Eschweiler-Neu-Lohn: Festwochenende „50 Jahre Umsiedlung Lohn“ weckt Erinnerungen

Eschweiler-Neu-Lohn : Festwochenende „50 Jahre Umsiedlung Lohn“ weckt Erinnerungen

Viele Emotionen kamen hoch, als am Wochenende in Neu-Lohn an die Umsiedlung vor 50 Jahren erinnert wurde. Gedanken an den Verlust der ehemaligen Heimat, an die alten Straßen und Dörfer im Kirchspiel, aber auch an die Aufbruchstimmung nach der Entscheidung, dass die alten Orte dem Braunkohlebagger weichen mussten.

Am Ende überwogen der Optimismus und das Wissen, dass in all den Jahrzehnten eine lebendige Dorfgemeinschaft und ein beispielhafter Zusammenhalt in Eschweilers Norden entstanden ist.

Bilder des Festwochenendes: Bei der Multimedia-Ausstellung im Gasthof Rinkens schwelgten die Besucher in Erinnerungen. Am Samstagabend heizte die Cover-Band Heartbeat den Besuchern mächtig ein. Die Vertreter des Fördervereins schwangen sich auf die E-Bikes von Thomas Henrotte (2. von rechts), die Rundfahrt überließen sie jedoch anderen Menschen. Foto: Patrick Nowicki/Manuel Hauck

Schon vor Monaten starteten die Vorbereitungen in dem Dorf, die in ein Wochenende mündeten, an das man sich noch lange erinnern wird. „Viele Menschen, die einst im Kirchspiel gewohnt haben, besuchten das Fest“, sagte Thomas Wintz, der Vorsitzende des Fördervereins, der aus allen Ortsvereinen eigens für das Jubiläum gegründet wurde, jedoch weiterhin Bestand haben soll.

Bilder des Festwochenendes: Bei der Multimedia-Ausstellung im Gasthof Rinkens schwelgten die Besucher in Erinnerungen. Am Samstagabend heizte die Cover-Band Heartbeat den Besuchern mächtig ein. Die Vertreter des Fördervereins schwangen sich auf die E-Bikes von Thomas Henrotte (2. von rechts), die Rundfahrt überließen sie jedoch anderen Menschen. Foto: Patrick Nowicki/Manuel Hauck

Nicht alle Umsiedler zogen nach Neu-Lohn, sondern wurden in die gesamte Region verstreut. Zum Jubiläum kamen ehemalige Nachbarn, Spielkameraden und Freunde wieder zusammen. So entwickelte sich die Ausstellung im Gasthof Rinkens zum Tummelplatz für den Austausch zahlreicher Erinnerungen.

Alte Bilder und Dokumente berichteten von der Umsiedlung, Fahnen und Fotos belegten die lange Historie des Kirchspiels. Immer wieder versammelten sich Menschentrauben vor den Bildschirmen, um über jeden dort gezeigten historischen Straßenzug zu sprechen.

Rundfahrt mit dem Bus

Draußen lockten E-Bikes und ein Bus zur Rundreise durch das Areal des ehemaligen Kirchspiels, das aus den Orten Lohn, Fronhoven, Langendorf, Pützlohn und Erberich sowie dem Rittergut Hausen bestand. Heute erinnern nur noch Gedenksteine und Kreuze an die Orte, die für die Tagebaue Inden und Zukunft abgebaggert wurden. Franz Wings, der selbst 1973 von Langendorf nach Dürwiß umzog, übernahm die Führung über die inzwischen rekultivierte Fläche und berichtete einiges aus der Geschichte und den Besonderheiten der Orte.

Etwas konnte erhalten bleiben: Die Gedächtniskapelle Kirchspiel Lohn befindet sich nicht nur an der Stelle, wo vor Jahrzehnten der sogenannte Dom des Jülicher Landes, die Pfarrkirche St. Silvester stand, sondern darin kann man auch noch den sogenannten Jesus-Maria-Josef-Altar des abgebaggerten Gotteshauses sowie Figuren aus der Kirche St. Josef in Fronhoven bewundern. Bilder der beiden Kirchen hängen seit dem Wochenende in Neu-Lohn und sollen auch dort bleiben.

Ohnehin hat der Förderverein Wert darauf gelegt, dass die Erinnerung an die Umsiedlung nicht mit dem Wochenende erlischt. Die aufwendige Multimedia-Ausstellung soll noch anderen Orten zu sehen sein, auch im Eschweiler Rathaus. Das 1. Reservistenkorps der KG Kirchspiel Lohn organisierte eine Geocaching-Aktion, die zu den Stellen der ehemaligen Dörfer führt. Auch in Zukunft können sich Menschen also mit Handy oder GPS-Gerät auf Spurensuche begeben. Der Kirchspiel-Wanderweg bleibt natürlich ebenfalls bestehen.

„Heimat ist kein Ort — Heimat ist Gemeinschaft“ hat der Förderverein das Fest am Wochenende überschrieben. Vor allem beim festlichen Gottesdienst am Sonntagmorgen wurde dieser Satz mit Leben gefüllt. Pfarrer Dr. Rainer Hennes zelebrierte die Messe unter Mitwirkung von Organist Erwin Martinett und der Bläsergruppe „Frohsinn Lohn“.

Anschließend lobte Bürgermeister Rudi Bertram den Zusammenhalt der Menschen in Lohn. Für RWE trat der Leiter des Tagebaus Inden, Andreas Wagner, ans Mikrofon: „Sie können stolz auf ihr Dorf sein“, sagte er. Vor allem den Älteren dankte er, die einst „im Interesse der Energieversorgung“ umgesiedelt seien und „große Belastungen“ hingenommen hätten. Inzwischen könne man nicht mehr erkennen, dass es sich um einen Umsiedlungsort handele.

Nicht nur die Ausstellung im Gasthof Rinkens, der an diesem Wochenende im Mittelpunkt des Festes stand, sondern auch die 78 Seiten umfassende Festschrift ließ die Geschichte des Kirchspiels, aber auch die vergangenen 50 Jahre seit der Umsiedlung Revue passieren. Viele interessante Passagen befinden sich in dem Werk, das von Peter Dickmeis, Thomas Graff, Ralf Mitzlaff, Stefan Schnorr, Willy Thelen und Dieter Valk verfasst wurde.

Wer gedacht hat, im Kirchspiel habe es außer Landwirtschaft kaum Betriebe gegeben, wird eines Besseren belehrt: Berichtet wird von Schreinereien, Polstereien, Lebensmittelläden, Schmiede und Tankstelle, Bauunternehmungen und einer Nagel-Fabrik. Bunt ist auch das Angebot an Vereinen, die einst bestanden oder immer noch aktiv sind. Sogar der Milchkannenschießclub „Schall und Rauch“ wird genannt, der regelmäßig eine Dorfmeisterschaft veranstaltet.

Das Festprogramm startete am Samstag mit einem Festzug, an dem sich alle Ortsvereine beteiligten. Anschließend lockte die Cover-Band Heartbeat ans Loft des Gasthofs Rinkens — bis spät in die Nacht wurde gefeiert. Dem Gottesdienst am Sonntag folgte schließlich der Besuch des Friedhofs, wo der ehemalige Pfarrer von St. Silvester Lohn, Achim Mertens, einige Worte an Menschen richtete — als Zeichen einer besonderen Verbundenheit. Pünktlich mit dem Anpfiff der Deutschland-Partie Sonntagnachmittag endete der Festreigen.

Nach dem Spiel herrschte ohnehin kaum noch Feierlaune. Auch das passte zur Umsiedlung, die auf der einen Seite Chancen für den Ort eröffnete, aber eben auch Verlust und Trauer bedeutete. Da passt es, dass heute der 50. Todestag von Leo Meuser ist, dem Bürgermeister von Lohn, der maßgeblich an der Umsiedlung mitgewirkt hat und bei einem Verkehrsunfall ums Leben kann. Heute trägt eine Straße in Neu-Lohn seinen Namen.