Feuerwehrmann Krause erzählt im Eschweiler Erzählcafé

Feuerwehrmann Krause erzählt aus seinem Alltag: Auch ein Held braucht manchmal Hilfe

Feuerwehrmann zu sein, bedeutet Held zu sein und Menschen zu helfen. Aber der Beruf hat auch seine Schattenseite. Vor allem dann, wenn ein sechs Monate altes Baby nicht mehr zu retten ist. Für Manfred Krause von der Eschweiler Feuerwehr war das ein sehr belastendes Erlebnis.

Sein größter Wunsch war es damals nicht, diesen Beruf zu erlernen. Krause fühlte sich zwar dazu berufen, aber erst mit den Jahren änderte sich seine Sicht. „Feuerwehrmann zu sein, das ist heute mein Traumberuf“, sagt er. Doch der Beruf bringt nicht nur Abwechslung und Kontakt mit Menschen mit sich, er bedeutet auch, Schwerverletzte aus Trümmern zu retten und manchmal Tote zu bergen – das sind die hässlichen Seiten.

„Der Tod des Babys ereignete sich noch in meiner Anfangszeit. Damals bekamen wir als Feuerwehrleute noch nicht die psychosoziale Unterstützung, die wir heute erhalten“, berichtet der 54-Jährige, der auch Leiter der Brandschutzerziehung ist. „Dieses Ereignis hat mich sehr lange beschäftigt.“

In der vergangenen Zeit habe es zwar keine einschneidenden Erlebnisse mehr gegeben, so dass eine psychosoziale Betreuung im Moment nicht nötig sei. Aber es gebe immer wieder Situationen, in denen man froh über ein solches Angebot sei.

Manfred Krause von der Feuerwehr Eschweiler berichtet beim Erzählcafé über seine schönen Erlebnisse, aber auch über die Schattenseiten seines Berufs. Foto: Anke Capellmann

„Wir werden immer wieder zu außergewöhnlichen Einsätzen gerufen, die uns aus der Bahn werfen können. Sei es Suizid auf Bahngleisen oder andere schlimme Unfälle – besonders wenn Kinder daran beteiligt sind“, sagt Krause. „Dann ist eine solche Betreuung angebracht.“

Wehrleute dürften auch nicht denken, das sei nun mal ihr Beruf und mit solchen Dingen müsse man klarkommen. Psychosoziale Unterstützung sei gut und wichtig. Trotzdem habe sich bislang nichts derart Schlimmes ereignet, nachdem Krause aufhören wollte. „Es bleibt meine Berufung, Menschen zu helfen. Es gibt keinen anderen Beruf, in dem das mehr gewährleistet ist“, sagt der 54-Jährige.

Krause hat sich freigenommen, um beim Erzählcafé der Evangelischen Kirchengemeinde zu berichten. Im Fall der Fälle stünde er der Wehr aber jederzeit bereit. Ein Einsatz stört das gemütliche Beisammensein der zahlreichen Besucher im Martin-Luther-Haus aber an diesem Vormittag nicht.

Seit 1990 ist Krause bei der Feuerwehr Eschweiler. Vor allem die Brandschutzerziehung und –aufklärung liegt dem Eschweiler Urgestein am Herzen. Eindringlich weist der 54-Jährige deswegen auch auf die Rauchmelderpflicht in allen Bundesländern hin. Immer wieder gebe es auch Betrüger, die an Haustüren vorgeben würden, Rauchmelder zu überprüfen. „Aber solche Kontrollen öffentlicher Hand finden nicht statt“, berichtet Krause. In solchen Fällen sollten Betroffene auch immer die Polizei benachrichtigen.

Jeder Flur, jedes Schlaf- und Kinderzimmer, als auch Gästezimmer benötigen einen Rauchmelder – in einem Haus auf jeder Etage. „Vor dieser Pflicht starben bei häuslichen Bränden jedes Jahr etwa 800 Menschen. Dazu kommen 6000 bis 7000 Schwerverletzte und an die 10.000 Leichtverletzte. Dabei stellt vor allem entstehendes Kohlenmonoxid eine große Gefahr dar“, sagt Krause. Um sich sicherer zu fühlen, gebe es auch Kohlenmonoxid-Melder für zu Hause.

Seinen ersten Einsatz als Einsatzleiter hat Krause an Heiligabend erlebt. Die Feuerwehr wurde nach Eschweiler-Ost gerufen. Ein Mann hatte seine Eltern beim weihnachtlichen Besuch im Badezimmer gefunden. Der Vater sei tot gewesen, die Mutter schwerverletzt. Der Grund sei eine Kohlenmonoxid-Vergiftung gewesen.

Insgesamt wurde die Feuerwehr der Stadt im Jahr 2017 zu

11.091 Einsätzen gerufen, darunter 289 Brandeinsätze.

Gerade in der bevorstehenden Adventszeit weist Krause auch auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Kerzen und Weihnachtsgestecken hin. „Eine Kerze in trockenem Gestrüpp endet nicht selten in einer imposanten Flamme“, sagt er. Das sind Einsätze, die Krause nicht selten erlebt. „Die meisten Toten sind Rauchtote. Viele sterben nicht aufgrund von Verbrennungen, sondern weil sie Brandrauch inhalieren. Es kribbelt bei mir heute noch am ganzen Körper, wenn ich daran denke, dass wir früher echte Kerzen am Weihnachtsbaum hatten.“

Auch Küchenbrände seien nicht selten. Beispielsweise wenn irgendwas auf dem Herd stehe, man in Gedanken die falsche Herdplatte anschalte und dann den Raum verlasse. Vor allem in Verbindung mit heißem Fett könne es ganz schnell riesige Flammen in der Küche geben. „Bloß nicht mit Wasser löschen, sonst gibt es eine Fettexplosion“, erklärt der 54-Jährige. „Wasser verdampft bei 100 Grad. Wenn Fett eine Temperatur von 300 bis 350 Grad hat, um man dann versucht, den Fettbrand mit Wasser zu löschen, passiert folgendes: Weil Wasser schwerer als Fett ist, sinkt es auf den Boden des Behälters. Durch die Hitze verdampft das Wasser schlagartig. Aus einem Liter Wasser entstehen 1700 Liter Wasserdampf. So wird das brennende Fett explosionsartig aus dem Topf geschleudert.“

Am Ende des Erzählcafés waren sich alle einig, dass das Thema interessant und wichtig sei. „An den Tischen war es lebhaft, der persönliche Austausch und vor allem die zahlreichen Tipps haben dazu beigetragen“, bilanziert Pfarrer Dieter Sommer. Auch Manfred Krause zeigt sich zufrieden und verlässt das Erzählcafé, um weiter seinem Traumberuf nachzugehen.

Weitere Informationen gibt es unter www.ev-kirche-eschweiler.de.

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