Eschweiler: Forstwirtschaftsplan: Stürme hinterlassen zahlreiche Schäden

Eschweiler: Forstwirtschaftsplan: Stürme hinterlassen zahlreiche Schäden

Förster Marco Lacks hat derzeit alle Hände voll zu tun. Das ist im Stadtwald ohnehin ganzjährig der Fall, aber Stürme wie „Burglind“ und „Friederike“ sorgen nun für einen deutlich höheren Arbeitsaufwand. Das und mehr wird aus dem Forstwirtschaftsplan für das Jahr 2018 deutlich, den Lacks am kommenden Donnerstag dem Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss vorstellt.

Grundlage für den jährlichen Forstwirtschaftsplan ist der zehnjährige Betriebsplan, der für den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2024 aufgestellt wurde. Für das laufende Jahr sieht der Plan einige Aufgaben (und Ausgaben) in folgenden Bereichen vor:

Holzeinschlag und Rücken

Eigentlich sollen im Stadtwald jährlich circa 1415 Erntefestmeter (Efm) Holz genutzt werden. Es sei denn, ein Sturm kommt in die Quere. Vor dem Hintergrund von „Burglind“ und „Friederike“ orientiert sich der Einschlagsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2018 an den Folgen der Stürme, die insbesondere an den Fichtenbeständen starke Schäden hinterlassen haben.

Aus diesem Grund wird nun auch weniger gefällt, hauptsächlich Kiefern (30,2 Prozent) und ALN (= andere Laubhölzer mit niedriger Lebensdauer, 28,6 Prozent, unter anderem Birke, Roterle, Robinie). Der Laubholzanteil soll weiter steigen. Auch an der Kippe (Wardenslinde) soll sich einiges tun. Dort sind etliche Robinien zu alt und müssen gefällt werden. Die Wiederaufforstung soll mit Rotbuche und Vogelkirsche erfolgen.

Geplant sind für das Jahr 2018 in diesem Bereich Ausgaben in Höhe von 25.200 Euro (2017 waren es 40.387,36 Euro).

Kulturbegründung

„Für den Eschweiler Stadtwald wird waldbaulich angestrebt, strukturreiche und naturnahe Wälder mit einer hohen Artenvielfalt zu entwickeln und zu erhalten, welche gleichermaßen nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten bewirtschaftet werden“, heißt es im Forstwirtschaftsplan.

Vor allem die Fichtenbestände sollen weiter in artenreiche und stabile Mischwälder umgewandelt werden, mit Bäumen wie Rotbuche, Roterle und Stieleiche. Auch Nadelhölzer wie Douglasie, Weiß- und Küstentanne werden in geringem Umfang beigemischt. An dieser Stelle erklärt der Förster, dass man die Fichte auf keinen Fall verteufeln solle. Sie sei aber ein Baum, der sich für den Eschweiler Stadtwald einfach nicht gut eigne.

Der Schwerpunkt der Neupflanzungen liegt in diesem Jahr bei den durch die Januarstürme entstandenen Kalamitätsflächen. Insgesamt ist die Pflanzung von 13250 Laubbäumen und 650 Nadelbäumen geplant. Die Planungen enthalten dabei übrigens auch die Pflanzung von 500 Fichten, die dann zu Weihnachtsbäumen für städtische Einrichtungen werden.

Geplante Ausgaben 2018: 20.190 Euro (2017: 7532,70 Euro).

Forstschutz

Die starken Stürme haben dafür gesorgt, dass viele Nadelholzbestände stark aufgerissen sind. Die Folge: Sie erwärmen sich im Frühjahr und Sommer stark und bieten Schädlingen ausgezeichnete Vermehrungsmöglichkeiten. Schädlingsbekämpfung steht also ebenfalls weit oben auf der Agenda.

So wird erhöhtes Augenmerk auf Vogel- und Fledermausschutz gelegt: Jährlich werden Nisthilfen gereinigt und neue angebracht. Ein gewisser Bestand an Totholz wird zudem im Wald belassen, wodurch insbesondere die Specht- und Folgearten sowie seltene Insektenarten gefördert werden.

Zudem gibt es Maßnahmen zum Erhalt der Waldameise sowie zur Bekämpfung des Buchdruckers und Kupferstechers (beides sind Borkenkäferarten) an der Fichte. Diese werden mit sogenannten Fangholzhaufen in Schach gehalten. Zudem werden 2018 circa 4000 Wuchshüllen zum Schutz der jungen Laubhölzer angebracht.

Geplante Ausgaben 2018: 13.140 Euro (2017: 4951,61 Euro).

Bestandspflege

Auf 2,53 Hektar soll in diesem Jahr sogenannte Jungbestandspflege vorgenommen werden. Dabei werden hauptsächlich junge, schlecht geformte Vorwüchse (sogenannte Protze), kranke Individuen und andere Baumarten mit einer bodennahen Kappung mit der Motorsäge entfernt.

Geplante Ausgaben 2018: 1600 Euro (2017: 170,70 Euro).

Wegebau

Auch Instandsetzungen von Forstwirtschaftswegen stehen an. Zudem sollen Schlaglöcher an Waldparkplätzen ausgebessert werden.

Geplante Ausgaben 2018: 17630 Euro (2017: 19421,45 Euro).

Maschinen und Geräte

In diese Rubrik entfallen wiederkehrende Lohn- und Sachkosten für die Unterhaltung des Forsttraktors, für Motorsägen und anderes forstspezifisches Gerät. Für 2018 ist die Beschaffung eines Arbeitskorbes für den Frontladeranbau am städtischen Forstschlepper geplant.

Dadurch kann der Traktor noch vielseitiger eingesetzt werden und Verkehrssicherungsarbeiten an Waldwegen sind vermehrt in Eigenregie möglich. Des Weiteren wurden Mittel für die Ersatzbeschaffung eines Mulchmähers, der für das Mähen der Wegeseitenflächen dringend erforderlich ist, in den Haushalt 2018 eingebracht.

Geplante Ausgaben 2018: 43920 Euro (2017: 34723,54 Euro).

Sozialfunktion

Die Bedeutung des Stadtwaldes als stark frequentiertes Naherholungsgebiet, das auch aus Sicht des Natur- und Artenschutzes sowie der Landschaftspflege einen hohen Stellenwert hat, ist überdurchschnittlich hoch. Die Ausgaben im Bereich der Erholungseinrichtungen umfassen unter anderem jährliche Instandhaltungsarbeiten an Erholungsbänken, Schutzhütten und Informationstafeln.

Über die Sommermonate werden in beschränktem Umfang neue Bänke gebaut sowie vorhandene instand gesetzt und bei Bedarf ausgetauscht. Die Beseitigung von „wildem“ Müll, wie zum Beispiel Haushalts- und Gartenabfällen, Elektroschrott und Bauschutt, gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Forstbetriebes. Neben der Aufwendung finanzieller Mittel für Müllbehältnisse fallen viele Arbeitsstunden für das Einsammeln und den Transport des Mülls zum Betriebsgelände an. Die Lohnkosten werden in diesem Bereich voraussichtlich auch im Jahr 2018 unverändert hoch sein.

Die Pflege des Reitwegesystems im Stadtwald wird vom Forstbetrieb koordiniert. Entsprechend der Höhe der vorhandenen finanziellen Mittel, welche die Städteregion Aachen aus Fördermitteln des Landes NRW (Reitabgabe) bereitstellt, können die Reitwege einmal im Jahr freigeschnitten und in Teilstücken saniert werden.

Im Bereich des Biotop- und Artenschutzes sind folgende Maßnahmen vorgesehen: Pflege von Feuchtbiotopen, Maßnahmen zum Erhalt und zur Vermehrung der Roten Waldameise, Maßnahmen zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen, Maßnahmen zum Erhalt der Orchideenvorkommen im Stadtwald und in den Außenbezirken sowie Maßnahmen zur Pflege der Streuobstwiesen.

Geplante Ausgaben für 2018: 22950 Euro (2017: 23284,77 Euro).

Aktuell liegen noch circa 500 bis 600 Efm Fichtenstammholz geworfen und teilweise abgebrochen in den Beständen, was zusammen mit den bereits verarbeiteten Mengen etwa einem eineinhalb- bis zweifachen Jahreseinschlag bei der Baumartengruppe Fichte entspricht. Die Aufarbeitung dieser Mengen hat derzeit für Marco Lacks und seine Helfer hohe Priorität, um spätere Folgeschäden durch Borkenkäferbefall im April/Mai zu vermeiden und das wertvolle Fichtenholz noch zu einem guten Preis veräußern zu können. Im Forstwirtschaftsplan wird derzeit von Einnahmen in Höhe von 75000 Euro ausgegangen. Marco Lacks sagt zum Fortgang der Arbeiten: „Wir sind richtig gut dran.“

Bleibt zu hoffen, dass der Stadtwald von Nachfolgern von „Friederike“ und „Burglind“ vorerst verschont bleibt ...

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