Eschweiler-Dürwiß: Freibad Dürwiß zählt die meisten Besucher seit 15 Jahren

Eschweiler-Dürwiß : Freibad Dürwiß zählt die meisten Besucher seit 15 Jahren

Von einem „Super-Rekord“ spricht Ute Bodden, wenn sie an die vergangene Freibadsaison zurückdenkt. Sie wirkt rundum zufrieden, während sie auf dem Bademeisterturm steht und die letzten Hartgesottenen beobachtet, wie sie zwei Tage vor Schließung ihre letzten Bahnen ziehen.

„Das sind die letzten Überlebenden“, sagt sie lachend. Von den knapp 72.000 Besuchern der letzten Monate sind nur noch etwa ein Dutzend übrig geblieben, die die Ruhe nach dem Sturm nutzen, um bei leichtem Nieselregen ihren Frühsport noch ganz entspannt zu absolvieren, bevor es ab nächstem Montag wieder ins Hallenbad geht.

Am besucherstärksten Tag haben 2879 Gäste das kühle Nass im Freibad genossen. Das war am 7. August, einem Dienstag. Um diese Zahlen zu bewältigen, braucht es einen regelrechten Kraftakt. 16 Festangestellte und fünf Aushilfen haben Tag für Tag alles dafür getan, um den Besuchern einen schönen Aufenthalt zu ermöglichen. „Überstunden und Mehrarbeit bleiben da gar nicht aus“, berichtet Bodden, die seit 35 Jahren im Freibad Dürwiß tätig ist.

Es sei ein sehr angenehmes Arbeiten gewesen, in diesem Jahr seien die Gäste durchweg entspannt gewesen. „Es gab durch den heißen Sommer ein Gefühl der Zusammengehörigkeit“, so Bodden, „die Gäste waren einfach dankbar für die Abkühlung, das hat man gemerkt.“

Nicht genug Aushilfen gefunden

Trotzdem macht ihr die Personalknappheit ein wenig Sorgen, gerade in einem Sommer wie diesem hätte das Team mehr Unterstützung gut gebrauchen können. „Wir haben die ganze Saison über Aushilfen gesucht, aber leider vergeblich“, klagt Bodden. So sind die letzten Monate oft auch körperlich anstrengend gewesen, besonders bei den heißen Temperaturen. „Einige Badegäste meinen, unser Job wäre bei schönem Wetter wie Urlaub, aber das ist überhaupt nicht so“, erzählt Beate Staab, ebenfalls vom Bäderteam.

Den ganzen Tag in der Sonne zu stehen sei, sehr anstrengend, vor allem unterschätzten viele die psychische Belastung. „Man ist die ganze Zeit angespannt und hofft, dass nichts passiert“, schildert Bodden. Zeit für die eigene Abkühlung bleibt da keine, schwimmen waren Bodden und Staab in diesem Sommer kaum. Nach Feierabend fehle die Lust, vorher stehe die Reinigung an. „Man hält höchstens mal den Kopf unter die kalte Dusche, das muss reichen“, sagt Staab selbstironisch.

Das Bäderteam muss sich auch immer wieder auf neue Situationen einstellen. Seit dem Rekordsommer 2003 mit über 83.000 Besuchern hat sich einiges getan. Beispielsweise ist es in diesem Sommer immer häufiger vorgekommen, dass Eltern auf ihre Kinder nicht mehr genügend achten. Oft mussten Bodden, Staab und weitere Mitarbeiter lange nach den Eltern von Nichtschwimmern suchen. „Die haben oft die Einstellung, dass die Bademeister schon aufpassen“, mahnt Bodden.

Aus diesem Grund denken die Mitarbeiter über eine Schwimmflügelpflicht für alle Nichtschwimmer nach. Diese könnte ab dem nächsten Jahr umgesetzt werden.

Immer häufiger stellt das Team auch neue Einflüsse durch Smartphones fest - allerdings nicht als Belästigung vor Ort. Bodden klärt auf: „Sehr viele Leute lassen sich von Wetterapps beeinflussen.“ Wenn in der Vorhersage Gewitter für möglich gehalten werden, ist es im Bad deutlich leerer - auch wenn letztlich den ganzen Tag die Sonne scheint. „Die Menschen sollen lieber ihre Nase raushalten und sich selbst ein Bild machen“, so Bodden.

Stammgäste bei jedem Wetter da

Nach dem schönen, aber auch anstrengenden Sommer wird das Freibad ab Montag winterfest gemacht. Bis etwa Mitte April liegt es dann im Winterschlaf, bis schließlich im Mai wieder die Tore geöffnet werden. Diesem Tag fiebern zwei Stammschwimmer besonders entgegen. Brigitta Lamka und Axel Fischer sind regelrechte Wasserratten, sie haben eine Jahreskarte für die Eschweiler Bäder und genießen die Freibadsaison in vollen Zügen.

„Ich bin eigentlich jeden Tag mit dem Fahrrad hergekommen, um eine Stunde zu schwimmen“, erzählt Lamka. Ihr Ehemann ist genau 33 Mal mitgekommen, die heißen Tagen waren ihm einfach zu viel. Regen hingegen macht den beiden nichts aus. Auch am Freitag genießen die beiden die letzten Tage als Freiluftschwimmer in familiärer Atmosphäre. „Wir sind immer traurig, wenn es wieder vorbei ist“, sagt Fischer, und fügt lachend hinzu: „Ich hatte schon überlegt, mir selbst einen Schlüssel für die Wintermonate zu besorgen.“

Weil das leider nicht möglich ist, stoßen die beiden Dauergäste zum Abschied mit Staab und Bodden an. Letztere kennen sie übrigens auch schon seit 35 Jahren.