Eschweiler: Felix Janosa präsentiert sich bissig, böse und brüllend komisch

Eschweiler : Felix Janosa präsentiert sich bissig, böse und brüllend komisch

Bissig, böse und brüllend komisch: So präsentierte sich Kabarettist und Komponist Felix Janosa im Talbahnhof. Mit seinem Programm „A bit too radical“ reiste er gemeinsam mit seinem Publikum durch die vergangenen 75 Jahre der deutsch-amerikanischen Beziehung.

In Zusammenarbeit mit Satire-Urgestein Wendelin Haverkamp kreierte Janosa sein unterhaltsames Programm. Neben der deutsch-amerikanischen Verbindung spielte der Singer-Songwriter Tom Lehrer eine tragende Rolle für die Show. Denn seine bitterbösen Lieder hat das kreative Duo verdeutscht und in das einzigartige Programm gehüllt.

Haverkamp begrüßte das Publikum und erzählte, wie Janosa vor drei Jahren auf ihn zu kam. „Er weihte mich in seine Show-Pläne ein und welchen Umfang diese hätten. Ich war direkt begeistert und freue mich nun, Ihnen diese intelligente Form satirisch-sarkastischer Hinterhältigkeit ankündigen zu dürfen!“ Dann ging es los. Janosa betrat die Bühne. Mit seinem farblich zurückhaltenden Jacket und dem Anstecker besetzten Hut setzte er sich an das Klavier.

Von Donald zu Donald

Janosa packte direkt bei Showauftakt seinen schwarzen, ja beinahe schwärzesten Humor aus und leitete mit dem satirischen Stück „Der Fuehrer‘s Face“ von Walt Disney die abendliche Reise ins Jahr 1945 ein. Mit dem Anti-Hitler-Lied, ursprünglich von Donald Duck gesungen, zeigte er die Absurdität der nationalsozialistischen Propaganda auf. Der derbe Text in Kombination mit dem Gequake einer Ente erschuf eine skurrile Atmosphäre. Donald Duck brachte Janosa zu Donald Trump.

Denn der Präsident, der illegale Flüchtlinge aus dem Land treiben will, hat einen deutschen Großvater. Dieser widersetze sich dem deutschen Wehrdienst, indem er illegal nach Amerika einreiste — so eine Ironie! Mit klarer Linie verdeutlichte Janosa, dass unsere Vorstellungen des typischen Amerikaners und anders herum vom typischen Deutschen nur klischeebehaftet sind. Er erklärte: „Jeder dritte Amerikaner stammt von Deutschen ab. Wenn nicht sogar jeder Vierte“ — gab er mit einem Augenzwinkern an.

Janosa lässt in seine musikalischen Darbietungen immer wieder Informationen über Tom Lehrer einfließen. Der Songwriter hat an die 50 Lieder komponiert, welche Janosa eine gute Grundlage für seinen Zynismus geben.

Mit dem Lied „Wernher von Braun“ besingt der Kabarettist den deutschen Raketenforscher, der zur gelungenen Mondmission der Amerikaner beitrug. Er entging der Gefängnisstrafe, die er aufgrund seiner NS-Vergangenheit verdient hätte. Denn „die Amerikaner haben die gerettet, die für sie von Wert waren!“, so Janosa. Nicht nur die Nationalsozialisten werden in Lieder verpackt, sondern auch die atomare Aufrüstung, Pfadfinder, Weihnachtsschnulzen und der Vatikan.

Ebenso werden Attentate und Bomben in bissigen Texten gesteckt und es heißt:„Der nächste bitte!“ Janosa bricht mit Tabus und treibt seine Lieder gerne bis auf die Spitze. Daher passt der Programmname „A bit too radical“ einfach mehr als perfekt! Mit dieser brutal-satirischen Eigenschaft widmet sich der Komponist leidenschaftlich seinen Liedern unter anderem über abschreibende Wissenschaftler, den Verfall des Körpers, die Allzweckwaffe Marine, die Verschmutzung und die sexuelle Befreiung. Letztere im „Masochisten-Tango.“

Reise durch die Zeit

Bei all seinen Erzählungen und Liedern reist Janosa mit seinem Publikum durch die Zeit. Beginnend in der 1940er Jahren bis in die heutige Zeit. In dieser angekommen, knüpft er erneut an Donald Trump an. Denn bei allem, was die Deutschen sich von der vermeintlichen Freiheit Amerikas abgeguckt haben (Autos, Kühlschränke, Coca Cola), so hätten die Amerikaner auch mal bei uns abschauen können: „Mit Hillary Clinton hätte Amerika eine Frau als Regierungschefin haben können. Da hätten sie einmal was von uns lernen können!“

Daran schließt ein Lied über die „National Brotherhood Week“ an. Das ist eine Woche in Amerika, in der jeder zu jedem freundlich ist. Schade, dass dafür eine spezielle Woche gebraucht wird. Genau dieses kritische Denken fordert Janosa mit seiner kabarettistischen Reise heraus. Nicht alles für selbstverständlich zu nehmen und die eigene Welt zu mustern.

Denn Klischees, Vorurteile, Unfreundlichkeit und Dummheit machen die Welt schlechter. Genau diese Reflexion liebt auch das Publikum im Talbahnhof an dem Künstler und feiert mit ihm seine Zugabe „Poison the pigeons in the park“ — Vergiften der Tauben im Park.

(cca)