luft, die KG Ulk kommt dabei nicht gut weg.

Grandioser Auftritt

Die Wartezeit ist schnell vorbei, es folgt ein grandioser Auftritt der Fröngde vor ausverkauftem Haus. Die Aachener sind begeistert von der Eschweiler Truppe, es gibt mehrere Zugaben, bis sich René Hoppenreis, Enrique Fons Marschang, Thomas Vendel, Bassist Uwe Weiland und Gitarrist Helmut Braun endlich in die Garderobe zurückziehen.

Total erschöpft und triefnass geschwitzt beenden die Jungs um 0.20 Uhr zufrieden einen turbulenten Abend. Am nächsten Wochenende werden sie wieder unterwegs sein.