Würselen: Flugplatz Merzbrück: 100 Mercedes-Oldtimer ausgestellt

Würselen: Flugplatz Merzbrück: 100 Mercedes-Oldtimer ausgestellt

Rosemarie ist bildschön - man könnte sich auf der Stelle verlieben. Den Reizen Rosemaries ist der 62-jährige Walter Schorn längst erlegen, und seine Ehefrau hat Verständnis dafür, denn ihr ergeht es nicht anders: Auch sie liebt das Mercedes-Benz-Cabrio 190 SL, Baujahr 1956, heiß und innig.

Das Auto ist eines von rund 100 Mercedes-Oldtimern, die sich auf einer Wiese auf dem Flugplatz Merzbrück lackglänzend aneinanderreihen. „Wir feiern heute die Eröffnung der Saison”, erklärt Gerd Mols, Mitglied beim Stammtisch Aachen der Mercedes-Benz Interessengemeinschaft (MBIG). Die Stammtische beziehungsweise Ortsgruppen sind europaweit vertreten. „Unser Stammtisch hat 42 Mitglieder. Europaweit sind es rund 2500”, ergänzt Schorn von der Aachener Stammtischleitung.

Die Ortsgruppen sind eine Plattform für die Liebhaber historischer Autos mit dem dreizackigen Stern als Markenzeichen. „Wir haben Mitglieder, die wahre Experten sind, die sich im Laufe der Zeit so spezialisiert haben, dass sie auch bei schwierigen technischen Problemen weiterhelfen können”, sagt Gerd Mols. Dieses Fachwissen sei Gold wert, gerade für denjenigen, der seinen Oldtimer eigenhändig restaurieren will.

Oldtimerliebhaber wie Mols einer ist. Fünf Jahre hat es gedauert, bis er eine Rostlaube wieder zurück in ein Glanzstück der deutscher Automobilgeschichte verwandelt hatte. „Es ist 190 D Ponton, Baujahr 1960”, sagt er stolz und deutet auf einen dunkelgrauen Mercedes. Als er die Beifahrertür öffnet, ist es, als sei man in einer Zeitkapsel.

Die Instrumententafel, das Armaturenbrett, das eingebaute Radio, das überdimensionierte schlanke Lenkrad: Das Design spiegelt den damaligen Zeitgeist wider.

Warum muss es denn ein Mercedes sein? „Es war schon immer mein Traum, eines Tages einen solchen Wagen zu fahren”, erzählt Mols, der begeistert vom Design der alten Modelle, aber auch von der Technik ist.

Für seinen Stammtischbruder Björn Schmidt ist die Marke untrennbar mit seiner Kindheit verknüpft. „Mein Großvater fuhr Mercedes. Schon als Teenager hat mich bei Autoausstellungen nur das interessiert, wo ein Stern dran ist”, erinnert sich der 44-Jährige aus Titz. „Mercedes war früher das Nonplusultra und hatte einen enormen technischen Vorsprung.”

Den neuen Mercedes-Modellen aber kann er nicht viel abgewinnen. „Heute sieht doch ein Auto aus wie das andere”, findet Björn Schmidt.

Viele der Oldtimer-Liebhaber haben ihrem Automobil einen Namen gegeben. Dass Walter Schorn seinen 190 SL von 1956 „Rosemarie” getauft hat, kommt nicht von ungefähr. „Die Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt, deren Ermordung für einen bundesweiten Skandal sorgte, fuhr in den 50er Jahren ein solches Modell”, erklärt Schorn. Was dem Cabrio den Beinamen „Nitribitt-Mercedes” einbrachte.

Stilvoll ins Hospital mit einem Mercedes-Benz: Unter den ausgestellten Fahrzeugen ist auch ein Krankenwagen - inklusive einer Schaufensterpuppe auf der Bahre. In einem guten Zustand ist das Fahrzeug der Optik nach zu urteilen aber nicht.

Wie eben erst vom Band gelaufen wirkt hingegen ein nachtschwarzer W120, „der älteste fahrbereite Ur-Ponton”, liest Björn Schmidt von dem Hinweisblatt ab, das an der Fensterinnenseite befestigt ist. Wie kann der Besitzer des Fahrzeuges sicher sein, dass sein Auto tatsächlich der älteste fahrbereite Ur-Ponton ist und nicht vielleicht in Frankreich ein Oldtimer aus der Serie seine Runden dreht? „Das Archiv von Mercedes-Benz ist die beste Quelle.

Dort sind alle wichtigen Informationen gespeichert: Anmeldung, Abmeldung, Besonderheiten”, sagt Schmidt. Informationen wie die, dass der schwarze Pkw im August/September 1953 produziert wurde und aus der Erstserie stammt. Er lief in einer Stückzahl von 52186 vom Band.

Dokumentiert sei auch, dass der Wagen im Januar 1954 an die Mercedes-Niederlassung in Zürich ausgeliefert und sechs Jahre später stillgelegt worden sei. Nach einem langen Dornröschenschlaf hat ihn ein Mercedes-Liebhaber aus dem Tiefschlaf erweckt. - und zwar mit Schraubenschlüssel und Ölkanne.

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