Fledermäuse: Fenster auf und Tschüss!

Fledermäuse: Fenster auf und Tschüss!

Kreis Aachen (an-o) - Die Zeit der "Fledermaus-Invasionen" ist wieder gekommen. Alljährlich fliegen einzelne Fledermäuse oder auch Gruppen der Tiere in Wohnungen ein. Der Eschweiler Fledermaus-Experte Arno Kohlert hat die besten Tipps, wie man die Tiere aus der Wohnung bekommt.

"Keine Angst vor den harmlosen Insektenjägern", rät Kohlert. Solche "Invasionen" finden besonders im August, aber auch bis Mitte September bei gutem Wetter statt. Es sind meist größere Gruppen von Zwergfledermäusen, die in der Nacht durch ein geöffnetes, besonders aber durch ein auf Kipp gestelltes Fenster in die menschlichen Behausungen einfliegen. Dort hängen sie sich in Gardinen und Vorhänge, um den Tag zu verschlafen.

Um derartige Einflüge zu verhindern sollten nachts die Fenster nicht auf Kipp gestellt werden. Falls Rollläden vorhanden sind, können diese auf Spalt heruntergelassen werden. Die Fledermäuse kommen dann nicht in die Zimmer. Ein Fliegengitter vor dem Fenster hilft ebenfalls sehr gut. Besonders in Räumen, die in der Nacht nicht genutzt werden (Büroräume), sollte das Fenster nachts geschlossen sein. Kohlert: "Im Falle einer Urlaubsreise ist es wichtig, dass die Fenster geschlossen sind. Sie könnten sonst bei der Wiederkehr eine Überraschung erleben."

Warum gibt es diese Fledermaus-Besuche im Spätsommer? "Dann lösen sich die Wochenstubengesellschaften der Zwergfledermäuse auf", erläutert Arno Kohlert. "Besonders die jungen und unerfahrenen Tiere suchen sich unsere Wohnungen als Zwischenquartiere aus."

Ihre Wochenstubenquartiere haben Zwergfledermäuse in Spaltenverstecken in und an Häusern. Sie nutzen Ritzen unter Flachdächern, hinter Verschalungen oder in Rollladenkästen. In diesen Ritzen ziehen die Weibchen im Juni und Juli ihre Jungen auf.

Im August fliegen die Jungtiere dann ihrer eigenen Wege. Sie sind dabei noch unerfahren, was das Auffinden geeigneter Verstecke anbelangt. "Ein gekipptes Fenster sieht ihrem Sommerquartier, in dem sie geboren wurden, recht ähnlich." In dem Glauben, ein gutes Versteck gefunden zu haben, fliegen die jungen Fledermäuse dort hinein und hängen sich zum Tagesschlaf in die Gardinen.

Dringende Bitte des Fledermaus-Fachmanns Kohlert: "Bitte bewahren Sie in einem solchen Fall die Ruhe und lassen Sie die Fledermäuse hängen.Die Tiere sind vollkommen harmlos. Sie greifen Menschen nicht an. Von den Fledermäusen geht auch keinerlei Infektionsgefahr aus."

Alle Fledermausarten sind nach dem Bundesnaturschutz-Gesetz besonders geschützt. Auch wenn es Vorurteile und Ängste den Tieren gegenüber gibt, darf den Fledermäusen kein Leid angetan werden.

So wird man die kleinen Gäste wieder los: Abends das Fenster weit öffnen, dann verlassen die Fledermäuse von alleine das Zimmer. Sie sind nicht in der Lage durch gekippte Fenster herauszufinden. "Wenn alle Tiere ausgeflogen sind, schließen Sie das Fenster wieder und halten es am besten die folgenden Nächte geschlossen, da die Tiere sonst zurückkommen können; sie sind sehr ortstreu."

Ganz wichtig, sagt Kohlert: "Bitte überzeugen Sie sich davon, dass alle Fledermäuse den Raum verlassen haben und sich keine Tiere mehr hinter Möbeln, Bildern oder in anderen Verstecken aufhalten." Besonders in Vasen und anderen nach oben offenen Gefäßen soll man nachschauen, das sind richtige Fledermausfallen!